http://www.faz.net/-gv6-7q1s4

Der Dax morgen : Und wie weiter?

Bild: picture alliance / ZB

Die westliche Welt steckt in einer politischen und gesellschaftlichen Krise. Noch läuft die Wirtschaft und mit ihr die Börse weiter. Doch die Furcht vor einschneidenden Maßnahmen ist gewachsen.

          Ist schon die wirtschaftliche Entwicklung nicht einfach vorherzusagen, ist  das mit der Börse noch schwieriger. Schienen während der Finanzkrise die glanzvollen Tage der westlichen Hemisphäre angesichts hoher Staatsschulden und einer alternden Bevölkerung gegenüber den Schwellenländern gezählt, so hat sich die Lage verändert.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zum Besseren? Nun, viele Schwellenländer stecken in eigene Krisen fest. Das oligarchische System in Russland leidet unter Korruption und Paternalismus und ist so innovationsfeindlich wie eh und je. Das südafrikanische ANC-Regime beginnt in Machtkämpfen und gleichfalls in Korruption zu ersticken. Und ob China der geplante Übergang von der quantitativ orientierten Produktionswirtschaft zur modernen Konsumwirtschaft gelingt, wird mit dem Ausbleiben von Fortschritten immer fraglicher.

          Gleichzeitig zeigen sich in vielen Ländern der Erde Tendenzen, Freihandel und Globalisierung einzuschränken. Vielfach wird das darauf zurückgeführt, dass in den westlichen Ländern vor allem die untere Mittelschicht durch die Jahrzehnte der Globalisierung einkommensmäßig zurückgefallen ist. Aber stimmt das auch etwa für Ungarn oder die Philippinen, in denen die gesellschaftpolitischen Tendenzen ähnlich sind?

          Vielleicht ist es nur ein gesellschaftspolitischer Zyklus. Wenn der Gewinn durch den Abbau von Handels- und anderen Grenzen zur Normalität wird, erscheint er gering. Dann werden Nachteile stärker wahrgenommen. Oder die Menschen sind müde von Umwälzungen und Neuem und wünschen sich mehr Beschaulichkeit und ein stärkeres Wir-Gefühl. Da dies aber im Zeitalter der Individualisierung fehlt, wendet sich der Blick hin zu offensichtlichen Gemeinsamkeiten als Abgrenzung: Sprache, Geschichte, Schweinefleisch oder nicht.

          Aber auch die (vermeintlichen) Verteilungsnachteile sind nicht zu unterschätzen. gerade, wenn es die Börse trifft. Tendenzen, wie Privatanlegern Investments in bestimmte Vermögenswerte zu untersagen oder die Vergabe von Immobilienkrediten durch eine staatliche Behörde zu reglementieren, sind schon da. Da ist es so weit nicht mehr, Investments in Aktien zu reglementieren oder gleich ganz zu untersagen. Das könnte am Ende auch der Finanzierung defizitärer Staatshaushalte dienen.

          Die Sorge vor kapitalmarktfeindlichen Politikmaßnahmen angesichts auch einer mitunter feindseligen Stimmung gegenüber Bankern und Börsianern ist da und es bleibt abzuwarten, wie sich die Rahmenbedingungen langfristig entwickeln.

          In den vergangenen 60 Jahren brachte der Dax rund 7 Prozent im Jahr. Lässt man die Wirtschaftswunderzeit außen vor, waren es im Durchschnitt nur knapp 3 Prozent. Bleibt alles, wie es ist, dürfte wohl das Ergebnis für die kommenden Jahre irgendwo dazwischen liegen. Sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern, werden auch die Renditen niedriger ausfallen.

          Quelle: FAZ

          Weitere Themen

          Die Börsen zucken nur kurz

          Nach Jamaika-Bruch : Die Börsen zucken nur kurz

          Was können Anleger aus den Erfahrungen in anderen Ländern mit einer langen Phase der Regierungsbildung lernen – etwa den Niederlanden, Spanien oder Belgien?

          Dax ging am Montag auf Talfahrt Video-Seite öffnen

          Nach Jamaika-Aus : Dax ging am Montag auf Talfahrt

          Er verlor zum Handelsstart 0,5 Prozent auf 12.934 Punkte. Ganz so dramatisch sei das Scheitern der Sondierungsgespräche aus Sicht der Märkte aber nicht, hieß es an der Frankfurter Börse.

          Topmeldungen

          Suche nach U-Boot : Flugzeug entdeckt Objekt auf Meeresgrund

          Bei der Suche nach dem vermissten argentinischen U-Boot sind die Retter laut Medienberichten auf eine Wärmequelle in 70 Metern Tiefe gestoßen. Wegen des Sauerstoffmangels spricht die Marine von einer „kritischen Phase“.

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Der Jeep des Überläufers bleibt stecken.

          Korea-Konflikt : Video zeigt Jagd auf nordkoreanischen Soldaten

          Das Kommando der Vereinten Nationen in Südkorea wirft dem Norden vor, bei der Jagd auf einen Überläufer den Waffenstillstand gebrochen zu haben. Zum Beweis veröffentlicht es Videoaufnahmen, die an einen Actionfilm erinnern.
          Die Runde von Sandra Maischberger

          Talk-Kritiken : Im Beichtstuhl des Bundespräsidenten

          Nach dem vorläufigen Scheitern von Jamaika ist der Bundespräsident Herr des Verfahrens. Die Debatten in Talkshows zeigen: Auf das Staatsoberhaupt wartet keine leichte Aufgabe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.