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Der Dax haussiert Aktienboom - und dann?

 ·  Die Notenbanken treiben die Börsenkurse auf neue Höchststände. Doch bald dürfte die Luft raus sein. Anleger können sich mit Zertifikaten und Indexfonds dafür rüsten.

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© © Images.com/Corbis 23 Prozent Gewinn in den letzten 4 Monaten:Einige Analysten glauben, der Dax könnte bis in die Nähe des historischen Höchststandes von 2007 steigen

Der Dax macht Freude. 23 Prozent Gewinn in vier Monaten können sich sehen lassen. Allein in den vergangenen zwei Wochen stieg der Index der großen deutschen Aktiengesellschaften auf ein neues Jahreshoch von mehr als 7400 Punkten.

Die angekündigten Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank unter ihrem Präsidenten Mario Draghi und der amerikanischen Notenbank sowie das positive Votum des Bundesverfassungsgerichts machen den Märkten Hoffnung auf eine Lösung der Euro-Krise. Schneller als gedacht ist der Dax damit fast auf dem höchsten Niveau seit 2008 angelangt.

Die ersten Analysten werden da schon wieder euphorisch. Der Draghi-Effekt könnte den Dax bis in die Nähe seines historischen Höchststandes von 2007 hieven, glauben sie. Bis dahin fehlen nur noch zehn Prozent. Denn das viele Geld, das jetzt auf den Markt strömt, muss angelegt werden. Und da wird von fast allen Vermögensverwaltern die Aktie bevorzugt, weil sie gut vor dem erwarteten Anstieg der Inflation schützt und die Alternative Anleihen kaum noch Zinsen bringt.

Unwahrscheinlich, dass Dax weitermarschiert

Doch allzu sehr träumen sollten die Anleger nicht. Zehn Prozent sind zwar schnell zu schaffen, wie die vergangenen Wochen gezeigt haben. Aber es ist unwahrscheinlich, dass der Dax jetzt einfach so weitermarschiert. Nach einem fast ununterbrochenen Anstieg von mehr als 20 Prozent in kurzer Zeit ist eine Pause wahrscheinlich, zumal kein weiterer Kurstreiber in Sicht ist, der eine ähnliche Stärke hat wie die Anleihenkäufe der Notenbanken. Im Gegenteil: Wenn im Oktober der Troika-Bericht zu Griechenland erscheint, könnte es wieder Unruhe geben.

Auch Spanien könnte bald wieder Sorgen machen, wenn weitere Regionen Geld brauchen. Zudem trüben sich in ganz Europa die Konjunkturaussichten ein. „Weitere Warnungen der Unternehmen vor einem Gewinneinbruch sind wahrscheinlich. Der bisherige Kursaufschwung steht auf wackligen Beinen“, schreibt die DZ Bank in einer aktuellen Marktprognose. „Jetzt scheint der Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen zunehmend gekommen.“ Soll heißen: Vielleicht klettert der Dax noch ein paar Pünktchen, doch dann werden so manche Anleger verkaufen, um Kasse zu machen. Was den Aufschwung erst mal stoppen könnte.

Jetzt ist nicht der beste Zeitpunkt für Aktien

Es ist jetzt also nicht der beste Zeitpunkt, um in Aktien einzusteigen. Trotzdem können Anleger Geld verdienen, wenn die Kurse nicht mehr steigen oder sogar leicht fallen. Am leichtesten geht das mit Discount-Zertifikaten. Deren Prinzip ist einfach: Über solch ein Papier wird eine Aktie oder ein Aktienindex wie der Dax mit einem Rabatt (dem Discount) auf den aktuellen Kurs verkauft.

Wenn sich die Kurse nicht verändern, hat der Anleger einen Gewinn in Höhe des Rabatts erzielt. Fällt der Dax, wird der Rabatt immer mehr aufgebraucht. Das heißt, selbst bei leichten Kursverlusten macht der Anleger noch Gewinn, weil er von seinem Rabatt zehren kann. Er wirkt wie ein Sicherheitspuffer. Der Preis dafür: Die Dividenden bleiben bei der Bank, und die Gewinne sind nach oben durch eine Obergrenze (den Cap) gedeckelt.

