09.08.2006 · Gute Ergebnisse hat der Netzwerkausrüster Cisco Systems für das vierte Quartal vorgelegt. Bezieht man aber die Mitarbeiterboni in die Rechnung mit ein, bleibt für die Aktionäre wenig - und damit auch wenig für das Kurspotential.
Es ist der Bruch einer Tradition. Allerdings nur ein kleiner. Der amerikanische Netzwerkausrüster Cisco Systems, der bis dato pflegte beim Gewinn je Aktie stets genau einen Cent über den Analystenprognosen abzuschließen, hat diese im vierten Quartal des zu Ende gegangenen Geschäftsjahres um zwei Cents übertroffen.
Dabei profitierte der Hersteller von Routern vor allem vom Ausbau firmeninterner Computersysteme. Ciscos Umsatz stieg im vierten Quartal bis Ende Juni auf 7,98 Milliarden Dollar nach 6,6 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn kletterte vor Einmalposten um rund 18 Prozent auf 1,9 Milliarden Doller oder 30 Cent je Aktie. Analysten hatten mit
einem Ertrag vor Sonderposten von 1,79 Milliarden Dollar oder 28 Cent je Aktie sowie einem Umsatz von 7,92 Milliarden Dollar gerechnet.
Nichts geht über Traditionen
Berücksichtigt man allerdings die Kosten für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme und andere Sonderposten stieg der Gewinn lediglich unwesentlich um vier Millionen Dollar auf 1,544 Milliarden Dollar. Und dann ist man auch doch wieder bei der Tradition angelangt: Denn demnach stieg der Quartalsgewinn pro Aktie schon wieder um einen Cent je Aktie auf 25 Cents. Das reichte, um an der Börse mal wieder einen guten Eindruck zu machen - Hauptsache die Ergebnisse übertroffen, egal wie. Jedenfalls legten die Aktien nachbörslich kräftig um 9,7 Prozent auf 18,97 Dollar zu.
Im Gesamtjahr stieg der Umsatz auf 28,5 von 24,8 Milliarden Dollar. Dabei verdiente Cisco 5,6 unter dem Strich aber rund 100 Millionen Dollar weniger als im Jahr davor, nämlich nur 5,6 Milliarden. Dennoch stieg der Gewinn je Aktie um nicht einen, nein sogar um zwei Cents - Ausdruck jener gigantischen Aktienrückkaufprogramme mit denen es Cisco ebenfalls gelang den Quartalsgewinn je Aktie zu steigern.
Cisco-Chef John Chambers sagte, der zuvor vorsichtige Ausblick des Unternehmens sei angemessen gewesen, es habe jedoch eine starke Bewegung auf dem Markt gegeben. In vier der fünf Geschäftsregionen des Unternehmens habe es einen stärkeren Zuwachs der
Auftragseingänge gegeben, die einzige Ausnahme sei Europa.
Balsam für die Seelen der Techno-Fans
Für das Geschäftsjahr 2007 rechnet der Konzern mit einem Umsatzwachstum zwischen 15 und 20 Prozent gegenüber eine Durchschnittsprognose der Analystenzunft von 15 Prozent. „Auf den ersten Blick sehen die Umsatzzahlen ziemlich gut aus. Sie haben den Durchschnitt übertroffen“, sagte Sunil Reddy von Fifth Third Asset Management. Doch er relativierte das Lob implizit: „Wenn man das vor dem Hintergrund einer bescheidenen Bewertung und einem blutleeren Technologie-Markt sieht, dann hat Cisco wirklich gute Zahlen vorgelegt.“
Was zum Beispiel nicht gefallen kann, ist die Tatsache, daß die Bruttomarge gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich von 67,9 auf 65,3 Prozent sank - Umsatz zu Lasten des Ertrags. Was dagegen dem Markt gefiel, war zum einen die hohe Prognose. Denn in vier der vergangenen sechs Quartale enttäuschte die Prognose. Zum anderen dankten Technologie-Investoren dem Unternehmen, daß es ihrem wankenden Glauben an die Branche Stütze gab. „Es gibt einem, offen gestanden, nicht berauschenden Berichtsquartal eine versöhnliche Note“, sagt darum Kevin Landis, Fondsmanager bei Firsthand Capital. „Das sind gute Nachrichten in Anbetracht der wenig erfreulichen Meldungen aus anderen Technologie-Unternehmen.“
Analysten gehen davon aus, daß die Nachfrage nach hoch entwickelten Firmennetzwerken vorerst stabil bleibt. Ein langsameres Wachstum der amerikanischen Wirtschaft und eine Konsolidierung der Telekommunikationsbranche könnten sich ihrer Einschätzung nach jedoch zu Risiken für das Unternehmen entwickeln. Cisco macht einen Großteil seines Umsatzes mit Geschäfts- und Telekommunikationsnetzwerken, hat sich mit der Übernahme der auf TV-Set-Top-Boxen spezialisierten Firma Scientific Atlanta jedoch auch ein Standbein
auf dem Verbrauchermarkt verschafft.
