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Aktualisiert: 26.09.2016, 11:14 Uhr

Aktionäre in Sorge Deutsche Bank auf Rekordtief

Spekulationen über eine Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank drücken die Aktien des Instituts auf ein Rekordtief. Anleger sind auch wegen einer anderen Nachricht besorgt.

© dpa Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist auf einem Rekordtief.

Die Deutsche Bank bereitet nicht nur den Anlegern schon länger Sorgen. Am Montag erreichen diese einen neuen Höhepunkt - unbd der Aktienkurs ein neues Tief. Mit einem Minus von mehr als sechs Prozent auf einen Kurs von 10,68 Euro ist die Aktie von Deutschlands größter Privatbank so billig wie nie zuvor.

Gerade einmal 16 Milliarden Euro ist das Unternehmen demnach noch wert - weniger als der Wohnungskonzern Vonovia oder der Baustoffhersteller Heidelbergcement. Der Unternehmenswert entspricht allein dem Zinsergebnis der Bank des vergangenen Jahres.

DT. BANK

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Zum Vergleich: Selbst die Commerzbank ist derzeit mit dem 1,3fachen des Zinsergebnisses bewertet. Bei der Schweizer Credit Suisse ist es das 2,7fache. Das zeigt wie gering das Vertrauen in die Überlebensfähigkeit der Bank geworden ist.

Umgerechnet gut zwölf Milliarden Euro will das amerikanischen Justizministerium als Strafzahlung für unsaubere Geschäfte auf dem amerikanischen Immobilienmarkt vor der Finanzkrise haben. Die Bank geht zwar fest davon aus, die Summe - die die Rückstellungen deutlich übersteigt - im Verhandlungspoker noch drücken zu können. Eine große Belastung wird es dennoch, allzumal weitere großer Rechtsstreitigkeiten in der Schwebe sind.

Ein Vergleich im Umfang von 3 bis 3,5 Milliarden Dollar würde der Bank Spielraum lassen, andere Rechtsstreitigkeiten beizulegen. Jede weitere Milliarde Dollar an Rechtskosten werde das Kapital um weiter 0,24 Prozentpunkte abschmelzen lassen, schrieben die Analysten von JP Morgan Chase & Co. Seit dem Bekanntwerden der Strafforderung steht der Aktienkurs der Deutschen Bank massiv unter Druck.

Furcht vor der Kapitalerhöhung

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank im Moment wegen ihres Umbaus kaum Geld verdient und die Kapitaldecke ohnehin vergleichsweise dünn ist. 2015 hatte das Geldhaus einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro gemacht. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres stand ein geringer Gewinn von 232 Millionen Euro zu Buche.

Damit befürchten Investoren die Notwendigkeit einer weiteren großen Kapitalerhöhung. Doch die Verfassung der Bank ist dafür ungünstig. Die Bundesregierung lehnte ein Engagement schon ab. „Es gibt keinen Anlass für solche Spekulationen, wie sie da angestellt werden, und die Bundesregierung beteiligt sich auch an solchen Spekulationen nicht", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Er nahm Bezug auf das Magazin „Focus", das in seiner jüngsten Ausgabe unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, Bundeskanzlerin Angela Merkel schließe Staatshilfen im Wahljahr 2017 „kategorisch“ aus. Bei einem „Geheimtreffen“ im Sommer habe Merkel Bankchef John Cryan zudem die Hoffnung genommen, sich diplomatisch in den amerikanischen Hypothekenstreit einzuschalten, berichtete das Magazin. Nach den Worten von Seibert geht die Bundesregierung allerdings davon aus, dass in den Vergleichsgesprächen ein „faires Ergebnis„ erzielt wird.

Kapitalbedarf auch ohne Strafe

„Die Regierung hat bei der Commerzbank die Kohlen aus dem Feuer geholt, und Anleger reagieren enttäuscht, weil sie das bei der Deutschen Bank offenbar nicht machen würde“, sagte Analyst Heino Ruland von Ruland Research.

Bereits vergangene Woche hatte ein Analyst gesagt, der deutsche Branchenprimus sei deutlich unterkapitalisiert und habe einen Kapitalbedarf von etwa 20 Milliarden Euro. Die Analysten von Mediobanca schrieben zu Wochenbeginn in einem Kurzkommentar, die Deutsche Bank werde um eine Kapitalerhöhung nicht herumkommen, Hypothekenstrafe hin oder her.

So sei beispielsweise auch noch offen, ob der Verkauf der Postbank zur Kapitalentlastung überhaupt gelingt und wie die strengere Regulierung unter dem Schlagwort "Basel IV" durchschlägt. So lange es aber so viele Unbekannte in der Rechnung gebe, sei es mühsam, über das Ausmaß der Kapitalmaßnahme zu spekulieren.

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Die Deutsche Bank wollte das Treffen mit Merkel nicht weiter kommentieren. Kenner der Materie sagten bei dem sei es um die Auswirkungen des Brexit-Votums gegangen. „Die Deutsche Bank ist fest entschlossen, ihre Herausforderungen alleine zu lösen", sagte dagegen ein Sprecher. „John Cryan hat zu keinem Zeitpunkt die Bundeskanzlerin darum gebeten, dass die Regierung im Hypothekenverfahren mit dem amerikanischen Justizministerium interveniert.“ Auch die Frage einer Kapitalerhöhung stelle sich derzeit nicht, da die Bank alle Vorgaben der Regulierer erfülle.

Es gehe der Bank gut und auch das Liquiditätspolster sei in Ordnung. Die Deutsche Bank brauche aber eben Zeit, sich durch ihre Rechtsstreitigkeiten zu arbeiten. Die Zahlen zum dritten Quartal sollen am 27. Oktober veröffentlicht werden.

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