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Chemie/Pharma Die Bayer-Aktie sucht noch nach einem neuen Trend

31.08.2004 ·  Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat Ergebnisse vorgelegt, um deren Interpretation die Börsianer noch streiten. Das paßt zum Kursverlauf, der seit langem keinen klaren Trend zu bieten hat.

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Etwas verwirrend ist offenbar das vom Chemie- und Pharmakonzern vorgelegte neue Zahlwerk ausgefallen. Denn während die Nachrichtenagentur Reuters von übertroffenen Erwartungen spricht, heißt es beim Konkurrenten Bloomberg, die Ergebnisvorgaben der Analysten seien verfehlt worden.

Aber im Grunde genommen ist diese Verwirrung nicht überraschend. Beobachtern fällt es einfach noch schwer, den umfassensten Transformationsprozeß in der 141jährigen Geschichte (unter anderem sind das klassische Chemiegeschäft und Teile des Polymergeschäfts (Kunststoffe) in einer neuen Gesellschaft Lanxess zusammengefaßt worden, die Bayer Anfang 2005 an die Börse bringen will), in dem sich das Traditionsunternehmen derzeit befindet, richtig einzuschätzen. Die Orientierungslosigkeit spiegelt sich auch im Aktienkurs wieder, der in den vergangenen zwölf Jahren praktisch auf der Stelle trat.

Quartalszahlen können die Kurslethargie nicht vertreiben

Im Branchenvergleich hinkt der Titel in diesem Jahr hinterher. Auf Basis der Schlußnotiz vom Montag errechnet sich bisher ein Minus von 7,3 Prozent, womit der Titel im 15 Werte umfassenden Bloomberg Europe Chemieindex bisher die viertschlechteste Bilanz aufweist.

Der ersten Kursreaktion nach Bekanntgabe der neuen Quartalszahlen zu urteilen, wird die Bayer-Aktie zunächst auch nicht aus ihrer Lethargie erwachen. Im Eröffnungsgeschäft am Dienstag fällt der Titel jedenfalls um 1,67 Prozent auf 21,16 Euro und schneidet damit sogar etwas schlechter ab als der ebenfalls nachgebende Dax.

Das deutet darauf hin, daß die Börsianer aus dem gemeldeten Gewinnplus vor Sondereinflüssen, Steuern und Zinsen von 44,1 Prozent auf 660 Millionen Euro ebenso wenig Honig saugen können wie aus dem bekräftigten Versprechen, im Gesamtjahr einen mehr als zehnprozentigen Zuwachs beim Ergebnis vor Zinsen Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erzielen zu wollen.“

Im Grunde genommen ist die Ergebnisbekräftigung, der auf einem Umsatzplus von 4,5 Prozent auf 7,583 Milliarden Euro im zweiten Quartal fußt, aber sogar als Erfolg zu werten, leidet das Unternehmen doch unter den gestiegenen Rohstoffkosten. So hat Bayer-Sprecher Günter Forneck eingeräumt, daß jeder Dollar mehr beim Ölpreis die Kosten um 30 Millionen Euro erhöht.

Entnahme aus dem Dow-Jones-Stoxx-50-Index droht

Aber selbst wenn die Ziel erreicht werden, ergibt sich bei einem bisher erwarteten Gewinn je Aktie von 1,06 Euro je Aktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über zwanzig. Das läßt keine andere Schlußfolgerung zu, als das Bayer einen erfolgreichen Konzernumbau dringend braucht, um in wieder bessere Bewertungsrelationen hineinzuwachsen.

Ganz kurzfristig gesehen wird das Kursgeschehen aber sowieso von indexspezifischen Überlegungen bestimmt wird. Denn nur mit Hilfe eines kleines Schlußspurts am Berichtstag wird die Bayer-Aktie einen Abstieg aus dem prestigeträchtigen Dow-Jones-Stoxx-50-Index vermeiden können. Sollte die momentan auf Platz 61 rangierende Bayer nach Börsenschluß in der Auswahlliste nicht unter den größten 60 Werten stehen, muß der Titel den europäischen Standardwerte-Index verlassen, an dem etliche indexorientierte Fonds bei ihrer Portfolio-Gewichtung orientieren.

Kommt es zu einer Entnahme, dürfte das den Kurs zunächst belasten. Längerfristig hängt ein Ende des zuletzt gültigen Seitwärtstrends aber nur davon ab, ob es gelingt, den eingeleiteten Transformationsprozeß erfolgreich zu gestalten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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