29.06.2010 · Chinas Aktien gehörten in den vergangenen Monaten zu den schwächsten weltweit. Am Dienstag fiel der Shenzhen Stock Exchange Component Stock Index auf den tiefsten Stand seit April des vergangenen Jahres. Der Grund: Wachstumssorgen.
Hatte China in den Monaten nach dem bisherigen Höhepunkt der Krise die Hoffnungen der internationalen Anleger bewegt, so werden diese zumindest gemessen an der Kursentwicklung der chinesischen Börse immer mehr enttäuscht.
Am Dienstag kam es zu deutlichen Kursverlusten, nachdem der Markt schon in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres zu den schlechtesten weltweit gehörte. Der Shenzhen Stock Exchange Component Stock Index verlor etwas mehr als fünf Prozent seines Wertes und schloss nicht nur auf dem Tagestief, sondern auf dem tiefsten Stand seit April des vergangenen Jahres. Der Index hat seit Dezember des vergangenen Jahres 32 Prozent seines Wertes verloren.
Aufkommende Zweifel am „Wachstumsmotor China“
Der Grund liegt an sich verdichtenden Zweifeln am „Wachstumsmotor China“. Der Frühindikator des Conference Board für die Wirtschaft der Volksrepublik verbuchte im April den geringsten Anstieg seit fünf Monaten. Das private amerikanische Forschungsinstitut revidierte den am 15. Juni ausgewiesenen Wert von 1,7 Prozent „wegen eines Berechnungsfehlers“ auf 0,3 Prozent nach unten.
Das heißt, das gigantische monetäre und fiskalische Stimulationsprogramm, das die Wirtschaft des Landes zunächst beflügelt und indirekt über eine starke Nachfrage nach Energie und Rohstoffen sowie nach Importwaren aller Art die Weltkonjunktur angekurbelt hatte, scheint an Wirkung zu verlieren. Damit dürfte sich die optimistische Erwartung verflüchtigen, China habe sich von der schuldenindizierten Malaise der Industriestaaten abgekoppelt und könne nachhaltig wachsen.
Skeptiker hatten schon länger argumentiert, China habe zu stark und zu einseitig in Immobilien und den Exportsektor investiert, statt den Binnenkonsum genügend zu beflügeln. Im Immobilienbereich, der für rund 60 Prozent des chinesischen Wachstums verantwortlich war, deuten sich schon seit längerem krasse Fehlentwicklungen an. Denn die Immobilienpreise sind im vergangenen Jahr trotz zunehmendem Angebot und sehr hohem Leerstand stark gestiegen, während die Nachfrage zuletzt deutlich zurückging.
Die zu niedrigen Zinsen und die hohe Geldmenge habe die Land- und Häuserpreise in weiten Teilen des Landes auf unglaubliche Höhen getrieben und Unternehmen eher zu Spekulationen am Immobilien- und Aktienmarkt als zu Investitionen bewegt., erklärten kritische Marktteilnehmer schon vor Monaten. Zudem hätten viele Provinzen des Landes unkontrolliert zu viele Kredite für Projekte aufgenommen, die sich nie rechnen könnten.
Chinesische Aktien sind immer noch zu teuer
Nun scheint sich die Wirkung regulativer und geldpolitischer „Straffungsmaßnahmen“ zu zeigen, mit der Regierung und Zentralbank in den vergangenen Wochen anziehender Inflationsraten sowie der offensichtlichen Überhitzung der Kredit-, Immobilien- und Aktienmärkte begegneten. Tatsächlich hat die Peoples Bank of China nicht nur den Mindestreservesatz, der die Kreditvergabe der Banken einschränken soll, mehrfach auf zuletzt 17 Prozent erhöht, sondern auch das Geldmengenwachstum gebremst. Die chinesische Regierung hat außerdem die Aufnahme von Krediten für den Kauf von Dritthäusern verboten und die Hypothekenzinsen sowie die notwendigen Anzahlungen für den Kauf von Zweithäusern erhöht.
Anleger blicken zudem auf die Entwicklung der Schuldenkrise in Europa und fürchten, dort notwendige Sparmaßnahmen könnten zusammen mit einem gegen den Euro aufwertenden Yuan die Nachfrage nach chinesischen Exportgütern zurückgehen lassen. In diesem Fall würde sich die Wirtschaft Chinas schwächer entwickeln als gemeinhin angenommen. Das hätte negative Folgen für Rohstoffstaaten wie Australien, Kanada oder auch Brasilien, da deren Produkte weniger gefragt als angenommen wären.
Unter diesen Rahmenbedingen dürften Anleger dazu neigen, chinesische Aktien skeptisch zu betrachten. Sie sind mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis gemessen an optimistischen Gewinnschätzungen selbst nach den Kursverlusten der vergangenen Monate noch nicht günstig.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3218 | −0,15% |
| Rohöl Brent Crude | 117,95 $ | +0,04% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |