31.08.2010 · China gilt als die kommende Wirtschaftsmacht. An der Deutschen Börse sind mittlerweile 23 Unternehmen aus dem reich der Mitte gelistet. Doch die wenigsten haben eine nennenswerte Größe. Auch die Kursentwicklung ist enttäuschend.
Von Martin HockChina ist in den Augen der meisten Beobachter die führende Wirtschaftsnation. Insofern ist nicht verwunderlich, dass die Zahl der Aktiengesellschaften wächst - auch an der Deutschen Börse, die 23 chinesische Gesellschaften zählt, die Frankfurt ihre Heimatbörse nennen.
Blickt man indes genauer auf diese Listings, so relativiert sich diese Zahl aus Investorensicht rasch. Lediglich acht Unternehmen kamen über einen klassischen Börsengang mit öffentlichem Angebot aufs Parkett. Es sind auch nur acht Unternehmen, die überhaupt eine nennenswerte Marktkapitalisierung haben, nur vier übertreffen dabei die Marke von 100 Millionen Euro. Nur knapp die Hälfte verzeichnet nennenswerte Umsätze, für mehr als ein Fünftel gibt es noch nicht einmal Daten.
Joyou ist der Größte unter den kleinen Chinesen
Lediglich ein Unternehmen erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Dies war der Küchen- und Bad-Armaturenherstellern Joyou. Dieser legte am Dienstag auch seinen Bericht für das erste Halbjahr des laufenden Jahres vor.
Demnach stiegen die Umsatzerlöse in den ersten sechs Monaten um 24 Prozent auf 102,6 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis sank allerdings um 8 Prozent auf 16,6 Millionen Euro. Joyou begründete dies mit erheblichen Ausgaben für den Ausbau des Vertriebsnetzwerkes und des Marketings. Im ersten Halbjahr 2010 erhöhte Joyou die Zahl der Verkaufsstellen in China auf 3199. Neue Läden sieht das Unternehmen als einen seiner Hauptwachstumstreiber an.
Bewertung scheint günstig
Das Unternehmen will weiter im Gesamtjahr einen Umsatz von 230 bis 240 Millionen Euro und ein Betriebsergebnis zwischen 43 und 48 Millionen Euro erzielen. Analysten rechnen mit einem Ergebnis am oberen Rand der Spanne bei Umsätzen am unteren Ende. Fundamental erscheint die Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 8,3 für das laufende und 5,9 für das kommende Jahr eher günstig.
Vergleicht man die Joyou-Aktie mit den übrigen vier, zu denen Analystenprognosen verfügbar sind, so erscheint sie gleichfalls günstig bewertet. Sie weist die größte Dynamik sowie die günstigsten Kurs-Cashflow-Verhältnisse auf. Zudem setzt Joyou im Vorjahr 80 Prozent dessen um, was der Müllverbrenner Zhong De, der Mobilfunker Vtion, der Bambusanbauer Asian Bamboo und der Modehersteller Kinghero zusammengenommen erwirtschafteten.
Ein Ende des chinesischen Immobilienbooms würde indes sicher auch auf das Geschäft von Joyou durchschlagen. Die konjunkturellen Folgen dürften aber alle Unternehmen zu spüren bekommen.
Mehrheitlich hohe Kursverluste
Am Dienstag allerdings zeigt sich, dass chinesische Nebenwerte große Tücken haben. Um mehr als 14 Prozent geht es für den Kurs der Joyou-Aktie abwärts auf ein Allzeittief von 10,105 Euro. Damit liegt der Kurs nunmehr um 30 Prozent unter dem ersten Kurs von Ende März und 44 Prozent unter dem Allzeithoch von 17,93 Euro, das die Notierung kurz nach der Erstnotiz erreicht hatte.
Die meisten der chinesischen Aktien sind schlecht gelaufen. Jede vierte hat mehr als 90 Prozent seit ihrem ersten Kurs verloren. Die gesamte Marktkapitalisierung des Herstellers von Verkehrssicherheitsprodukten, Nitestar, und Ecoinvest, einer Holding aus dem Bereich der erneuerbaren Energien ist auf 30.000 bzw. 20.000 Euro geschrumpft. Der Außenwerbungsspezialist Business Media China konnte erst vor kurzem mit knapper Not die Insolvenz abwenden.
Kursgewinne verzeichnen neben Kinghero, die erst seit Anfang des Monats börsennotiert sind nur die Aktie des Bettdecken-Herstellers Shigo sowie die Aktie von Asian Bamboo. Allerdings ist der jüngste Trend auch bei Shigo negativ, während Asian Bamboo vor allem von den Kursgewinnen des Jahres 2009 zehrt, als sich die Notierung knapp verfünffachte. Seit Februar läuft sie im Trend seitwärts, obgleich sie Anfang des Monats ein Allzeithoch markierte.
Diese starken Kursgewinne sind auch dafür verantwortlich, dass Asian Bamboo für 42 Prozent der Marktkapitalisierung der an der Deutschen Börse gelisteten chinesischen Aktien steht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |