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Delivery Hero : Pizzaboten für die Börse

Foodora, Lieferheld und Pizza.de sind Tochtergesellschaften von Delivery Hero. Bild: Jens Gyarmaty

Der Essenslieferant Delivery Hero wächst in aller Welt. Jetzt will er in Frankfurt an die Börse. Funktioniert das Geschäftsmodell?

          Wenn Menschen keine Zeit oder Lust zum Kochen haben, aber trotzdem etwas Leckeres essen wollen, dann passiert gewöhnlich Folgendes: Sie greifen zum Telefonhörer, rufen das Restaurant ihres Vertrauens an und bestellen Pizza, Pasta, Pastrami oder mehr.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So weit, so bekannt. Nun aber will ein Unternehmen an die Börse, das darauf setzt, dass immer mehr Leute ihre alten Gewohnheiten ablegen und künftig nicht mehr telefonisch ihr Essen ordern, sondern dazu eine Smartphone-App nutzen. Delivery Hero heißt diese Firma, die mit ihren Marken Lieferheld und Pizza.de zwischen hungrigen Kunden und ausliefernden Restaurants vermittelt oder mit Foodora eigene Essenskuriere auf den Weg schickt. Nun will Delivery Hero auch den Appetit der Anleger anregen.

          Essenskuriere sind gewöhnlich schnell unterwegs, und auch Delivery Hero hat es eilig, nachdem schon lange Gerüchte um einen bevorstehenden Börsengang kursierten. Noch vor der Sommerpause, also in etwa drei Wochen, will das 2011 gegründete Berliner Start-up aufs Frankfurter Parkett.

          Mit einer voraussichtlichen Bewertung von knapp vier Milliarden Euro wäre es der größte Börsengang in Deutschland seit Rocket Internet 2014. Mit der Ausgabe neuer Aktien will Delivery Hero 450 Millionen Euro einnehmen. Zudem werden sich Altaktionäre wie die Internetschmiede Rocket Internet, die aktuell 35 Prozent an Delivery Hero hält, von Anteilen trennen.

          Als erste Miteigentümerin hat die German Startups Group am Donnerstag angekündigt, ihre Anteile an Delivery Hero anderen anzubieten. Und zwar, wie Christoph Gerlinger, Geschäftsführer des Wagniskapitalgebers, betont, „obwohl wir von der Attraktivität des Geschäftsmodells von Delivery Hero und den weiteren Wachstums- und Wertsteigerungsperspektiven überzeugt sind“.

          Zweifel an der Profitabilität

          Dagegen halten sich viele Investoren wie Fondsgesellschaften mit Stellungsnahmen zurück. Sie haben die Ankündigung des Börsengangs am Dienstag zwar zur Kenntnis genommen, warten aber ab, wie sich Delivery Hero ihnen in Kürze präsentieren will, welche Investmentstory die Firma erzählen will und wie die Preisspanne und der Börsenprospekt aussehen.

          Man möchte ja nicht nur die Chancen sehen, sondern auch die Risiken erkennen. Vor allem wollen Anleger zügig wissen, wie hoch bei Delivery Hero die Verluste unterm Strich ausfallen, um dadurch auf künftige Kursentwicklungen schließen zu können. Der renommierte Vermögensverwalter Hendrik Leber von Acatis beurteilt das Geschäftsmodell sehr skeptisch: „Es ist leicht, mit viel Marketingaufwand und Subventionen Umsatzvolumen aufzubauen. Aber es ist sehr schwer, daraus ein dauerhaft profitables Geschäftsmodell zu bauen.“

          Klar ist, dass Delivery Hero bis dato operativ Verlust macht. Immerhin ging im vergangenen Jahr das Minus um 30 Prozent auf 116 Millionen Euro zurück. Die Plattformen Lieferheld und Pizza.de, die lediglich Gastronomiebetriebe mit eigenem Lieferdienst vermitteln und dafür elf Prozent Provision erhalten, verdienen eher Geld als Foodora. Der Bringdienst, der hierzulande mit dem englischen Anbieter Deliveroo konkurriert, erhält zwar 30 Prozent Provision, beschäftigt aber 3000 eigene Fahrradkuriere.

          Name Kurs %
          GRUBHUB INC. DL-,0001 -- --
          JUST-EAT PLC LS-,01 -- --
          TAKEAWAY.COM N.V. EO -,04 -- --

          Über Wohl und Wehe des Marktes, auf dem Delivery Hero seit 2011 aktiv ist, wissen Investoren inzwischen gut Bescheid, nachdem in den vergangenen drei Jahren bereits drei Lieferdienste den Sprung aufs Parkett gewagt und ihre Zahlen veröffentlicht haben. Der amerikanische Lieferdienst Grub Hub ging im April 2014 als Erster an die Börse, im vergangenen Jahr folgten die britische Firma Just Eat (im April) sowie der niederländische Anbieter Takeaway (im September), der hierzulande mit Lieferando aktiv ist und mit der Delivery-Hero-Marke Lieferheld hart um Marktanteile kämpft.

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