12.10.2005 · Schlechter als erwartete Verkaufszahlen beim Schlager iPod haben die Aktien von Apple in den Vereinigten Staaten nachbörslich um zehn Prozent fallen lassen. Langfristig aber dürfte es die Anleger kaum stören.
Die Ereignisse an der New Yorker Nachbörse sind nicht immer für eine breite Schicht der Anleger wirklich interessant. Anders am Dienstag abend, als die Aktien von Apple Computer um 10,5 Prozent auf 46,18 Dollar einbrachen. Grund waren mit Enttäuschund aufgenommene Unternehmensergebnisse.
Apple hat für das vierte Quartal mit einem Gewinn von 0,38 Dollar je Aktie vor Sonderposten und einem Umsatz von 3,68 Milliarden Dollar Rekordzahlen ausgewiesen. Diese trafen einigermaßen die durchschnittlichen Erwartungen, die von einem Gewinn von 0,37 Dollar und einem Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar ausgegangen waren.
iPod: Augen der Anleger größer als Apples Markt
Jedoch gerade bei den iPods, die seit einigen Jahren bereits den Kern der Apple-Story ausmachen, enttäuschte der Konzern. Die Zahl der verkauften Geräte verdoppelte sich zwar auf 6,45 Millionen, lag aber deutlich unter den Erwartungen einiger Analysten, die mit acht Millionen gerechnet hatten.
Als Grund führte Apple Lieferengpässe bei einzelnen Komponenten an, die es unmöglich gemacht hätten, die starke Nachfrage zu befriedigen. Apple konnte obendrein nicht sagen, wann diese Lieferschwierigkeiten überwunden sein würden.
Apple hat Experten zufolge mit dem iPod einen Marktanteil bei digitalen Musikabspielgeräten von 75 Prozent. Im vergangenen Monat hatte das Unternehmen den iPod Nano als Nachfolger seines Verkaufschlagers iPod Mini vorgestellt. Verkaufschef Tim Cook nannte die Nachfrage nach dem Nano in einer Telefonkonferenz atemberaubend. Analysten konnten diese Einschätzung nach eigenen Angaben aber kaum nachvollziehen.
Für das erste Quartal rechnet Apple mit einem Nettogewinn einschließlich Sonderposten von rund 46 Cent je Aktie. Das entspricht den Markterwartungen. Ohne Sonderposten prognostiziert das Unternehmen den Gewinn leicht über den durchschnittlichen Erwartungen der Analysten mit 49 Cent. Von First Call befragte Analysten rechnen für das Auftaktquartal im Konsens mit einem Ergebnis je Aktie von 48 Cents.
Eigentlich kommt nichts überraschend
Eigentlich kann all das kaum überraschen, und zwar weder die Ergebnisentwicklung noch die Kursreaktion. Schon im Juli hatte Apple die Euphorie gedämpft und eine vorsichtige Prognose für das betreffende Quartal abgegeben und eine leichte Abschwächung des Umsatzes auf 3,5 Milliarden Dollar und des Ergebnisses je Aktie auf 32 Cents prognostiziert. Und schon im April hatte Apple eine Abschwächung der Margen vorhergesagt.
Auch Probleme mit dem iPod sind bekannt. Die Bildschirme des iPod Nano zerbrachen oder zerkratzten, außerdem gab es Wartezeiten, wenn auch nicht so lange wie bei früheren neuen Modellen. Schon früher gab es bei anderen Modellen Schwierigkeiten mit niedriger als versprochenen Batterielebensdauern.
Ein Teil der Schuld trifft auch die Analysten, die offenkundig die iPod-Nachfrage nicht richtig einschätzen können. Nachdem sie im vorangegangen Quartal noch befürchtet hatten, daß Apple das Geschäft mit iPods nur geringfügig oder gar nicht würde ausbauen können, hatten sie in diesem Quartal dieses wohl gnadenlos überschätzt.
Der Kurs reitet auf einem Phänomen
Aber vor allem die Erwartungen der Anleger scheinen sich von der Realität völlig losgelöst zu haben und schwerelos über dem Parkett zu schweben. Bereits im April hatten einige Händler aufgrund von „geflüsterten Zahlen“, das heißt Marktgerüchten, den Verkauf von sechs Millionen iPods erwartet. Tatsächlich wurden im damaligen Quartal 5,3 Millionen ausgeliefert.
Apple macht gute Geschäfte, aber kurstreibend wirkt das iPod-Phänomen - und eben mehr das Phänomen als der iPod. Analysten haben immer wieder gewarnt, daß jede enttäuschende Nachricht in diesem Zusammenhang zu einem Kurseinbruch führen könnte. Und genau das ist am Dienstag passiert.
Doch damit ist das Phänomen nicht aus der Welt. Genauso wie frühere Warnungen zum einen Ohr der Anleger hineingingen, werden auch die Zahlen dieses Quartals früher oder später wieder zum anderen herausgehen. Das zeigte sich bereits vor einem halben Jahr, als die Ergebnisse den Kurs um zwölf Prozent abrutschen ließen. Ein rundes Vierteljahr danach schloß die Aktie wieder höher und blieb so im seit Herbst 2003 bestehenden Aufwärtstrend.
Dabei ist die Aktie auch nach dem Kursrutsch mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der Schätzungen für das gerade angebrochene und das darauffolgende Geschäftsjahr von 27 und 23 immer noch nicht preiswert. Gerade die am Dienstag vorgelegten Zahlen zeigen, daß die iPod-Bäume nicht in den Himmel wachsen. Aber das muß ja die Anleger nicht stören. Die setzen womöglich einfach ihren iPod auf, drehen die Musik lauter und kaufen die Aktie wieder. Börse kann ja so einfach sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |