http://www.faz.net/-gv6-8w3lc

Kapitalerhöhung : Deutsche Bank enttäuscht ihre Aktionäre

Dunkle Wolken über der Deutschen Bank in Frankfurt. Die Analysten zeigen sich skeptisch. Bild: dpa

Ein vorsichtiger Ausblick für 2017 und ein niedriger Bezugspreis für die Kapitalerhöhung belasten den Aktienkurs der Deutschen Bank. Vielen Anlegern sind die Aussichten zu unsicher.

          Die Aktie der Deutschen Bank ist nach Bekanntgabe der Details zu der milliardenschweren Kapitalerhöhung am Montag deutlich abgesackt. Mit einem Minus von vorübergehend 3,9 Prozent auf einen Kurs von 17,17 Euro war sie mit Abstand der schwächste Wert unter den Einzeltiteln im Dax. Aktionäre reagierten damit in erster Linie auf den Bezugspreis für die anstehende Kapitalerhöhung, den die Bank am Sonntag mit 11,65 Euro angegeben hatte (F.A.Z. vom Montag). Der Preis lag deutlich unter dem Schlusskurs vom Freitag; offenbar musste die Bank einen so hohen Abschlag in Kauf nehmen, um alle 690 Millionen neue Aktien unterzubringen. Händler verwiesen am Montag darauf, dass viele Aktionäre nun zu dem höheren Kurs verkauften, um sie dann durch neue Aktien zu dem niedrigeren Bezugspreis zu ersetzen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bank will von diesem Dienstag an rund 690 Millionen neue Aktien ausgeben und auf diese Weise 8 Milliarden Euro neues Kapital aufnehmen. Die Bezugsrechte für die neuen Aktien können dann an den deutschen Börsen noch bis zum 4. April gehandelt werden. Der Vorstandsvorsitzende der Bank, John Cryan, warb am Montag noch einmal für das Vorhaben: „Unser Ziel ist es, die Position als führende europäische Bank mit globalem Netzwerk zu stärken. Eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg unserer Strategie und für neues Wachstum ist eine starke Kapitalausstattung.“

          DT. BANK

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Analysten sind sich uneinig

          Analysten haben sich nach der Bekanntgabe der Pläne für eine Kapitalerhöhung skeptisch gezeigt. 16 der 30 Analysten, deren Berichte der Finanzdienst Bloomberg zusammenfasst, raten immer noch zum Verkauf der Aktie. Nur zwei raten zum Kauf, die übrigen nehmen eine neutrale Haltung ein. Der durchschnittliche Zielkurs liegt bei 15,57 Euro. Die meisten Analysten geben sich zwar beeindruckt von dem, was Cryan zuletzt geleistet hat, sie weisen aber auch auf die vielen Unsicherheiten rund um den Umbau des Konzerns hin. So will die Bank nun doch die Postbank integrieren, nachdem sie über zwei Jahre die Abspaltung verfolgte.

          Zudem will Cryan einen Teil der Vermögensverwaltung an die Börse bringen. Analysten verwiesen am Montag noch einmal darauf, dass die Pläne noch mit erheblichen Umsetzungsrisiken beladen seien. Dass der abermalige Umbau sich noch länger hinziehe, dürfte den Vorsprung der amerikanischen Wettbewerber weiter ausbauen, warnt etwa Analyst Michael Seufert von der Nord LB.

          Bank erwartet unveränderte Umsätze für 2017

          Auch der am Montag veröffentlichte Geschäftsbericht und vor allem der Ausblick für das laufende Jahr haben die Anleger nicht überzeugt. So erwartet die Bank für 2017 weitestgehend unverändert Umsätze, während viele Analysten angesichts der wieder anziehenden Zinsen in den Vereinigten Staaten mit besseren Geschäften gerechnet hätten. Andrew Coombs, Analyst der Citi Group, verwies auch auf den zurückhaltenden Ausblick zur Unternehmensfinanzierung, die die Deutsche Bank eigentlich stärken will. Auch hier ist im Ausblick nur von stabilen Umsätzen die Rede, während der Citi-Analyst der Bank eigentlich ein Wachstum von 4 bis 5 Prozent zugetraut hatte.

          Für 2017 plane die Bank, eine ähnliche Dividende zu zahlen wie in diesem Jahr, im Falle eines Gewinns dürften es mindestens 11 Cent je Aktie sein. „Ab dem Geschäftsjahr 2018 streben wir darüber hinaus wieder eine wettbewerbsfähige Ausschüttungsquote an“, schrieb Cryan in seinem Brief an die Aktionäre.

          Quelle: kann., F.A.Z.

          Weitere Themen

          Dax ging am Montag auf Talfahrt Video-Seite öffnen

          Nach Jamaika-Aus : Dax ging am Montag auf Talfahrt

          Er verlor zum Handelsstart 0,5 Prozent auf 12.934 Punkte. Ganz so dramatisch sei das Scheitern der Sondierungsgespräche aus Sicht der Märkte aber nicht, hieß es an der Frankfurter Börse.

          Topmeldungen

          Sie scheint gestärkt, nicht geschwächt: Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche.

          Jamaika-Ende bei ARD und ZDF : „Ich fürchte nichts“

          Die Auftritte der Bundeskanzlerin im Fernsehen nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche setzen ein Zeichen. Dafür sorgen nicht die Journalisten, das macht Angela Merkel schon selbst. Sie will es nochmal wissen und regieren. Am liebsten, hören wir heraus, mit Schwarz-Grün.
          Atomanlage in Majak

          Majak : Russland bestätigt hohe Radioaktivität

          Im südlichen wurde Ural eine Konzentration des radioaktiven Ruthenium 106 gemessen, die den erlaubten Wert fast tausendfach übersteigt. Zuvor hatte Russland Warnungen aus Europa widersprochen.
          Ein herber Rückschlag für die hessische Stadt: Nicht Frankfurt, sondern Paris bekommt den Zuschuss für den Sitz der Europäischen Bankenaufsicht.

          Ema und Eba : Frankfurt und Bonn scheitern im Rennen um Brexit-Beute

          Statt Bonn und Frankfurt geht die Europäische Bankenaufsicht und die Europäische Arzneimittelagentur nach Paris und Amsterdam. Vor allem für Frankfurt ist das ein herber Rückschlag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.