03.11.2008 · Der Kursverlauf der Commerzbank-Aktie bietet derzeit ein Bild des Grauens. Und dennoch drehen die Notierungen nach anfänglichen Verlusten am Montag ins Plus. Doch die Belastungen auf dem Kurs bestehen trotz der Staatshilfe.
Quartalsverlust, Staatshilfe, zwei Jahre lang keine Dividende und auch die Übernahme der Dresdner Bank scheint nun gefährdet. Die Aussichten der Commerzbank-Aktie sind alles andere als gut. Seit Tagen war schon darauf spekuliert worden, dass auch der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank Martin Blessing in den Staatstopf greift (Commerzbank sucht Rettung beim Staat).
Und dennoch gelang es der Aktie, sich im Handelsverlauf am Montagmorgen aus der Minuszone zu befreien. Gut 9 Prozent im Plus bei 9,20 Euro lag die Notierung am Vormittag. Dabei war der Kurs stürzte im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz um knapp 9 Prozent in die Tiefe gestürzt, nachdem die Aktie schon am Freitag mit einem Verlust von 6,2 Prozent auf 8,43 Euro aus dem Börsenhandel ging. In den offiziellen Börsenhandel ging die Commerzbank-Aktie am Montag mit einem weiteren Abschlag um 6,4 Prozent auf 8,43 Euro.
„Nicht in die Irre leiten lassen“
Banken erheben Finanzgeschäfte gerne zu einer Frage des Vertrauens, die Aktie der Commerzbank ist zu einer Frage des Misstrauens geworden. Auch wenn der Staat nun der Commerzbank beispringt, bestehen die Risiken, die auf dem Aktienkurs lasten, weiter. „Dass nun wirklich das Rettungspaket benötigt wird, dürfte die Aktien kurzfristig nochmal belasten“, sagte ein Börsianer laut der Nachrichtenagentur dpa-AFX. „Die Anleger sollten sich von einer kurzfristigen positiven Reaktion nicht in die Irre leiten lassen“, meinte ein anderer. Mit 8,2 Milliarden Euro nimmt die Commerzbank den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung in Anspruch. Als stille Einlage des Staates soll der Betrag das Kernkapital der Bank stärken. Außerdem wird der Staatsfonds Schuldverschreibungen von 15 Milliarden Euro garantieren.
„Das beseitigt die letzten Unklarheiten, aber so deutliche Kursgewinne hätte ich auch nicht erwartet“, sagte ein Händler. Analysten zeigten sich über die Höhe der beantragten Hilfe überrascht. Mehr als 8 Milliarden Euro seien außergewöhnlich viel, hieß es bei Merck Finck & Co. Daneben seien die zugleich veröffentlichten Quartalszahlen schwach, kritisierten Analysten. Mit einem operativen Verlust von 475 Millionen Euro seien seine Erwartungen und die des Konsens enttäuscht worden, schrieb LBBW-Analyst Olaf Kayer. Die Kapitalmaßnahmen bezeichnet er als „massiv“.
Gestärkt aus der Finanzkrise?
Wie es um die Bank bestellt ist, zeigt auch, dass Blessing die Veröffentlichung der Quartalszahlen ohne Vorankündigung vom Mittwoch auf den Montagmorgen vorziehen musste. Einen Verlust von 285 Millionen Euro erlitt die Bank im dritten Quartal, nach einem Gewinn von 339 Millionen Euro im Vorjahr.
„Wir werden gestärkt aus der Finanzkrise herausgehen“, hieß es von Seiten der Commerzbank am Morgen. Doch daran kommen aus dem Aktienhandel insofern Zweifel auf, als die Bank nach wie vor an der Übernahme der Dresdner Bank festhält. 9,8 Milliarden Euro will sie der Allianz für diese Transaktion überweisen - für eine Bank, die in den vergangenen Jahren erheblich an Wettbewerbskraft eingebüßt hat.
An der Börse werden die Zahlen jedoch ganz anders als vom Commerzbank-Vorstand bewertet. Einer ersten Analysteneinschätzung vom Montagmorgen zufolge sind sie deutlich schlechter als erwartet ausgefallen, meinte dpa-AFX. Der von der Nachrichtenagentur nicht namentlich zitierte Experte machte hierfür insbesondere die höheren Verluste durch Lehman Brothers und Island verantwortlich. Auch größere Abschreibungen auf strukturierte Produkte hätten deutlich auf das Ergebnis gedrückt. Die Inanspruchnahme des Rettunsschirms sei zwar keine Überraschung, die Höhe überrasche dennoch. „Das Volumen deutet auf eine größere Schwäche der Kapitalisierung der Commerzbank hin, als bislang gedacht“, wurde dieser Analyst weiter zitiert.
