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Veröffentlicht: 20.10.2015, 11:47 Uhr

Marktbericht Personalabbau kostet SAP mehr Geld als erwartet

Die Stimmung an der Börse bleibt gut, allerdings sind die Anleger derzeit nicht bereit, große Risiken einzugehen. Sie warten auf Signale, wie es mit der Geldpolitik der Notenbanken weitergeht. Im Fokus steht zudem SAP nach der Bilanzveröffentichung.

© AP Das SAP-Geschäft brummt. Das liegt auch an der schnell wachsenden Sparte mit Software zur Miete aus dem Internet - dem sogenannten Cloudgeschäft.

Der deutsche Leitindex Dax verliert 0,7 Prozent auf 10.088 Punkte. Sonderlich weit lehnten sich die Investoren vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag aber nicht aus dem Fenster, schrieb Analystin Antje Laschewski von der Landesbank Baden-Württemberg in ihrem Morgenkommentar. Wesentlicher Treiber der jüngsten Kursgewinne war die Aussicht auf weiterhin reichlich fließendes Billiggeld der Notenbanken. Der Dax hat nach einem schwachen dritten Quartal im Oktober bisher rund fünfeinhalb Prozent zugelegt. In den vergangenen Handelstagen hatte der Schwung aber nachgelassen.Gespannt warten die Anleger daher auf den Donnerstag, wenn die EZB sich äußern wird. Volkswirte rechnen dann zwar noch nicht mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik. Investoren erhoffen sich jedoch Signale, ob und wann die EZB etwa ihr riesiges Wertpapierkaufprogamm ausweiten könnte.

An der Spitze des Dax verteuerten sich die Aktien der Deutschen Telekom nach einer positiven Studie der Investmentbank Goldman Sachs um mehr als 2 Prozent. Auch die Papiere des Autozulieferers Continental profitierten von einem Analystenkommentar und stiegen um 0,62 Prozent. Bei der Lufthansa lastete hingegen der weiter zugespitzte Tarifkonflikt mit den Flugbegleitern auf der Stimmung. Die zuletzt deutlich erholten Papiere kamen im frühen Handel nicht vom Fleck. Im TecDax schoss der Kurs von Manz um mehr als 8 Prozent nach oben. Der Maschinenbauer treibt seine breitere Aufstellung voran und entwickelt nun gemeinsam mit Adidas eine automatisierte Fertigungstechnologie für die Sportartikelproduktion. Die im deutschen Leitindex notierten Aktien von Adidas legten moderat zu.

Auf dem Frankfurter Parkett ist zudem SAP ein Gesprächsthema. Die Geschäfte von SAP brummen. In den ersten neun Monaten lag der Softwarekonzern sogar leicht über seiner eigenen Planung. Trotzdem will Bill McDermott die Erwartungen für das Gesamtjahr noch nicht anheben. Denn der Personalumbau kommt SAP noch teurer als in der ursprünglichen Planung vorgesehen. Das Programm, das Abfindungen und Stellenwechsel vorsieht, sei bis zum Schluss besser angenommen worden als gedacht, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Er rechnet deshalb in diesem Jahr mit Kosten zwischen 585 bis 615 Millionen Euro, nach dem zweiten Quartal war er noch von 470 bis 530 Millionen Euro ausgegangen. SAP baut sein Geschäftsmodell seit einigen Jahren grundlegend um. Ein Kerngedanke: Statt Softwarelizenzen zu kaufen, sollen die Kunden die Programme mieten (Cloud Computing). Das beschert SAP unter anderem kontinuierlichere Einnahmen. Im Zuge dieses Umbaus will SAP allerdings auch weltweit Stellen in Abteilungen streichen, die nicht zu den Wachstumsbereichen gehören, und hat dieses Jahr in Europa freiwillige Abfindungsprogramme gestartet.

Stellenabbau bremst SAPs Gewinnanstieg trotz guter Geschäfte

Ursprünglich sollten rund 2000 Beschäftigte im Laufe des Jahres auf eine neue Stelle wechseln oder ab einem bestimmten Alter mit einer Abfindung zum Gehen bewegt werden. Mucic rechnet nun mit etwa 3000, die das Angebot annehmen. Weil SAP in anderen Bereichen stark wächst, beschäftigte der Konzern Ende September mit 75.643 trotzdem mehr Mitarbeiter als zuvor. Unterm Strich seien etwa 1200 hinzugekommen, sagte Mucic.

Wegen der für den Umbau anfallenden Kosten verdiente der Konzern mit 895 Millionen Euro unterm Strich im dritten Quartal aber nur zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Einsparungen von mehr als einer halben Milliarde Euro jährlich verspricht sich SAP erst nach dem Abschluss des Umbaus. Im dritten Quartal sei bereits ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag eingespart worden, so ein Sprecher. Die Umsätze waren dank guter Geschäfte in allen Regionen weitaus deutlicher gestiegen. Die Cloud- und Softwareerlöse legten gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 4,12 Milliarden Euro zu. Damit entwickelte SAP sich in den ersten neun Monaten besser als in der Ursprungsplanung vorgesehen. Seine Erwartungen an das Gesamtjahr wollte SAP-Chef Bill McDermott allerdings noch nicht an die guten Geschäfte anpassen. Er sei sehr optimistisch, sagte McDermott. Allerdings macht der Softwarekonzern üblicherweise im Schlussquartal den größten Anteil seines Geschäfts.

Dabei sieht McDermott nach eigenen Worten durchaus eine Chance, dass die bisherigen Erwartungen an das neue Cloud-Geschäft übertroffen werden. Hier plant SAP bislang für 2015 rund zwei Milliarden Euro Umsatz. In den ersten neun Monaten beliefen sich die Erlöse aber schon auf 1,6 Milliarden Euro - fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Wie stark SAP aus eigener Kraft in seinem neuen Geschäftsfeld wächst, wird 2016 zeigen. SAP hatte 2014 den Anbieter von Software zur Reisekostenabrechnung Concur und die Firma Fieldglass übernommen, die Software zum Management von Leiharbeitern entwickelt, was zu dem starken Wachstum beiträgt. Seitens der Analysten gibt es schon die ersten Kommentare:

Die Commerzbank hat die Einstufung für SAP nach weiteren Details zu den jüngsten Quartalszahlen auf "Add" mit einem Kursziel von 75 Euro belassen. Auch auf den zweiten Blick seien die Kennziffern des Softwareherstellers solide, schrieb Analyst Thomas Becker in einer Studie .Die DZ Bank hat wiederum die Einstufung  nach Zahlen auf "Halten" mit einem fairen Wert von 59 Euro belassen. Die endgültigen Zahlen des Softwareherstellers für das

dritte Quartal und der Ausblick hätten nicht überrascht, schrieb Analyst Harald Schnitzer . Er kündigte jedoch eine Überarbeitung seines fairen Wertes an, da dieser unter dem aktuellen Kursniveau liege.

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