Stiege der Dax kräftig an, würde der Anleger mit einem Direktinvestment in Aktien zwar besser fahren. Aber davon darf man eben derzeit nicht ausgehen. Ein Beispiel: Steht der Dax in zehn Monaten wieder auf dem derzeitigen Niveau von 7400 Punkten - die Experten nennen das Seitwärtsbewegung -, hätte der Anleger mit einem Direktinvestment in den Dax nichts verdient. Mit dem passenden Discount-Zertifikat könnte er hingegen im gleichen Zeitraum 7,8 Prozent erzielen. Gut wäre in diesem Fall ein Zertifikat mit einem Cap bei 7400 Punkten. Der Nachteil: Steigt der Dax dann über dieses Niveau, stagniert der Gewinn des Anlegers bei 7,8 Prozent. Der Vorteil: Fällt der Dax um acht Prozent, sinkt der Wert dieses Zertifikats nur um ein Prozent.

Den Cap kann der Anleger neben der Laufzeit frei wählen. Je höher der Cap über dem aktuellen Niveau liegt, desto höher sind die Gewinnchancen, wenn der Dax steigt. Fällt er aber, fallen die Verluste größer aus als bei einem Cap, der sich näher am aktuellen Dax-Stand befindet.

Heftige Schwankungen möglich

Am sichersten sind Discount-Zertifikate mit einem Cap unterhalb des aktuellen Dax-Standes. Wer etwa ein Papier mit einem Cap von 7000 wählt, gewinnt noch fast drei Prozent, wenn der Dax in zehn Monaten acht Prozent niedriger liegt. Der maximale Gewinn beträgt aber auch nur 5,8 Prozent.

Discount-Zertifikate sind in der Regel nach maximal zwei Jahren fällig, wobei vorzeitige Verkäufe möglich sind. So lange Laufzeiten sollte ein Anleger aber derzeit nicht wählen. Besser sind derzeit Laufzeiten zwischen drei und sechs Monaten, höchstens noch zehn Monate. Denn die Lage ist so unsicher, dass Prognosen auf Sicht von zwei Jahren zu riskant sind. Ist dann die Euro-Krise überwunden? Oder im Gegenteil die Währungsunion zerbrochen? Die Aktienkursentwicklung würde völlig unterschiedlich verlaufen und damit auch die Zertifikatepreise.

Und die Schwankungen können heftig sein, wie eine Analyse der Dax-Wertentwicklungen über einen Zeitraum von 12 Monaten zeigt: Der größte Verlust seit dem Jahr 2000 war demnach 2002 und 2003 mit einem Einbruch von 58 Prozent nach dem Platzen der Internetblase. Der stärkste Anstieg war die folgende Erholung. In den zwölf Monaten nach dem März 2003 stieg der Dax um 77 Prozent.

Legt der Index zu, verliert der ETF

Wer dem Index keine Zuwächse mehr zutraut, sollte von Discount-Zertifikaten besser die Finger lassen. Sie begrenzen zwar durch den anfangs gewährten Rabatt die Verluste - aber es bleiben eben trotzdem Verluste. An fallenden Kursen verdienen Anleger besser mit Short-ETFs. Das sind Indexfonds, die zum Beispiel um ein Prozent steigen, wenn der Dax um ein Prozent fällt.

Es gibt auch eine spekulativere Variante, „Leveraged Short-ETF“ genannt. Dieser ETF steigt dann um zwei Prozent, wenn der Dax ein Prozent verliert. Aber legt der Index zu, verliert der ETF auch überdurchschnittlich. Wenn sich der Index kaum vom Fleck bewegt, ist ein Short-ETF das falsche Instrument. Denn er verliert dann trotzdem an Wert.

Anleger, die sich deswegen für Discount-Zertifikate entscheiden, müssen wissen: Die Gebühren sind deutlich höher als etwa beim Kauf von Aktien oder bei Indexfonds. Allerdings sind die Discount-Papiere unter den generell sehr teuren Zertifikaten noch eines der billigsten Produkte. Die Gebühren sind in die Kurse eingearbeitet und fallen nicht extra an.

Weiteres Risiko: Wird die Bank, die die Zertifikate ausgibt, insolvent, ist das Geld verloren - anders als beim Kauf von Fonds, wo es erhalten bleibt. Das mussten Käufer von Lehman-Zertifikaten 2008 bitter erfahren.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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