Wer sein Portfolio international aufstellen will, muss dafür gar nicht in die Ferne schweifen. Das Gute liegt in diesem Fall tatsächlich nah, denn in kaum einem Land gibt es derart viele auf den internationalen Märkten erfolgreiche Unternehmen wie in Deutschland. Von mehreren tausend Weltmarktführern aus Deutschland ist die Rede. Davon sind zwar viele nur in Fachkreisen bekannt und auch längst nicht alle börsennotiert, die Entwicklung des deutschen Aktienmarkts im internationalen Vergleich zeigt jedoch eine seit Jahren überdurchschnittliche Entwicklung hiesiger Dividendentitel.
Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Aktienjahre wie 2008, als die Finanzkrise zu einer scharfen Rezession in den großen Industrieländern führte, in Deutschland meist besonders schlecht ausfallen. Deutschlands Aktienmärkte sind wegen ihrer internationalen Ausrichtung überdurchschnittlich abhängig vom Wohl und Weh der Weltkonjunktur. Anleger in deutschen Aktien sollten daher eine positive Erwartung bezüglich der mittel- bis langfristigen weltwirtschaftlichen Entwicklung haben.
Investieren ohne Währungsrisiko und nach deutschem Recht
Eine solche Marktmeinung kann dann jedoch getrost über international ausgerichtete deutsche Aktiengesellschaften abgedeckt werden. Der Anleger geht damit kein Währungsrisiko ein, denn die Papiere werden in Euro notiert. Er weiß zudem, wann und wo seine Aktien gehandelt werden, und kann die Papiere in der Regel selbst unkompliziert kaufen und verkaufen. Überdies unterliegen alle Gesellschaften deutschem Recht. Der Anleger muss sich also nicht in andere Rechtsräume begeben und an fremden Börsen in anderen Währungen mühsam nach Globalisierungsgewinnern suchen.
Wem in Deutschland die Einzeltitelauswahl zu beschwerlich ist, der findet mit dem F.A.Z.-Index und dem Dax zudem zwei Indizes, die in hohem Maße international erfolgreiche Unternehmen umfassen. Der Anteil an global erfolgreichen Unternehmen ist in beiden Indizes so hoch wie in keinem anderen international bedeutenden Aktienindex. Dies liegt an dem Branchenmix, der Deutschland so erfolgreich an den Weltmärkten agieren lässt. Insbesondere im F.A.Z.-Index mit seinen 100 Werten ist dies sehr ausgeprägt. Ein Viertel des Indexgewichts entfällt auf Unternehmen aus dem Bereich Chemie und Pharma, weitere 18 Prozent stammen aus der Automobilindustrie und von ihren Zulieferern, gut 15 Prozent aus den Bereichen Informationstechnologie (IT) und Elektro sowie 3 Prozent aus dem Maschinenbau (siehe Grafik). Mehr als 60 Prozent des Index werden damit von Branchen bestückt, die als klassische Globalisierungsgewinner gelten.
Auf europäischer Ebene sieht dies ganz anders aus. Im Euro Stoxx 50 haben noch immer die Banken das größte Gewicht. Öl- und Gaskonzerne, Versicherer, Versorger, Telekommunikationskonzerne, Bauunternehmen und Immobilienkonzerne spielen auch eine wesentlich größere Rolle. Banken, Versicherer, Bau und Immobilien sind jedoch Branchen, die unter der Finanzkrise, die in weiten Teilen auch eine Immobilienkrise ist, besonders leiden.
F.A.Z.-Index profitiert von Wachstum in außereuropäischen Ländern
Versorger und Telekommunikationsunternehmen hatten zwar in der Vergangenheit oft hohe Gewinnmargen. Im Zuge der Privatisierung und stärkeren Wettbewerbs sind diese jedoch erheblich unter Druck geraten. Die Gewinnerbranchen der Globalisierung machen nur rund ein Fünftel des Index aus. Seit Jahresanfang liegt der F.A.Z.-Index 18 Prozent im Plus, der Euro Stoxx 50 hingegen nur 7 Prozent. Im Vergleich mit Anfang 2010 beträgt das Minus für den wichtigsten europäischen Aktienindex sogar noch ein Fünftel, der F.A.Z.-Index liegt dagegen 10 Prozent im Plus. Hinzu kommen jeweils noch Dividendenausschüttungen.
Der Branchenmix im F.A.Z.-Index sorgt dafür, dass der Index stark vom hohen Wachstum in Ländern außerhalb Europas profitiert. Für den Dax gilt das in abgeschwächter Form, haben hier doch Banken, Versicherer, Versorger und Telekommunkationsunternehmen ein höheres Gewicht als im F.A.Z.-Index. Insbesondere die Autoindustrie ist jedoch niedriger gewichtet, Maschinenbauunternehmen gibt es gar nicht im Dax.
35 Prozent der Umsätze machen deutsche Unternehmen außerhalb Europas
Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young zeigt anschaulich die hohe Internationalisierung deutscher Unternehmen und wie sie davon profitieren, am Dax auf. Die Autoren der Studie haben sich die Mühe gemacht, alle Dax-Geschäftsberichte des Jahres 2011 zu durchforsten und die internationalen Umsätze zu aggregieren. Demnach machen die Dax-Unternehmen nur 26 Prozent (2010: 28 Prozent) ihrer Umsätze in Deutschland. 39 Prozent werden im übrigen Europa generiert, 35 Prozent außerhalb Europas. Das Umsatzplus von 9 Prozent war fast ausschließlich auf den Zuwachs von 13 Prozent im Auslandsgeschäft zurückzuführen. Dabei zeigt sich zum einen, dass eine Wachstumsschwäche im Inland durch ein starkes Auslandsgeschäft mehr als kompensiert werden kann. Zum anderen gab es jedoch auch in Europa ein kräftiges Umsatzplus. Das schwächere Geschäft in Südeuropa wurde hier durch eine starke Stellung auf den Benelux-Märkten, aber auch in Osteuropa mehr als ausgeglichen.
Die Unternehmen mit einem unter dem Durchschnitt von 74 Prozent liegenden Auslandsanteil wie Telekom (55 Prozent), RWE (58), Eon (59), Thyssen-Krupp (63) und Post (68) wiesen aggregiert einen unterdurchschnittlichen Umsatzzuwachs auf, eine wesentlich schlechtere Gewinnentwicklung und auch eine schwächere Beschäftigtenentwicklung als die Unternehmen mit hohem Auslandsanteil. Ein Blick auf die weniger internationalisierten, wachstumsschwächeren Branchen zeigt nochmals den Vorteil der deutschen Indizes: diese Branchen haben hierzulande ein viel geringeres Börsengewicht als andernorts.
Wer als Anleger an den deutschen Standardindizes partizipieren möchte, kann dies zum Beispiel über Indexfonds tun. Auf den F.A.Z.-Index hat die zur Commerzbank gehörende Gesellschaft Comstage unter der Wertpapierkennnummer (WKN) ETF 006 einen Indexfonds aufgelegt, der börsentäglich auf Xetra handelbar ist. Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt 0,15 Prozent. Das Flaggschiff unter den Dax-Indexfonds ist der iShares Dax aus dem Hause Blackrock unter der WKN 593 393. Er verwaltet mittlerweile ein Fondsvermögen von rund 13 Milliarden Euro. Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt hier ebenfalls 0,15 Prozent.