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Veröffentlicht: 15.01.2013, 17:44 Uhr

Dell Der Rückzug von der Börse ist meist für immer

Ein Rückzug von der Börse soll Dells Restrukturierung erleichtern - eine mögliche Strategie. Comebacks auf dem Parkett gelingen indes selten. Meist ist es ein Abschied für immer.

© dpa Der Glanz ist wohl für immer verloren

Es ist schon eine kleine Sensation: Der amerikanische PC-Hersteller Dell strebt eine Übernahme durch Finanzinvestoren und damit verbunden den Rückzug von der Börse an. Nach Auskunft von zwei mit den Verhandlungen vertrauten Personen führt Firmengründer und Großaktionär Michael Dell dazu Gespräche mit Beteiligungsgesellschaften.

12 Jahre Margenverfall

Martin Hock Folgen:

Dells Gründe sind einfach zusammengefasst: Er will sein Lebenswerk retten. Hatten Dell-Computer vor zehn Jahren noch einen Nimbus, der mit dem von Apple heute vergleichbar ist, so sieht sich das Unternehmen seit Jahren immer mehr an den Rand gedrängt. 2004 hatte Dell die Unternehmensführung abgegeben, 2007 war er zurückgekehrt.

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Dennoch: Der Umsatz bewegt sich seit 2006 nicht mehr so recht von der Stelle, der Reingewinn erreichte seinerzeit sein Maximum, die operative Marge schon 1999. Jetzt versucht Dell mehr Zeit zur Restrukturierung zu gewinnen.

Transformation ist ein Hauptrückzugsgrund

Dies ist einer der Gründe, der Unternehmen bewegt, sich freiwillig von der Börse zurückzuziehen. Denn dort stehen sie unter dem Druck, von Quartal zu Quartal Ergebnisse und Antworten liefern zu müssen. Eine ruhige Restrukturierung ist kaum möglich, wenn kurzatmige Investoren, die weit vom Unternehmen weg sind, die Geduld verlieren.

So sagt ISI-Analyst Brian Marshall: „Während Umstellungsphasen kann es schwer sein, den kompletten Wert eines Unternehmens an der Börse abzubilden. Es könnte Vorteile haben, eine langfristige Transformation als Privatunternehmen zu vollziehen.“

Denn steckt ein Unternehmen in der Strukturkrise, sinkt nach vergleichsweise kurzer Zeit der Aktienkurs. Die Dell-Aktie liegt mittlerweile trotz hoher Kursgewinne am Montag knapp 80 Prozent unter ihrem Höchstkurs des Jahres 2000 und mehr als 70 Prozent unter ihrem Zehn-Jahres-Hoch.

Dann wird die Kapitalbeschaffung schwieriger: Kapitalerhöhungen sind kaum noch durchsetzbar oder bringen nichts mehr ein, Aktienkurs und die verpflichtend publizierten Ergebnisse lassen Anleiheplazierungen teuer werden. Finanzinvestoren haben hier oft mehr Geduld und stellen nicht selten eine glanzvolle Rückkehr in Aussicht.

Erfolgreiche Comebacks sind selten

Geklappt hat das Comeback indes selten, falls doch dann war das Comeback oft von kurzer Dauer. Tommy Hilfiger etwa wurde 2006 vom Finanzinvestor Apax von der Börse genommen und landete schließlich in den Händen der Konkurrenz. Der Hersteller von Abrechnungssoftware LHS kam 1997, ging nach einer Übernahme im Jahr 2000, kam 2006 wieder und verschwand schon 2007 abermals.

Die Baumarktkette Praktiker war bis 2002 an der Börse gewesen, übernahm sich bei der Expansion in Osteuropa – auch eine interessante Duplizität der Ereignisse – ging bei der Fusion der Muttergesellschaft Asko mit Kaufhof und Deutsche SB-Kauf zu Metro in derselben auf. 2005 kam das Comeback .- jetzt kämpft Praktiker wieder ums Überleben. Auch die Rückkehr von Manchester United wird skeptisch betrachtet.

Vectron Systems, ein Hersteller von elektronischen Kassensystemen, kam im Juli 1999 an den Neuen Markt. Damals wurde das Unternehmen mit rund 60 Millionen Euro bewertet. Nach dem Umweg über eine Fusion kam Vectron 2007 abermals an die Börse, diesmal mit rund 28 Millionen Euro bewertet. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung bei knapp 16 Millionen Euro.

Mancher Abschied ist für immer

Aber das gilt nicht in jedem Fall. Erwin Hymer kauft sein Unternehmen 2011 von den Kleinaktionären zurück. Zwar sind noch immer 72.000 Aktien börsennotiert, aber Hymer ist wieder Herr im Haus. 2008 war der Aktienkurs gnadenlos eingebrochen, nachdem der Gewinn zurückgegangen war und fürs folgende Jahr Verluste ins Haus standen. Mittlerweile ist Hymer wieder in der Spur.

Allzu teuer kam Erwin Hymer die Transaktion nicht. Er zahlte 45,50 Euro pro Aktie, insgesamt etwas mehr als 38 Millionen Euro. 1990 hatte er rückgerechnet 15,3 Millionen Euro durch den Börsengang eingenommen.

Andere Unternehmen machten mit vorübergehenden Börsenplazierungen von Tochter-Unternehmen auf den ersten Blick sogar gute Geschäfte: Für helle Empörung sorgte die Deutsche Telekom. Die hatte im Jahr 2000 ihre Tochter T-Online für 27 Euro je Aktie an die Börse gebracht. 2006 bekamen die Aktionäre nach einer Rückverschmelzung auf die Telekom knapp 10 Euro.

Teuer kam es die Telekom trotzdem, war der Erfolg von T-Online doch begrenzt. Was davon heute noch übrig ist, ist in T-Home aufgegangen. Ähnlich verhält es sich mit SAP SI. Der Softwarekonzern SAP hatte die Beratungstochter im September 2000 für brutto 166 Millionen Euro an den Neuen Markt gebracht und bis 2007 teurer zurückgekauft. Seit 2008 gibt es SAP SI nicht mehr.

Zweifel an Dells Vorhaben

Was Dell betrifft, so sind die Zweifel groß, ob das Transaktionsvolumen von knapp 20 Milliarden Dollar bewältigbar ist. Es wäre die größte Private-Equity-Transaktion seit der Finanzkrise. Analysten sprachen von grundsätzlich sinnvollen, aber schwer zu verwirklichenden Überlegungen. „Der Marktwert von Dell ist derart verfallen, dass ein Verkauf plausibel geworden ist“, urteilt Angelo Zino von S&P Capital IQ . „Andererseits erscheint es angesichts der schieren Größe Dells unwahrscheinlich.“

Dagegen dürften die Aktien der Douglas Holding wohl nicht mehr lange auf dem Kurszettel stehen. Der Investor Advent und die Gründerfamilie Kreke wollen nach der erfolgreichen Übernahme des Handelskonzerns die verbliebenen Kleinaktionäre aus dem Unternehmen drängen und Douglas von der Börse nehmen.

Quelle: FAZ.NET

 

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