Der Markt für Neuemissionen wäre an den deutschen Börsen nahezu tot, gäbe es nicht kleine, kapitalhungrige chinesische Unternehmen. Aktuell versuchen es einmal mehr Textilunternehmen, namentlich der Freizeitmodenhersteller Fast Casualwear und der Sportbekleidungshersteller Mingle Sports.
Der Kapitalhunger muss wirklich sehr groß sein, denn die Erfolgsbilanzen dieser Börsengänge sind in jüngster Zeit schlecht gewesen. Der Fischverarbeiter Haikui Seafood konnte im Mai von geplanten 1,725 Millionen Aktien lediglich 317.400 Papiere am unteren Ende der von 10 bis 13 Euro reichenden Zeichnungsspanne plazieren. Zeitgleich hatte es auch der Sportausrüster Goldrooster versucht. Von 5,75 Millionen Aktien kauften die Anleger seinerzeit gerade einmal 720.000 und zahlten dafür einen Festpreis von 4 Euro.
Neue Börsengänge mit eher wenig guten Vorzeichen
Das sind nicht eben gute Vorzeichen für die Börsengänge von Fast Casualwear und Mingle Sports. Das bestätigt auch schon der Verlauf der Zeichnungsphase. Zunächst hatte Ming bis zum Donnerstag bis zu 1,4375 Millionen Aktien vorwiegend aus einer Kapitalerhöhung anbieten wollen und den Prospekt entsprechend abgefasst. Aber am Donnerstagmorgen wurde die Zeichnungsfrist bis zum kommenden Mittwoch verlängert. Angeboten werden die Aktien zu 8 bis 16 Euro – eine selten große Spanne und genau deswegen erscheint es wenig wahrscheinlich, dass Ming die Aktien am oberen Ende der Spanne wird plazieren können.
Etwas weniger ruckelig läuft es bei Fast Casualwear. Der Freizeitmodenhersteller will für 1,725 Millionen Aktien, die ebenfalls fast alle aus einer Kapitalerhöhung stammen, zwischen 5 und 6 Euro haben. Die Zeichnungsfrist beginnt am Freitag und soll am kommenden Donnerstag enden.
Kleine Wachstumsaktien
Mingle Sports machte 194,2 Millionen Euro Umsatz und wuchs in den beiden vergangenen Jahren um durchschnittlich mehr als ein Drittel. Angesichts des geringen Niveaus sind diese Wachstumsraten allerdings auch nicht weiter spektakulär. 2011 erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 26,13 Millionen Euro nach 19,46 Millionen Euro im Jahr davor. Damit ergibt sich eine Emissions-KGV auf Basis des Vorjahres von 5 bis knapp 10.
In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres betrug der Reingewinn 13,9 Millionen Euro bei einem Umsatz von 56,5 Millionen Euro. Geht man von einer saisonalen Gleichverteilung von Umsatz und Gewinn aus könnte man das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2012 grob auf 2 bis 4 taxieren.
Fast Casualwear erlöste im Jahr 2011 82 Millionen Euro und verbuchte einen Reingewinn von 13,355 Millionen Euro. Im Durchschnitt wuchs der Umsatz in den beiden vergangen Jahren um 18,5 Prozent, der Reingewinn um 73 Prozent. Damit ergibt sich eine Emissions-KGV auf Basis des Vorjahres von 4,4 bis 5,3.
In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres betrug der Reingewinn 3,94 Millionen Euro bei einem Umsatz von mehr als 21 Millionen Euro. Geht man von einer saisonalen Gleichverteilung von Umsatz und Gewinn aus könnte man das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2012 grob auf 2,7 bis 3,2 taxieren.
Weniger verlustanfällig
Beide Aktien nehmen sich damit sehr preiswert aus, was auf spätere Kursgewinne hoffen ließe. Doch die Erfahrungen sind andere. Haikui Seafood etwa wurden mit einem Emissions-KGV von 2,6 bis 5 angeboten, fanden aber kaum Abnehmer.
Die Emissionen sind zudem durchweg schlecht gelaufen, wobei dies nicht zuletzt an früheren überzogenen Preisvorstellungen gelegen haben mag. Da sich die Kurse etwa von Haikui oder Goldrooster seit Mitte Mai ganz gut behauptet haben, besteht Hoffnung, dass die aktuellen Bewertungen eher angemessen sind. Fast alle deutsch-chinesischen Aktien weisen derzeit ein KGV von 4 oder weniger auf. Das macht diese Aktien aber nicht unbedingt attraktiv, sondern zunächst vor allem weniger verlustanfällig.