23.06.2006 · Erst die gescheiterte Schering-Übernahme, jetzt die Meldung, daß die Entwicklung des Hoffnungsträgers Sarizotan eingestellt wird. Auch zum LCD-Sektor kommen die ersten kritischen Stimmen. Die Aussichten für die Merck-Aktie sind derzeit nicht die besten.
Um zeitweise mehr als sechs Prozent ging es für die Merk-Aktie am Freitag nach unten (Isin DE0006599905). Nachdem späte klinische Studien mit dem Hoffnungsträger Sarizotan zur Parkinson-Behandlung fehlgeschlagen seien, werde die Entwicklung der Substanz gestoppt, teilte der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern mit. Das sind Nachrichten, die Aktionäre nicht gerne hören.
Merck habe sich entschlossen, keinen Antrag auf Zulassung für Sarizotan einzureichen. Bisher hatte Merck für 2007 die Marktzulassung für Sarizotan in Europa und den Vereinigten Staaten angestrebt. Das Medikament soll unkontrollierte Bewegungen bei Parkinson stoppen. Analysten hatten Sarizotan jährliche Spitzenumsätze bis zu 250 Millionen Euro zugetraut.
Sarizotan schaffte das Studienziel nicht
Der Nachschub an neuen Medikamenten in der Entwicklung ist bei Merck ohnehin dünn gesät, Sarizotan war einer der wenigen Hoffnungsträger. Zwar hat Merck noch einige weitere Substanzen zur Krebsbehandlung in der klinischen Entwicklung, die aber die späte klinische Phase noch nicht erreicht haben. Damit dürfte es einige Zeit dauern, bis sie marktreif sind.
In den Studien der Phase III habe sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen dem Parkinson-Mittel und einem Scheinmedikament (Placebo) feststellen lassen, teilte Merck mit. Die Ergebnisse vorheriger Überprüfungen hätten sich nicht bestätigt. Medikamentenkandidaten müssen normalerweise drei Phasen der klinischen Überprüfung am Menschen vor einem Zulassungsantrag bestehen.
Kritische Stimmen von Analysten...
Die Analysten des Bankhauses Morgan Stanley hatten Sarizotan jährliche Spitzenumsätze von 150 Millionen Euro zugetraut. Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) ging von 250 Millionen Euro im Jahr aus. „Auch wenn dieser Betrag für sich genommen nicht sehr hoch ist, werten wir die Nachricht dennoch als sehr negativ“, kommentierte Alexander Groschke von der LRP. Für die ohnehin schmale Pipeline von Merck sei dies ein deutlicher Rückschlag.
„Die mangelnde Risikodiversifikation auf Grund fehlender kritischer Masse im Bereich Pharma tritt damit noch deutlicher zu Tage“, schrieb der Analyst. Die Einschätzung für die Aktie bleibe aber unverändert bei 'Outperform'. Gemäß dieser Einstufung geht die LRP davon aus, daß sich die Aktie mehr als fünf Prozentpunkte über der Benchmark entwickeln wird. Die Probleme für Merck seien eher strategischer als finanzieller Natur.
... und erste Herabstufungen der Aktie
„Die Nachricht ist eine Enttäuschung für Merck“ sagte auch Ulrich Huwald, Analyst von M.M. Warburg. Die strategischen Probleme im Pharmageschäft würden nun verstärkt. Die WestLB überprüft ihr derzeitiges „Buy“-Votum für die Aktie und das Kursziel von 106 Euro. Die Analysten von Merck Finck senkten das Kursziel für die Merck-Titel am Freitag von 96 auf 90 Euro.
Erst am Donnerstag hatte Morgan Stanley für die Aktie das Rating „underweight“ vergeben. Nach Einschätzung der Analysten sei es sehr wahrscheinlich, daß Merck die Gewinnerwartungen im Geschäftsjahr 2006 nicht erfüllen werde. Als Ursache sei die schwache Entwicklung der Nachfrage nach Flüssigkristallen im zweiten Quartal zu nennen.
Sehr gutes erstes Quartal
Bei der Vorlage der überraschend guten Zahlen für das erste Quartal hatte Merck Ende April für 2006 zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und operativem Gewinn angekündigt. Zuvor war Merck für 2006 von einem Umsatzzuwachs von fünf bis zehn Prozent sowie einem Anstieg des operativen Gewinns im einstelligen Prozentbereich ausgegangen.
Besonders die Flüssigkristall-Sparte konnte jüngst überzeugen. FAZ.NET hatte aber bereits vor zwei Monaten darauf hingewiesen, daß die LCD-Phantasie bereits im Kurs eingepreist zu sein scheint und bei ersten Anzeichen einer Marktsättigung Rückschläge zu erwarten sind (siehe auch: LCD-Boom beflügelt Merck-Aktie).
400 Millionen aus dem Schering-Deal
Jüngst hatte die Merck-Aktie wieder Auftrieb bekommen, weil das Unternehmen aus der Veräußerung ihres Schering-Paktes an Bayer im zweiten Quartal einen außerordentlichen Ertrag von knapp 400 Millionen Euro verbuchen konnte. Gerüchte machten die Runde, mit diesem Geld könne Merck auf Einkaufstour gehen. Geeignete Übernahmekandidaten seien allerdings Mangelware. Auch Spekulationen über eine Sonderdividende kamen auf.
Der Merck-Chart konnte sich Ende der 90er Jahre lange nicht für eine Richtung entscheiden und schaffte nur manchmal den Sprung aus der Handelspanne von 30 bis 40 Euro. Der Jahreswechsel 2000/2001 brachte Kurse um die 50 Euro, danach ging es bergab bis auf gut 18 Euro im Herbst 2002. Die dann einsetzende Rally kann sich aber sehen lassen: Seit gut drei Jahren geht es fast nur noch bergauf. Anfang Mai erreichte die Aktie ihr jüngstes Rekordhoch bei 89,10 Euro. Dann sackte sie im Laufe der Korrektur an den Märkten aber bis auf 68,45 Euro vor wenigen Tagen ab. Zwischenzeitlich erholte sich das Papier wieder ein bißchen, am Freitag mittag kostete die Aktie 69,67 Euro.
Auf bessere Meldungen warten
Doch der Rückschlag vom Donnerstag bringt einmal mehr den langjährigen Aufwärtstrend in Gefahr. Der etwas steilere Trend ist bereits gebrochen. Charttechnisch ist also Vorsicht geboten. Auch die fundamentale Bewertung spricht nicht unbedingt für die Aktie: Im Schnitt haben die Analysten ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19,5 für dieses und 16,8 für das kommende Jahr berechnet - ganz billig ist die Aktie also nicht mehr. Bei einer Dividende von 85 Cent ergibt sich zum aktuellen Kurs eine Rendite von etwa 1,2 Prozent. Ein richtiges Kaufargument ist das also auch nicht.
Für Anleger gibt es derzeit wenige Gründe, warum sie sich die Aktie ins Depot holen sollten. Zum LCD-Boom gibt es erste kritische Stimmen, die Entwicklung des Hoffnungsträgers Sarizotan wird eingestellt, die Perspektive nach der gescheiterten Schering-Übernahme ist noch offen. Daher ist fraglich, ob das Traditionsunternehmen die beeindruckende Gewinnentwicklung der jüngsten Vergangenheit auch in Zukunft fortsetzen kann. Vor einem Investment dürfte es kein Fehler sein, auf bessere Meldungen aus dem Hause Merck zu warten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |