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Christine Bortenlänger, Deutsches Aktieninstitut „Die Verpflichtung zu Quartalsberichten gehört abgeschafft“

 ·  Christine Bortenlänger will in ihrer neuen Funktion vor allem der Realwirtschaft an den Kapitalmärkten mehr Gehör verschaffen. Auch privat setzt sie auf Aktien.

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Frau Bortenlänger, geben Sie uns Einblick in Ihr Depot. Haben Sie Aktien?

Ja, selbstverständlich habe ich Aktien. Seit meiner Banklehre hatte ich immer Aktien, auch in schwierigen Phasen.

Damit gehören Sie zu einer Minderheit in Deutschland, die als gierige Zocker verschrien sind. Wie wollen Sie als Chefin des Aktieninstituts das Image ändern?

Durch Information. Aktien liefern im langjährigen Durchschnitt solide Renditen etwas oberhalb der Inflationsrate und sind weit weg von Zockerträumen. Aktionäre sind ganz normale Menschen, die sich gerne mit Wirtschaft beschäftigen und mit ihrer Geldanlage mittel- und langfristig ihr Vermögen aufbauen wollen.

Die Diskussion um den computergetriebenen Hochfrequenzhandel in Millisekundenschnelle lässt oft den Eindruck zurück, die Börse sei eine außer Kontrolle geratene Spielhölle für Investmentbanker und somit kein Ort für den langfristigen Vermögensaufbau.

Die Diskussion tut der Aktie als Anlageform sicherlich nicht gut, da sie zusätzlich verunsichert. Das eigentliche Problem ist aber, dass die Menschen sich nicht gern mit Finanzthemen beschäftigen, weil sie einfach zu wenig darüber wissen. Da hilft nur Aufklärung. Finanzielle Bildung fehlt jedoch auf fast allen Lehrplänen, im Elternhaus wird auch nicht darüber gesprochen, und Finanzfachleute sind gesellschaftlich nicht anerkannt, im Gegenteil.

Sind denn Aktien überhaupt etwas für jedermann?

Im Prinzip ja. Der Anlagebetrag sollte aber wenigstens 10.000 Euro betragen, um das Geld auf mehrere Titel verteilen zu können. Auch sollte das Geld nicht morgen für eine neue Waschmaschine gebraucht werden. Ansonsten sind Aktien für jedermann geeignet. Ein Aktionär beteiligt sich an einem echten Substanzwert, hat Anteil an Maschinen, Fabriken und fördert Innovationen. Gerade junge Leute sind oft markenbegeistert. Da müsste eigentlich der nächste Schritt sein, sich auch am Geschäftserfolg der entsprechenden Unternehmen über den Kauf von Aktien zu beteiligen. Den Schritt vom begeisterten Konsumenten zum Aktionär sollten viel mehr Leute gehen.

Wollen Sie den Erfolg in Ihrer neuen Position an der Entwicklung der Zahl der Aktionäre messen lassen?

Nein, unser Ziel als Interessenvertretung der börsennotierten Gesellschaften ist es, die Rahmenbedingungen für die Aktie als Geldanlage und als Finanzierungsform so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Auch als Finanzierungsform ist die Aktie derzeit oft nicht die erste Wahl. Seit mehr als zehn Jahren gibt es kaum nennenswerte Börsengänge in Deutschland. Wie wollen Sie das ändern?

Eine wesentliche Motivation für meinen Wechsel von der Börse München zum Aktieninstitut war es, den Interessen der Realwirtschaft am Kapitalmarkt mehr Gehör zu verleihen. Die Politik versucht alles und jeden zu schützen, verursacht mit immer neuen Regulierungen aber nicht nur Verunsicherung, sondern auch hohe Kosten. Börsennotiert zu sein wird dadurch gerade für mittelständische Unternehmen immer unattraktiver, das wollen wir ändern.

Sind die Anforderungen im Paradesegment der Deutschen Börse, dem Prime Standard, zu streng?

Die Deutsche Börse hat bewusst den Prime Standard mit sehr hohen Standards eingeführt, um den Anforderungen internationaler Anleger gerecht zu werden, die in deutsche Blue Chips investieren. Das hat den deutschen Kapitalmarkt attraktiv gemacht. Mittelgroßen und kleineren Unternehmen werden diese Anforderungen aber oftmals nicht gerecht. Die laufenden Verpflichtungen sind zu hoch und gerade für kleine Unternehmen kaum zu stemmen, zum Beispiel der gesetzliche Zwang zu Quartalsberichten in regulierten Märkten. Dieser gehört abgeschafft. Wir unterstützen entsprechende EU-Pläne. Ein Halbjahresbericht und eine jährliche Analysten- oder Investorenkonferenz reichen. Wer mehr machen will, kann das freiwillig tun. Für wichtige Veränderungen im Jahresverlauf gibt es die Ad-hoc-Pflicht.

Viele Unternehmer wollen sich nicht von Aktionären ins Geschäft reden lassen.

Es gibt in der Tat Unternehmen und Unternehmer, die sind für die Börse ungeeignet. Es gibt aber auch viele Weltmarkt- und Innovationsführer, für die wäre der Schritt an die Börse sehr vorteilhaft. Wäre Bill Gates in seiner Garage sitzen geblieben, wäre aus Microsoft nie das geworden, was es heute ist. Das ist für mich eine hohe Motivation, dass der Kapitalmarkt weiter solche Geschichten schreibt. In der Historie hat sich immer wieder gezeigt, dass bahnbrechende Entwicklungen erst zum Durchbruch kamen, wenn entsprechendes Kapital zur Verfügung stand. Der Beispiele gibt es viele, spontan fallen mir Linde oder BMW und die Quandts ein. Solche Erfolgsgeschichten muss die Aktie als Finanzierungsform in einem attraktiven Rahmen weiter ermöglichen.

Wie sieht ein solcher Rahmen aus?

Unser momentanes Ziel ist es, Stabilität in den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erreichen und den Unternehmen damit Rechtssicherheit zu geben. Immer neue Regulierungsvorhaben verunsichern nur und bergen die Gefahr der Überregulierung. Wir empfehlen daher erst einmal ein Abwarten, ob der derzeitige Rahmen nicht schon der richtige ist. Viele beschlossene Reformen müssen ja erst einmal umgesetzt werden und ihre Wirkung zeigen. Die Diskussion um Derivate, die für viele Unternehmen zur Absicherung ihrer Geschäfte unabdingbar sind, oder über Ratings, die zur Risikoeinschätzung einen unerlässlichen Beitrag liefern, ist daher wenig hilfreich. Kapitalmarkt und Aktien haben trotz mancher Übertreibung die Krise weder verursacht, noch stellen sie ein Problem dar. Sie bieten stattdessen Chancen und Möglichkeiten.

Das Gespräch führte Daniel Mohr.

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