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Veröffentlicht: 05.06.2014, 14:36 Uhr

Rekord am Aktienmarkt Dax knackt die 10.000 Punkte-Marke

Mehr als ein Vierteljahrhundert hat der Dax dafür gebraucht, 10.000 Punkte zu erreichen. Der Beginn einer neuen Hausse ist das aber wohl nicht.

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© REUTERS Endlich hat der Dax es geschafft: Der Leitindex steht über 10.000 Punkten.

Es hat 26 Jahre, 5 Monate und 4 Tage gedauert. Jetzt ist es soweit. Der Dax ist fünfstellig und groß geworden, wenngleich er das Hoch von 10.013,69 Punkten nicht lange halten konnte und am Tagesende 0,2 Prozent höher mit 9948 Punkten schloss. Das ist schon eine stolze Leistung, denn anderen Indizes ist das nicht gelungen. Die waren entweder schon immer fünfstellig oder haben bei mehr als 1000 Punkten angefangen.

Martin Hock Folgen:

Der Treppenwitz des Jahrhunderts ist: Der amerikanische Dow-Jones-Index hat fast auf den Tag genau solange gebraucht, um von 1000 auf 10.000 Punkte zu steigen: 26 Jahre, 4 Monate und 15 Tage, vom 14. November 1972 bis zum 29. März 1999. Nur der japanische Nikkei-Index war mit 24 Jahren und 7 Tagen zwischen 1960 und 1984 etwas schneller. Aber das ging ja dann nicht so gut aus.

Schwellenländern fällt das da schon leichter: der polnische WIG, der türkische ISE oder der brasilianische Bovespa – sie alle brauchten nur einige Jahre für den Weg von 1000 zu 10.000 Punkten und haben diese Marke schon weit hinter sich gelassen. Der Dax ist eben ein Industrieländer-Index, und da ist die Dynamik eben nicht ganz so hoch.

Die wichtigsten Ereignisse Geschichte des Dax: Die wichtigsten Ereignisse © F.A.Z. Interaktiv 

Zudem ist der Dax ein Schwindler. Darauf weisen etwa die Analysten der Weberbank hin. Denn der Deutsche Aktienindex wird als sogenannter Performance Index berechnet. Das bedeutet, dass er sämtliche jemals ausgeschütteten Dividenden berücksichtigt und mit einrechnet. Die meisten weltweiten Vergleichsindizes, so auch der F.A.Z.-Index, werden hingegen als Kursindizes veröffentlicht und beinhalten diese Dividenden nicht. Trotzdem habe zum Beispiel der amerikanische S&P-500-Index neue Allzeithochs erreicht. Der Kursindex des Dax' liegt dagegen wie der F.A.Z.-Index immer noch knapp 20 Prozent unter seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2000.

Das Niveau zu halten ist schwer

Doch wie geht es weiter? Die historischen Erfahrungen sind unterschiedlich. Am bekanntesten dürfte wohl das Desaster des Nikkei sein, der die 10.000er-Marke später noch einmal überquerte: im Juli 2002 in die andere Richtung. Andererseits: in den zehn Jahren nach dem Überschreiten der magischen Grenze in die richtige Richtung stieg der Nikkei noch auf das 3,7-fache. Der Dow hatte hingegen mit dem fünfstelligen Niveau lange zu kämpfen. 2002 sank er wieder unter 10.000 Punkte. 2007 schien es dann geschafft, doch kein Jahr danach drückte ihn die Finanzkrise abermals in den Keller.

Eines lässt sich daraus erkennen: das Niveau zu halten, ist manchmal schwieriger als es zu erreichen. Das dürfte auch dem Dax schwer fallen. Zunächst einmal spricht die technische Lage nicht unbedingt dafür: Seit geraumer Zeit gebe es gewisse Schwächeanzeichen, schreiben die Analysten der Helaba. Kurzfristig  bestehe die Chance, dass es nochmals einen Impuls in Richtung der magischen 10.000 Punkte gebe. Spätestens im Anschluss werde sich aber zeigen, ob der Markt zuletzt nur temporär nach Luft schnappte, oder aber eine ausgeprägte Korrektur ins Kalkül gezogen werden müsse.

