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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Conergy Auch nach Rettung erst einmal abwarten

 ·  Der Kurs des angeschlagenen Solar-Unternehmens Conergy steigt am Montagmorgen beträchtlich, nachdem eine endgültige Rettungslösung vereinbart wurde. Langfristig orientierte Investoren aber sollten erst einmal die Auswirkungen abwarten.

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Nachdem der Aktienkurs von Conergy Ende November noch einmal sein Allzeittief getestet hatte, stieg dieser in den Folgetagen deutlich. Am Freitag ging er mit 49,1 Cent 30 Prozent höher mit 49,1 Cent aus dem Handel. Grund war die Spekulation, dass das am Rande der Insolvenz stehende Unternehmen schon gerettet werden würde.

Ein bisschen war dies aber auch schon dann wie beim Schwarze-Peter-Spielen. Wer die Aktie zuletzt hält, verliert. Denn die Rettung kommt für die Aktionäre nicht umsonst. Das Grundkapital soll in einem ersten Schritt von 400 Millionen auf nur noch 50 Millionen Euro gesenkt werden. Damit verringert sich die Zahl der Aktien auf ein Achtel, das heißt die Aktionäre verlieren 87,5 Prozent ihrer Depotposition.

Mehr als 97 Prozent Verlust möglich

Anschließend soll es eine Kapitalerhöhung von bis zu 188 Millionen Euro geben, wobei die bisherigen Aktionäre ein Bezugsrecht haben. Mit den Erlösen soll ein Teil der Kredite getilgt werden. Die Großaktionäre müssen dadurch entweder eine Verwässerung hinnehmen oder neues Geld einschießen. Die Commerzbank, bislang mit 29,1 Prozent größter Conergy-Aktionär, wird dem Vernehmen nach ihre Rechte nicht voll ausnutzen. Zuletzt war die Rede davon, dass sie sich mit einem Anteil von unter 10 Prozent begnügen will. Für Aktionäre, die nicht an der Kapitalerhöhung teilnehmen bedeutet dies, dass ihr Anteil an der neuen Conergy auf 2,6 Prozent sinkt.

Sollten die Bezugsrechte nicht ausgeübt werden, sind einige Kreditgeber, vor allem die Hedge-Fonds Sothic und York den Angaben zufolge bereit, die Kreditforderungen von bis zu 188 Millionen Euro als Sacheinlage einzubringen und im Gegenzug Aktien zu übernehmen. Davon hängt auch ab, wie hoch letztlich der Anteil der Hedgefonds bei Conergy sein wird. Es wird damit gerechnet, dass deren Beteiligung deutlich mehr als die Hälfte betragen wird.

Wenn kein Altaktionär die Kapitalerhöhung zeichnet, werden voraussichtlich an die Darlehensgeber rund 100 Millionen neue Aktien ausgegeben, sagte Conergy-Finanzvorstand Sebastian Biedenkopf. Das würde bedeuten, dass die Gläubiger, die ihre Darlehen gegen Eigenkapital tauschen, auf diesem Wege rund 66 Prozent an Conergy erhielten.

Wer bis zuletzt in der Aktie investiert geblieben ist, muss also zunächst deutliche Verluste hinnehmen. Indes rechneten Händler vor Börsenöffnung damit, dass die Neuigkeiten spekulatives Geld anziehen werden. Tatsächlich steigt der Kurs auch um mehr als 10 Prozent auf 54,3 Cent.

Neubeginn im Marktumbruch

„Diese Einigung ebnet den Weg für einen Neubeginn und sichert Conergys finanzielle Zukunft langfristig“, sagte Biedenkopf. Die Maßnahmen sollen die Schulden um insgesamt 188 Millionen Euro reduzieren und damit die zukünftige
Zinslast des Unternehmens erheblich mindern. Eine von 325 auf 135 Millionen Euro reduzierte Kreditlinie wird für weitere vier Jahre zu marktüblichen Konditionen vereinbart. Erst nach Ablauf von drei Jahren seien sogenannte „financial covenants“ (Kreditklauseln) vorgesehen.

Ob sich eine Spekulation mit Conergy-Aktien vor der Durchführung der Kapitalerhöhung schon lohnt, ist allerdings fraglich, da die Zukunft des Unternehmens nicht allein von seiner bilanziellen Situation abhängt.

Denn die Branche steckt in einer Strukturkrise. In den Industrieländern und Osteuropa ließ sich in der jüngsten zeit eine klare Tendenz zur Verringerung der Solarförderung feststellen. Das hat den Markt mit Ausnahme von Ladenschlussgeschäften verkleinert, so dass die Anbieter stärker miteinander um die verbleibenden Märkte konkurrieren.

Unsicherheit über die Unternehmensstrategie

Unklar ist auch, was die neuen Eigentümer mit Conergy vorhaben. Einige Beobachter fürchteten zuletzt, dass sie das Unternehmen zerschlagen könnten, um lukrative Geschäftsteile verkaufen. Conergy ist etwa im Projektgeschäft stark. Zudem haben sie eine kleine Wechselrichter-Produktion. Diese Geräte sind derzeit im Solarmarkt Mangelware. Anderseits gilt die Modulproduktion in Frankfurt an der Oder als zu klein und wenig rentabel.

Just das ist aber ein Argument, sich von dieser zu trennen und sich auf das Projektgeschäft zu fokussieren. Biedenkopf hält dagegen eine Zerschlagung für unwahrscheinlich. Dabei dürften die verbliebenen Verbindlichkeit auch ein Schutz für das Unternehmen sein. Nach Ansicht von Biedenkopf müsste das Interesse der neuen Aktionäre auf eine Wertsteigerung des Unternehmens liegen.

Jedoch erscheint es unter langfristigen Aspekten ratsam, erst einmal abzuwarten, wie es mit Conergy weitergeht. Sollte das Unternehmen wieder erfolgreich am markt unterwegs sein, wird es auch dann noch Gelegenheiten zum Einstieg geben.

Das wird aber noch eine Weile dauern. Denn die Umsetzung des Refinanzierungspakets steht unter einer Reihe von üblichen Bedingungen, wie zum Beispiel der Erteilung von verbindlichen Auskünften der zuständigen Finanzbehörde und Gemeinden, dem Erhalt eines Restrukturierungsgutachtens und eines Sacheinlagenbewertungsgutachtens sowie der teilweisen Rückführung der heute bestehenden Kreditlinie.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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