Der Aktienkurs von Apple Computer ist in den vergangenen zwei Wochen um 24 Prozent geklettert und hat den höchsten Stand seit September 2000 erreicht. Grund dafür ist der unerwartet große Erfolg des Musikabspielgerätes iPod und des neuen iPod mini.
Die Neuversion, die im letzten Monat auf den Markt kam, hat lediglich die Größe einer Visitenkarte, kann bis zu 1.000 Lieder speichern und kostet 249 Dollar. Sie ist in fünf Farben erhältlich. In Deutschland wird sie voraussichtlich ab April für 299 Euro erhältlich sein, hat Apple angekündigt.
„Der Erfolg des iPod übertrifft die kühnsten Erwartungen", sagte Vermögensverwalter Jim Grossman von Thrivent Financial for Lutherans in Minneapolis. „Dadurch kommen mehr Kunden in Apple-Läden und überlegen sich, daß Apple noch andere tolle Produkte hat."
Neue Produkte Ursache des Erfolgs
Der Erfolg rechtfertigt die Strategie von Vorstandschef Steve Jobs, der auf neue Produkte gesetzt hat, um die Verkaufszahlen anzukurbeln. Im vergangenen Jahr kam Apple mit einem neuen, schnelleren Desktop-Computer heraus, einem Notebook mit größerem 15-Zoll-Bildschirm und mit iTunes, einem Internet-Musikladen.
Einige Investoren sind der Ansicht, daß auch Spekulationen, die japanische Sony Corp. wolle Apple übernehmen, der Aktie Auftrieb gegeben haben. Doch sowohl Apple, als auch der zweitgrößte Anbieter von Unterhaltungselektronik haben die Mutmaßungen zurückgewiesen. Sony „hat gar nicht das Geld, Apple zu kaufen", sagte der geschäftsführende Vizepräsident von Sony, Ken Kutaragi, am Montag in einem Interview mit Bloomberg News. Die Spekulationen sind allerdings nicht neu und kursieren bereits seit 1996 immer wieder am Markt.
Aktie hat eine Gewinnwarnung ausgebügelt
Der Aktienkurs von Apple ist an zehn der letzten zwölf Handelstage gestiegen und weist die beste Performance im Standard & Poor's 500 Index in diesem Monat auf. Am Mittwoch kletterten Apple trotz negativer Marktstimmung 2,1 Prozent auf 27,68 Dollar. Damit notiert die Aktie so hoch wie zuletzt am 29. September 2000. An dem Tag warnte das Unternehmen, es werde die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen können. Danach brach die Aktie 52 Prozent ein, von 53,50 Dollar auf 25,75 Dollar.
Die Antwort von Jobs waren Produkte wie der Original-iPod, der im Oktober 2001 auf den Markt kam und 299 Dollar bis 499 Dollar kostet. Mehr als zwei Millionen dieser Musikabspielgeräte wurden verkauft, gab Apple im Januar bekannt. Etwa 30 Millionen Lieder wurden über iTunes verkauft. In einem Apple-Laden in San Francisco, das erst am 28 Februar seine Pforten öffnete, waren die iPod mini bereits zweimal ausverkauft.
„Wir verkaufen die iPod mini wie verrückt, sie sind fantastisch für uns", freut sich Travis Fears, Abteilungsleiter des Ladens. „Bislang sind wir wirklich völlig begeistert." ITunes ist eine Software für digitale Musik, die es Macintosh- und Windows-Nutzern erlaubt, Musik aus dem Netz herunterzuladen und zu verwalten. Sie ist direkt mit dem iTunes-Musikladen verbunden, in dem mehr als 500.000 Musikstücke auf Kunden warten.
Aktie ist allerdings hoch bewertet
Mehr als 70 Prozent der legalen Musikverkäufe im Internet erfolgen über iTunes. „Apple kann es sich leisten, in neue Technologie wie den iPod und die Internetmusik zu investieren, und das hat auch den Aktien Dampf gemacht", erklärte John Buckingham, Präsident von Al Frank Asset Management in Laguna Beach, Kalifornien. „Der Markt erkennt endlich, was für Werte in diesem Unternehmen stecken." Der Nettogewinn von Apple wird sich im laufenden Jahr auf 175,4 Millionen Dollar mehr als verdoppeln, prognostizieren 16 von Thomson Financial befragte Analysten durchschnittlich. Beim Umsatz rechnen sie mit einer Steigerung um 21 Prozent auf 7,51 Milliarden Dollar.
Aufgrund des Kursanstiegs kommt der Computerkonzern zur Zeit auf einen Marktwert von 10,2 Milliarden Dollar. Das Kurs-Gewinn- Verhältnis liegt bei etwa 60, verglichen mit 15 für Hewlett- Packard Co. und 26 für Dell Inc. Im Geschäftsjahr 2003 hat Apple 939.000 iPod-Player verkauft und den Umsatz in diesem Geschäftsbereich auf 345 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Insgesamt wurde mit Peripheriegeräten und anderer Hardware 57 Prozent mehr umgesetzt, vor allem wegen der großen Nachfrage nach dem Musikgerät. „Der Markenname Apple bekommt im breiten Markt wieder mehr Ansehen", sagt Patrick Kirksey, Technologieanalyst bei Trusco Capital Management in Atlanta. „Viele hatten das Unternehmen schon abgeschrieben, weil es nicht konkurrenzfähig war."