Was für den Dax spricht, ist vor allem, dass es wenig Gegenargumente gibt: Es gibt kaum liquide Anlagealternativen, es ist Geld da. Und dennoch fehlen immer wieder nach den ersten Impulsen die größeren Anschlusskäufe, weil die nicht-investierten Marktteilnehmer auf eine Konsolidierung spekulieren. Dem Markt fehlt in der Breite der Glaube an sich selbst. Gewinne werden immer wieder gesichert. Viele Privatanleger sowie manch ein institutioneller Anleger scheuten den Einstieg auf dem aktuellen Niveau, sagt auch Frank Krekel von der Vermögensverwaltung Unikat.

Widerstreitende Einschätzungen

Insgesamt aber gibt es deutliche Unterschiede in den Ansichten. Heiko Löschen, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Packenius, Mademann + Partner rechnet nicht mit einem Stopp des Dax bei dieser Grenze. „Sehr viele Faktoren sprechen für einen weiteren deutlichen Anstieg über die magische Marke hinaus.“ Löschen verweist auf ein robustes Wirtschaftswachstum in den Industrieländern und das deutliche Ansteigen der Fusionsaktivitäten. Dies rechtfertige dann auch ambitionierte Aktienbewertungen. „Alle fundamentalen und stimmungsbezogenen Indikatoren sprechen für einen robusten Aufschwung, der mit realen Fakten unterlegt ist.“

Thomas Bartels vom Vermögensverwalter Consulting Team hingegen vermisst höhere Gewinnerwartungen der Unternehmen als Voraussetzung für eine nachhaltige Aufwärtsbewegung. Einen Absturz werde es aber nicht geben, da die Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken weiterhin hoch bleiben werde. Ähnlich argumentiert Krekel: „Ein neue Dax-Ära wird nicht beginnen“. Aber er geht in diesem Jahr von einem Dax-Stand von bis zu 10.800 Punkte aus. „Zwischenzeitlich ist jedoch immer wieder mit Gewinnmitnahmen zu rechnen.“ Auch werde die geopolitische Seite weiter für Turbulenzen sorgen.

Positiv an dieser Stimmungslage ist, dass die Börse eben nicht euphorisch voranprescht, denn der böse Zwilling der Übertreibung heißt Krise. Historisch gesehen ist der Dax auch derzeit nicht teuer. Zwischen den achtziger Jahren und 2004 lag die Bewertung üblicherweise zwischen dem 15- und 25fachen des Gewinns je Aktie. Da erscheint das aktuelle Niveau von 14 nicht übertrieben. Aber Vorsicht: Seit 2005 hat sich die Bewertungsspanne deutlich verändert und hat nur im Krisenjahr 2009 überhaupt noch das 15fache überstiegen. Unter diesem Aspekt erscheinen 14 plötzlich schon viel zu sein, zumal die Bewertung seit 2012 deutlich angestiegen ist. Das sei indes kein Vergleich zu den Überbewertungen des Jahres 2000, sondern angemessen, findet Krekel. Auch die Analysten der Weberbank sehen den Dax angesichts der Entwicklung des Kursindex' weit von extremen Kursniveaus entfernt.

Aber die meisten Deutschen betrifft es ohnehin nicht mehr. Die Zahl der Aktionäre hat zwar seit 2011 wieder zugenommen, doch ist sie weit entfernt von der früherer Tage. Die Zahl der Besitzer von Aktienfonds hat sich seit 2001 halbiert. Vor allem jüngere Menschen sind heute deutlich weniger am Aktienmarkt investiert als noch vor gut zehn Jahren.

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