29.03.2006 · Den 30 im Dax notierten Konzernen geht es prima: Sie verdienten im vergangenen Jahr fast ein Drittel mehr als 2004. Die Kursentwicklung der Unternehmen zeigt aber, daß die schlechten Börsenjahre noch nicht aufgearbeitet sind.
Die Gewinne der 30 Dax-Konzerne sind im vergangenen Jahr rapide in die Höhe geschnellt. Insgesamt verdienten die Unternehmen zusammen rund 51,3 Milliarden Euro - ein Plus von 30,6 Prozent. Im Vorjahr hatten die Gewinne eine Gesamthöhe von 39,3 Milliarden Euro erreicht.
Absoluter Spitzenreiter ist in diesem Jahr der Energieversorger Eon mit einem Überschuß von 7,4 Milliarden Euro und einem Zuwachs von rund 71 Prozent. Als letztes der 30 Unternehmen im deutschen Leitindex legte am Mittwoch die Hypo Real Estate ihre Zahlen vor. Der Münchner Immobilienfinanzierer steigerte seinen Überschuß um 86 Prozent auf 313 Millionen Euro.
Nur Infineon mit Verlust
Nur bei Infineon gab es im abgelaufenen Geschäftsjahr rote Zahlen. Der Chiphersteller verbuchte ein Minus von 312 Millionen Euro (2004: plus 61 Millionen). Die übrigen Dax-Konzerne dürfen sich nach ihren Berichten für das Jahr 2005 über kräftige Gewinne freuen. Die Commerzbank machte mit 1,17 Milliarden Euro mehr als drei Mal so viel Gewinn wie im Vorjahr. Bayer legte auf fast 1,6 (2004: 0,68) Milliarden zu und damit um knapp 134 Prozent. Die Allianz verbesserte sich um gut 93 Prozent auf rund 4,38 Milliarden.
Abermals Gewinn, jedoch weniger als im Vorjahr machten BMW, Tui, Metro und Siemens. Siemens verbuchte mit rund 2,25 Milliarden gut ein Drittel weniger Überschuß als im Jahr zuvor, beim Handelsriesen Metro gab es einen Gewinnrückgang um 30 Prozent auf 649 Millionen Euro.
Mehr als 20 Milliarden Euro für die Aktionäre
Insgesamt schütten die Dax-Konzerne 20,7 Milliarden Euro als Dividenden an ihre Aktionäre aus, wie das Anlegermagazin „Börse Online“ ausrechnete. Das sind demnach durchschnittlich 38 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch hier lag Eon vorn. Der Düsseldorfer Konzern überweist 4,15 Milliarden Euro an seine Eigentümer. Die Aktionäre der Deutschen Telekom erhalten mehr als drei Milliarden Euro, die von Daimler-Chrysler gut 1,5 Milliarden.
Leicht gestiegen ist nach den Geschäftsberichten der Unternehmen die Zahl ihrer Beschäftigten. Demnach arbeiten gut 3,5 Millionen Menschen bei den Dax-Konzernen, rund 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Damals lag die Zahl bei 3,4 Millionen.
Schlechte Zeiten, gute Zeiten
Ein Blick auf die Kursentwicklung zeigt, daß die Baisse der Jahre 2000 bis 2003 einigen Branchen viel mehr zu schaffen machte als anderen (siehe Charts). Die Versicherer Münchener Rück und Allianz haben sich von den schlechten Jahren an der Börse noch lange nicht erholt, beim Versorger RWE dagegen hinterließ die Baisse kaum Spuren: RWE hat seinen Börsenwert in den vergangenen drei Jahren fast verdreifacht. Der RWE-Konkurrent Eon zeigt eine ähnliche Performance.
In den letzten Jahren fuhren Anleger mit Maschinenbau-Werten besser als mit Chipproduzenten: Infineon ist heute nur noch ein Fünftel dessen wert, was im Frühjahr 2001 für ihn bezahlt wurde. MAN dagegen konnte seinen Börsenwert in den vergangenen vier Jahren vervierfachen.
Heute auf dem Niveau von vor fünf Jahren
Einige Gesellschaften konnten in den vergangenen zwei oder drei Jahren gerade die Verluste wettmachen, die sie in den Jahren davor eingefahren haben. Die SAP-Aktie etwa steigt seit rund vier Jahren - doch erst jetzt ist das Niveau aus dem Jahr 2001 wieder erreicht. Bei Fresenius Medical Care, der Deutschen Bank und der Commerzbank sieht es nicht viel besser aus. Und die VW-Aktie hat erst in den vergangenen zwölf Monaten die Verluste der letzten Jahre wettgemacht.
So sieht es übrigens auch mit dem Dax aus: Noch ist das Niveau nicht erreicht, das das Börsenbarometer vor fünf Jahren erreicht hatte - dabei stehen die meisten Dax-Unternehmen heute wirtschaftlich besser da.
Post sticht Telekom aus
In der Chemiebranche zeigt sich, daß die Anleger BASF vor Bayer den Vorzug geben: Während BASF die Verluste der Jahre 2001 und 2002 längst wieder wettgemacht hat, fehlt Bayer dafür noch ein gutes Stück.
Einen markanten Unterschied zeigen auch die Charts der beiden jüngsten Privatisierungen des Bundes: Während die Deutsche Telekom an der Börse heute nur noch halb so viel wert ist wie vor fünf Jahren, hat die Deutsche Post auf lange Sicht einiges gewonnen.
Conti und Adidas mit den schönsten Trends
Die schönsten Aufwärtstrends finden Anleger wohl bei Continental und Adidas: Continental-Aktien haben ihren Wert in fünf Jahren verfünffacht, Adidas legte immerhin 150 Prozent zu. Die Aktie der Deutschen Börse pendelte jahrelang zwischen 30 und 50 Euro, vor gut einem Jahr begann die Gipfelfahrt. Heute kostet das Papier rund 120 Euro.
Beeindruckend auch die Entwicklung von Hypo Real Estate, dem jüngsten Dax-Mitglied. Seit dem Börsengang vor etwa zweieinhalb Jahren ging es fast ausschließlich nach oben. Wer die Aktie von Anfang an gezeichnet hatte, konnte seinen Einsatz bis jetzt mehr als verdreifachen.
Noch schneller Kasse machen konnte, wer rechtzeitig vor den Kaufangeboten von Merck und Bayer Aktien von Schering zeichnete: Diese Papiere haben Anfang März in wenigen Tagen etwa 50 Prozent gewonnen - das zeigt beispielhaft, wie die Börse auf Übernahmen reagiert.
Die Börsen nach dem Crash im Jahr 2000
Fionn Huber (fionn)
- 29.03.2006, 21:09 Uhr
Gewinnsteigerung durch Wegfall der goodwill-Abschreibungen
Reinhard Schropp (witchdream)
- 30.03.2006, 00:52 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |