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Computerspiele Frogster-Aktie ein riskantes Spiel

01.02.2006 ·  Frogster, ein kleiner Computerspiele-Verlag aus Berlin, geht an die Börse. Das Unternehmen will sein Geld mit Online-Spielen verdienen, ohne bisher eine entsprechende Lizenz zu besitzen. Die Aktie ist daher nur für Spielernaturen interessant.

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Noch kein volles Jahr tätig, Verluste im operativen Geschäft, wenig Mitarbeiter - aber eine Geschäftsidee: Online-Computerspiele. Vor einigen Jahren hätte Computerspiele-Verlag Frogster Interactive Pictures sicher keine Geldgeber gefunden, zu sehr hätte die „Story“ an den Neuen Markt erinnert. Inzwischen aber stehen die Chancen gut, daß das Berliner Unternehmen knapp fünf Millionen Euro an der Börse einsammelt.

Frogster plant für den 10. Februar seine Erstnotiz im Wachstumssegment Entry Standard für kleine und mittelgroße Werte. Interessenten können die Titel von diesem Mittwoch an bis 7. Februar ordern.

Die Aktie soll 12 bis 13,50 Euro kosten

Die Zeichnungsspanne liege zwischen 12 und 13,50 Euro, teilte der Computerspiele-Verlag am Dienstag in einer Finanzanzeige mit. 325.000 Aktien aus einer Kapitalerhöhung bietet Frogster potentiellen Investoren vom 1. bis 7. Februar zur Zeichnung an (ISIN DE000A0F47J1). Hinzu komme eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von 32.500 Anteilsscheinen aus dem Besitz der Altaktionäre. Damit hat der Börsengang ein Volumen von bis zu 4,8 Millionen Euro.

Nach dem Börsengang befinden sich nach Angaben des Vorstandschefs Christoph Gerlinger etwa 37 Prozent der Anteile im Streubesitz. Den Gang an den Kapitalmarkt begleitet das Wertpapierhaus Concord Effekten zusammen mit der Axxon Wertpapierhandelsbank.

Online-Spiele sollen Wachstum bringen

Mit den Millionen will Frogster in den Markt für Online-PC-Spiele vorstoßen. Bisher vermarktet das 26 Mitarbeiter zählende Unternehmen PC-Spiele internationaler Lizenzgeber unter den Marken Brigades, Hall of Game, Eclypse und BacktoGames. In diesem Markt spielt Frogster, das im April 2005 aus einem Management Buy-out der Pointsoft Deutschland GmbH hervorging, heute schon eine großem Rolle: Einer GfK-Studie zufolge ist das Unternehmen in Deutschland Marktführer für PC-Spiele unter 10 Euro (Marktanteil knapp 10 Prozent), im gesamten deutschen PC-Spielemarkt nehmen die Berliner mit 3,35 Prozent Marktanteil Position sieben ein. Der größte Kunde, Media Markt/Saturn, macht 46 Prozent des Umsatzes aus.

„Der angestammte Markt der PC-Spiele wächst nicht mehr sonderlich stark. Daher möchten wir in den Markt für PC-Abonnenten-Online-Spiele einsteigen. Dafür brauchen wir frisches Kapital“, sagte Gerlinger der Nachrichtenagentur Reuters. Das Online-Segment will er vor allem mit dem Erwerb von Lizenzen erobern. „Die Akquisitionen anderer Firmen ist nicht geplant“, machte er klar. Bei den „Massive Multiplayer Online Games“ (MMOG) - Computerspielen mit über 1.000 Mitspielern rund um die Uhr - soll Frogster „eine führende Marktposition in Deutschland und möglicherweise auch im Rest von Europa erreichen“, äußerte Gerlinger gegenüber der Börsen-Zeitung. Eine Lizenz könne dabei rund 750.000 Euro kosten, sagte er auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Unterschiedliche Angaben zu Umsatz und Gewinn

In der Anlaufphase des operativen Geschäfts vom 15. April 2005 bis 31. August 2005 konnte Frogster einen Umsatz von 1,215 Millionen Euro erwirtschaften. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit belief sich nach Angaben aus dem Wertpapierprospekt auf minus 414.000 Euro. Nur wegen einer Ausschüttung der Pointsoft in Höhe von 610.000 Euro konnte im gleichen Zeitraum ein Überschuß in Höhe von 115.000 Euro erzielt werden.

Die Deutsche Presseagentur dagegen meldet mit Bezug auf Unternehmensangaben, Frogster habe von Mitte April bis Ende August 2005 3,6 Millionen Euro Umsatz und 300.000 Euro Gewinn nach Steuern erzielt. Die Konsortialbank Concord erwartet, daß sich die Gesamtleistung 2006 auf 8,3 Millionen Euro und das Ebit auf 0,8 Millionen Euro mehr als verdoppeln, während der deutsche Markt für Computerspiele nur stagniert.

„Das kann auch in die Hose gehen“

Die Risiken, denen Frogster ausgesetzt ist, sind nicht kleinzureden: Die AG ist erst wenige Monate am Markt, die Kundenbeziehungen sind noch jung, vor allem fällt die große Abhängigkeit von Saturn und Media Markt ins Auge.

Die Zukunft des Unternehmens hängt außerdem davon ab, daß es tatsächlich auch Lizenzen für attraktive Online-Spiele bekommt - und daß die Kunden bereit sind, regelmäßige Abogebühren für dieses Angebot zu zahlen. „Wir fahren bei den MMOGs eine aggressive Pionierstrategie, die natürlich auch in die Hose gehen kann“, sagte Gerlinger der Börsen-Zeitung. Viel ist dem nicht mehr hinzuzufügen.

Vorbörslicher Handel deutet auf Interesse hin

Trotzdem ist es gut möglich, daß die ersten Aktionäre einen Zeichnungsgewinn werden verbuchen können. Im vorbörslichen Handel des Wertpapierhandelsunternehmens Lang & Schwarz wurden am frühen Mittwoch nachmittag 13,40 Euro für die Aktie geboten. Das liegt immerhin nicht weit entfernt vom oberen Ende der Zeichnungsspanne, was auf einige Nachfrage schließen läßt. Empfohlen sei das Papier wegen der großen Risiken aber nur demjenigen, der auf seinen Einsatz notfalls verzichten kann.

„Frogster“ gab es übrigens schon mal: Zur Internationalen Automobilausstellung IAA 2001 zeigte Opel eine knallgrüne Studie dieses Namens. Von diesem Auto hat man seitdem nichts mehr gehört - hoffentlich kein schlechtes Zeichen für die Berliner PC-Spielefirma.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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