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China Finanzwerte mit Vorsicht zu genießen

18.12.2009 ·  Mit deutlichen Kursgewinnen nahmen die Aktien der chinesischen Banken in den vergangen Monaten an der allgemeinen Erholungsrally teil. Allerdings betrachten kritische Anleger diese Entwicklung skeptisch. Inzwischen auch die Ratingagentur Fitch.

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Mit deutlichen Kursgewinnen nahmen die Aktien der chinesischen Banken in den vergangen Monaten an der allgemeinen Erholungsrally teil. Allerdings betrachten kritische Anleger diese Entwicklung skeptisch. „Ich würde den Bilanzen der chinesischen Banken nicht trauen,“ erklärte der in Peking ansässige Finanzprofessor und ehemalige Rentenhändler Michael Pettis im Gespräch mit FAZ.NET wiederholt.

Die Rechnungslegung vieler dieser Unternehmen sei intransparent, erklärt er. Die Institute des Landes seien zum Teil auch auf staatlichen Druck in einem Umfeld mit sehr generöser Liquiditätsausstattung große Risiken an den Immobilienmärkten des Landes und bei der Finanzierung industrieller Überkapazitäten eingegangen, die sich nicht in adäquater Form in ihren Büchern wiederfinden ließen.

Wachsendes Reservoir verborgener Kreditrisiken

Ein „wachsendes Reservoir verborgener Kreditrisiken“ attestiert nun auch die Ratingagentur Fitch den chinesischen Banken. In ihrem Jahresbericht über die Finanzbranche in China heißt es, die Geldinstitute verbuchten Transaktionen verstärkt außerbilanziell, um mehr Kredite vergeben zu können. Zu diesen außerbilanziellen Transaktionen zählten beispielsweise die Umwandlung von Krediten in Vermögensverwaltungsprodukte, die an Investoren vertrieben werden, sowie der Verkauf von Krediten an andere Finanzinstitute.

Die Kapitalstärke der chinesischen Banken sei daher wahrscheinlich stärker angespannt als es erscheine. Aus diesem Grund werde Fitch sein Rating für einige chinesische Banken in den kommenden beiden Jahren möglicherweise herabsetzen, schreiben die Verfasser Charlene Chu und Chunling Wen weiter. Die chinesischen Banken haben in den ersten elf Monaten des Jahres ein Rekordvolumen von 9,21 Billionen Yuan oder umgerechnet etwa 937 Milliarden Euro an neuen Krediten herausgereicht. Das Kreditwachstum hat sich allerdings seit Juli abgeschwächt, nachdem die Aufsichtsbehörden die Finanzinstitute mahnten, ihre Kreditvergabe zu drosseln, um eine Blasenbildung bei Vermögenswerten zu vermeiden.

„Ein hohes Maß an Vorsicht ist noch geboten angesichts der weiterhin erheblichen Schwächen bei der Einordnung von Krediten und der Offenlegung von außerbilanziellen Risiken“, schrieben die Fitch-Analysten. Der Verkauf und die Umwandlung von Krediten erklärten, wieso sich das Kreditvergabevolumen im zweiten Halbjahr 2009 abgeschwächt habe, erläutert Fitch. Diese Transaktionen schafften scheinbar Bilanzspielraum für neue Kredite und verringerten optisch den Druck auf das Eigenkapital und die Liquidität, so die Ratingagentur.

Wiederholt sich in China, was in den Industriestaaten gerade passiert ist?

Das heißt, in China scheint sich genau das zu wiederholen, was in den des westlichen Staaten in den vergangenen Jahren zur Kreditkrise und ihren Folgen geführt hat: Eine außerordentlich starke Expansion der Bilanzen auf Basis viel zu geringer Eigenkapitalausstattungen, zu geringer Transparenz und zu schwachen oder gar dilettantischen Risikomanagements.

Die chinesische Bankenaufsicht hat zwar Richtlinien vorgeschlagen, die derartige Aktivitäten verbieten sollen. So sollen Treuhändergesellschaften eine aktivere Besitzerfunktion bei den Kredit-Vermögenswerten, die den Vermögensverwaltungsprodukten zugrunde liegen, übernehmen. Die Aufsichtsbehörden haben auch seit Juli die Vorschriften zu Krediten für Konsum, Sachanlageinvestitionen und Betriebskapital verschärft, um zu verhindern, dass diese für Spekulationen eingesetzt werden. Zudem haben sie im September die Eigenkapitalvorschriften für Banken verschärft, indem sie die wechselseitigen Bestände an nachrangigen Krediten begrenzt haben. Doch Papier ist geduldig.

Das Volumen der neuen Kredite dürfte 2010 auf 8 Billionen Yuan zurückgehen, da „der Druck für stützende Konjunkturmaßnahmen nachlässt und Bilanzengpässe aufgrund geschwächter Eigenkapital- und Krediteinlagenquoten stärker zu spüren sein werden“, erklärte die Ratingagentur. Nach Schätzungen von BNP Paribas benötigen die elf größten börsennotierten Banken des Landes, darunter Bank of China und China Merchants Bank Co., zusammen bis zu 368 Milliarden Yuan, um ihre Eigenkapitalquote bei 12 Prozent zu halten. Die Frage ist nur, ob solche Schätzungen nicht zu konservativ sind. Tatsächlich wollte vor der Kreditkrise die prekäre Lage der westlichen Banken niemand wahrhaben. Die Situation wurde in der damaligen Euphorie so lange schön geredet, bis sie nicht mehr zu verleugnen waren.

Quelle: @cri mit Material von Bloomberg
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