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Veröffentlicht: 04.03.2016, 12:31 Uhr

Hoffnung auf steigende Kurse So könnten der Börsenverlauf der nächsten Wochen aussehen

Der amerikanische Börsenindex gilt als Richtschnur für die Entwicklung an den Aktienmärkten. Seine Aussichten sind gut und lassen hoffen. Auch für den Dax.

von Wieland Staud
© Reuters Ein Händler an der New Yorker Börse. Der breite S&P-500-Index lässt hoffen.

Der den amerikanischen Aktienmarkt abbildende S&P-500-Index ist heute unter den Aktienindizes das Maß aller Dinge. Er war es auch in den letzten Jahrzehnten, und solange nicht irgendwelche wilden Verwerfungen stattfinden, wird er dies wohl auch in den kommenden Jahrzehnten bleiben. Der Grund dafür ist einfach:

Es gibt keinen Aktienindex auf dieser Welt, der höher gewichtet wäre und gleichzeitig mehr Beachtung finden würde. Seine Strahlkraft ist immens. Sie kann gar nicht überschätzt werden. Im Großen und Ganzen repräsentieren die in ihm zusammengefassten Aktien rund die Hälfte der Weltaktienkapitalisierung. Wenn es also dem S&P 500 nicht gar so gut geht und auch seine Perspektiven durchwachsen sind, dann wird man es sich als Analyst sehr gut überlegen müssen, wenn man für einen weit geringeren gewichteten Index wie beispielsweise dem deutschen Leitindex Dax zuversichtlich gestimmt sein will. Die Umkehrung gilt allerdings nur bedingt. Nur weil der S&P 500 steigt, werden ihm dies „kleinere“ Indizes nicht sofort gleichtun.

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Mit dem S&P 500 war in den letzten beiden Jahren, wie mit sehr vielen anderen Aktienindizes auch, weder gut Kirschen essen noch irgendeinen Blumentopf zu gewinnen. Seit Anfang 2014 schwankt der Index nun schon in den für diesen langen Zeitraum sehr eng gesteckten Grenzen zwischen 1850 und 2130 Punkten hin und her. Wer diese Entwicklung weniger nachdenklich und eher aus einem positiven Blickwinkel heraus betrachten will, der kann in dieser Korrekturphase aber auch die sehr moderat ausgefallene Verarbeitung des gewaltigen Anstiegs seit den Tiefs im Jahr 2011 bei rund 1100 Punkten sehen. Dazu neige ich. Es ist analytisch extrem bemerkenswert und zeugt von einer ordentlichen Portion innerer Stärke, wenn der S&P 500 sich fast verdoppelt, ohne anschließend in einen mittelfristigen Abwärtstrend überzugehen.

Diese Entwicklung wird noch erstaunlicher angesichts der erheblichen fundamentalen Anfechtungen, mit denen sich der amerikanische Aktienmarkt in der Zwischenzeit konfrontiert sah. Aber selbst darauf kann man als technischer Analyst noch einen setzen: Mitte Februar unterbot der S&P 500 seine weiter oben bereits erwähnte Handelszone der letzten beiden Jahre und fiel unter 1850 Punkte zurück. Eine solche Entwicklung ist analytisch eigentlich fatal. In der Mehrzahl der Fälle ist sie der finale Hinweis auf den Abschluss einer Topbildung und damit auch auf den Beginn einer sich ausdehnenden Misere. Tatsächlich aber geschah genau das glatte Gegenteil: Der amerikanische Leitindex machte unmittelbar auf seinen Hacken kehrt, fand in seine langjährige Handelszone oberhalb von 1850 Punkte zurück und strebt seither wieder kontinuierlich nach oben.

Was macht der deutsche Dax?

Diese Entwicklung ist analytisch hervorragend - wenigstens für alle, die steigende Kurse schätzen. Die Bären hatten eine ganz ausgezeichnete Chance, den S&P 500 für längere Zeit in die Knie zu zwingen und konnten sie nicht nutzen. Man darf nicht nur vermuten, sondern muss nun zwingend davon ausgehen, dass es seine Zeit dauern wird, bevor sich diesen zottelig-brummigen Gesellen wieder eine vergleichbare Perspektive bieten wird. Optimismus und Zuversicht sind jetzt meines Erachtens allererste, alternativlose Analystenpflicht.

 Infografik / S&P 500 © F.A.Z. Vergrößern

Meine Prognose: Nach einer in den nächsten Wochen zumindest gut denkbaren Konsolidierung im Bereich der erst zur Wochenmitte erreichten, ordentlichen Widerstandszone zwischen 1980 und 1995 Punkte wird der S&P 500 seinen Anstieg in den nächsten Monaten wahrscheinlich signifikant fortsetzen. Ich rechne damit, dass er dabei noch in 2016 mein seit fast drei Jahren gültiges strategisches Ziel von 2300 Punkten erreichen wird. Das größte Hindernis auf diesem Weg stellen die bisherigen historischen Bestmarken in Bereichen um 2130 Punkten dar. Es wäre verwegen, davon auszugehen, dass sie der S&P 500 im ersten Anlauf überwinden wird. Dafür dürfe die dort typischerweise aufkommende Abgabebereitschaft einfach zu groß sein. Es wäre allerdings auch nicht zu rechtfertigen, dort abermals den Ausgangspunkt eines breit angelegten Rückschlages zu sehen. Dafür unterscheidet sich die aktuelle mittelfristige Verfassung des S&P 500 viel zu vorteilhaft von der im Winter und Sommer des letzten Jahres.

Wird sich diese zu erwartende - wahrscheinlich - gute Entwicklung des S&P 500 positiv auf den Dax auswirken? Ich denke, schon! Denn auch für den Dax sind derzeit die mittelfristigen technischen Signale und Argumente gar nicht so schlecht. Es gibt allerdings auch analytische Problemzonen. Beispielsweise mehren sich in den letzten Wochen die positiven Prognosen für den Dax wie auch für den S&P 500. Für die sehr frühe Phase des jüngsten Aufschwungs ist die Zahl dieser Einschätzungen eher ungewöhnlich und könnte von einem analytisch unangenehm positiven Sentiment zeugen.Typischerweise glaubt zu Beginn eines längeren Aufwärtstrends niemand an einen länger dauernden Aufwärtstrend. Vielmehr überwiegen in dieser Zeit die sehr skeptischen Stimmen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich dieser Widerspruch auflösen wird.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.

 

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