Im Zweifel für die Mitarbeiter
Allen Kursanstiegen zum Trotz lassen die Ergebnisse einen fahlen Beigeschmack zurück. Denn die faktische Gewinnstagnation gegenüber der buchhalterischen Gewinnsteigerung trotz des stärksten Umsatzanstiegs der vergangenen zwei Jahre zeigt einmal mehr deutlich, an wen die Gewinne bei Cisco gehen - an die Mitarbeiter. Durch günstige Optionen können diese ihren Schnitt machen. Das hält die direkten Lohnkosten niedrig und erhöht deren Motivation. Außerdem werden Kostenanstiege besser vor Analysten und der Börse versteckt. Nun sind ja die Mitarbeiter ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Unternehmens - dennoch zahlt man als Aktionär nur ungern die Zeche ohne selbst mittrinken zu dürfen.
Insofern tut man sich ein wenig schwer, klassische Bewertungskriterien heranzuziehen. Denn die Bewertungen auf Basis der Analystenprognosen erscheinen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 14,5 bzw. 12,6 für die kommenden Jahre zwar günstig, aber was nützt das, wenn man als Aktionär daran nicht teilhat? Und selbst wenn man das Unternehmen auf Aktienrückkäufe verweist - im Kurs haben sich diese entweder nicht niedergeschlagen oder nur ein schlimmeres Desaster verhindert.
Das muß auch nicht unbedingt verwundern, da die Rückkäufe gewöhnlich „marktschonend“ durchgeführt werden. Billig erworbene Mitarbeiterpapiere aber werden in der Regel ohne große Rücksichtnahme auf den Markt geworfen. Darin jetzt die Ursache des schlechten Kursverlaufs sehen zu wollen, ist indes wohl überzogen - helfen dürfte das aber nicht. Indes könnte die vordergründig günstige Bewertung auch den ein oder anderen Anleger locken.
Längerfristiges Kurspotential derzeit nicht erkennbar
Charttechnisch hat die Aktie naturgemäß ihre besten Zeiten lange hinter sich. Das gilt aber auch jenseits des Technologie-Hypes. Denn in den vergangenen fünf Jahren erlebte sie noch mal eine Hausse zwischen Ende 2002 und Anfang 2004, der sie vom Fünf-Jahres-Tief bei 8,60 Dollar auf ein Fünf-Jahres-Hoch von 29,13 Dollar trieb. Dann konsolidierte die Notierung erst und begann danach zu dümpeln.
Die Aufwärtsbewegung zu Jahresbeginn, die den Kurs von 16,93 auf 21,97 Dollar stiegen ließ verlief zwar steil, war im Endeffekt aber vergleichsweise mickrig. Schon seit April läuft das Papier abwärts und auch durch die starke nachbörsliche Kursreaktion vom Dienstag wurden letztlich keine neuen Signale gesetzt, da der starke Absturz von rund 20 Dollar auf 17,24 Dollar im Juli nicht wettgemacht werden und weder die mittel- noch die langfristige, abwärts laufende Trendlinie durchbrochen werden konnte.
Insofern heißt es weiter warten, daß Cisco Systems endlich einmal sein Herz für die Aktionäre entdeckt und nicht nur seine Mitarbeiter profitieren läßt. Aber das Hemd ist ja bekanntlich näher als der Rock.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.751,96 | −0,09% |
| FAZ-INDEX | 1.505,26 | −0,19% |
| TecDAX | 772,73 | −1,05% |
| MDAX | 10.296,70 | −0,54% |
| SDAX | 4.989,81 | −0,62% |
| REX | 423,38 | +0,51% |
| Eurostoxx 50 | 2.489,35 | −0,18% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,46 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.904,10 | +0,96% |
| Nasdaq 100 | 2.592,29 | +1,42% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.238,10 | −0,24% |
| EUR/USD | 1,3130 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 120,05 $ | +0,85% |
| Gold | 1.713,00 $ | −1,15% |
| Bund Future | 138,72 € | −0,24% |