Übernahme der Dresdner Bank „nicht nachvollziehbar“
Vorstandschef Martin Blessing betonte, das nächste Jahr werde von der Übernahme der Dresdner Bank gekennzeichnet sein. „Wir stärken unsere Marktposition und heben Kostensynergien. Durch die Übernahme sind wir für die Zeit nach der Krise mit unserer gestärkten Kapitalbasis bestens gewappnet.“
Kostensynergien sind im Bankgeschäft jedoch weniger als leicht zu heben als in vielen Bereichen der fertigenden Industrie. Denn allein durch die Zusammenführung der IT wird das Ergebnis der Commerzbank in den kommenden Jahren belastet werden. Auch muss der Vorstand befürchten, dass Kunden abwandern und die fusionierte Bank durch die Zusammenführung fürs Erste im Wettbewerb gelähmt ist.
„Die Commerzbank hat viel zu lange so getan, als käme sie gut durch die Finanzkrise“, urteilte ein Marktbeobachter am Morgen in einer ersten Reaktion. „Und dann auch noch die Dresdner Bank übernehmen zu wollen mit dem Risiko, weitere unwägbare Risiken einzugehen - das ist nicht nachvollziehbar.“
Analysten senkten den Daumen
Viele Analysten hatten schon Anfang September negativ darauf reagiert, dass sich die Commerzbank nun eine Bank aufbürden will, mit deren Sanierung der Allianz-Konzern sichtbar gescheitert ist. Spencer Hogan von der Deutschen Bank hatte die Commerzbank-Aktie von „Halten“ auf ein klares „Verkaufen“ heruntergestuft - die Vorteile der Transaktion hatte er eindeutig auf Seiten der Allianz ausgemacht.
Immerhin hat die Deutsche Bank die Commerzbank-Aktie in der vergangenen Woche wieder auf „Halten“ eingestuft, das Kursziel jedoch auf das sehr niedrige Niveau von 9 Euro festgelegt. Lediglich Neil Smith von WestLB Equity Markets mit einem Kursziel von 7 Euro und Jeremy Sigee von der Citigroup mit einem Kursziel von 8 Euro sind derzeit noch pessimistischer.
Die Analysten von Morgan Stanley monierten schon im September, dass die Konditionen des Verkaufs am oberen Ende des Spektrums lägen - und somit nicht sehr vorteilhaft seien für die Commerzbank… Diese Meinung vertrat auch Merrill Lynch. Deren Analysten hatten den Wert der Dresdner Bank mit 8,3 Milliarden Euro beziffert - und damit gut 1,5 Milliarden Euro unter dem Preis, den die Commerzbank bezahlt.
Merrill Lynch hatte die Commerzbank-Aktie zuletzt sogar wieder auf „Kaufen“ gesetzt, dieses Urteil aber am Montagmorgen revidiert. Nun hält sie nur noch eine „neutrale“ Gewichtung für gerechtfertigt und senkte das Kursziel von 12,60 Euro auf 10,30 Euro.
Management-Buyout von Dresdner Kleinwort?
Ihre Fondsgesellschaft Cominvest verkauft die Commerzbank im Rahmen der Dresdner-Bank-Übernahme an die Allianz, die auf diese Weise die Allianz Global Investors weiter stärkt. Es dürfte nach Erwartung der Börse nicht die letzte Transaktion gewesen sein. Für den Fall, dass die Übernahme stattfindet, wird erwartet, dass weitere Teile aus dem neuen Verbund herausgelöst werden.
So passt beispielsweise die Investmentbank Dresdner Kleinwort nicht in die bisherige Strategie der Commerzbank, das Kapitalmarktgeschäft eher klein zu halten. Allerdings ist es schon der Allianz nicht gelungen, einen Käufer für Dresdner Kleinwort zu finden. Denkbar wäre jedoch in der neuen Konstellation beispielsweise ein Management-Buyout.
Ein Bild des Grauens
Aus charttechnischer Sicht bildet das Kursbild der Commerzbank-Aktie ein Bild des Grauens. Seit dem Sommer befindet sich der Kurs praktisch im freien Fall und wurde in wenigen Wochen von mehr als 20 Euro bis Freitag auf 8,26 Euro durchgereicht. Ende September fiel der Kurs dann auch noch unter den 200-Tage-Durchschnitt. Seitdem notiert die Aktie klar darunter - liegt diese Trendlinie doch aktuell noch bei 18,90 Euro.
Damit sind sämtliche Unterstützungslinien, die den Kursverfall noch aufhalten könnten, durchbrochen worden. Die nächste Unterstützung ist das Mehrjahrestief vom 8. Oktober 2002, als der Kurs auf 5,30 Euro gestürzt war und auch bei einem zweiten Test wenige Monate später standhalten konnte.
Commerzbank informiert über Details
Daniel Schneider (faulerpilot)
- 03.11.2008, 16:03 Uhr
"Bild des Grauens"
Felix Hartmann (felixhartmann)
- 04.11.2008, 18:49 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |