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Chemie BASF lässt es mit der Dividende krachen

21.02.2008 ·  Das Geschäft der BASF war zuletzt durchwachsen. Immerhin war der Ausblick gewohnt solide. Das Glanzlicht setzte der Konzern mit der Ausschüttung: Fast zwei Milliarden Euro erhalten die Aktionäre - deutlich mehr als erwartet.

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Das kam völlig unerwartet: Der Chemiekonzern BASF erhöht die Dividende gleich um 30 Prozent. Das ist bei solch einem großen Konzern keine Selbstverständlichkeit. Oft agieren die Starken im Dax eher vorsichtig. Nicht so BASF: Satte 1,9 Milliarden Euro erhalten die Aktionäre daher nach der Hauptversammlung am 24. April. Je Aktie sind das 3,90 Euro. Im Jahr zuvor waren es drei Euro.

Wer dermaßen offensiv agiert, darf keine Angst haben, dass es in diesem Jahr nicht so toll laufen könnte, etwa wegen einer möglichen Rezession in Amerika. Im Gegenteil, wer seine Aktionäre so großzügig bedient, muss ziemlich sicher sein, dass er dieses Niveau mindestens halten kann. Das versprach BASF denn auch. Ziel ist es, die Ausschüttung weiter zu steigern, aber mindestens zu halten. Wohl wissend: Nichts ist peinlicher für einen Dax-Konzern, als in einem Jahr zu übertreiben und im nächsten Jahr die Dividende zu kürzen.

BASF geht mit „breiten Schultern“ ins Jahr

Dementsprechend euphorisch reagierten Analysten, Händler und Investoren auch auf die Ankündigung der BASF. Ein „Kracher“ sei die geplante Dividende, die noch von den BASF-Gremien abgenickt werden mus. Er habe mit lediglich 3,20 EUR gerechnet, sagte Lutz Grüten von Kepler Equities. BASF gehe mit „breiten Schultern“ ins Jahr 2008. Denn die überraschend hohe Dividende spreche klar dagegen, dass die Ludwigshafener im laufenden Jahr mit dem Erreichen des zyklischen Höhepunkts im Chemiegeschäft rechneten.

BASF selbst zeigte ein paar Schwächen im vierten Quartal 2007, ist aber dennoch optimistisch für 2008. Umsatz und Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sollen weiter steigen. 2007 erreichten die Erlöse 57,951 Milliarden Euro, das Ebit betrug 7,614 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis nach Anteilen anderer Gesellschafter erhöhte sich um 26,4 Prozent auf 4,065 Milliarden Euro.

BASF unterstellt eine moderate Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums sowie der globalen Chemieproduktion (ohne Pharma) auf 2,8 Prozent. Der Prognose liegt zudem ein Ölpreis von 78 Dollar je Fass Öl im Jahresdurchschnitt 2008 zu Grunde. Der Dollar-Wechselkurs wird im Mittel mit 1,45 Dollar je Euro angesetzt.

Die Auftragslage ist „unverändert positiv“

BASF wolle jährlich stärker als der Chemiemarkt wachsen, hieß es. Die ersten Wochen des neuen Jahres hätten dabei nahtlos an das Vorjahr angeschlossen. „Unsere Auftragslage ist unverändert positiv, unsere Anlagen sind gut ausgelastet“, sagte Vorstandsvorsitzender Jürgen Hambrecht. BASF gehe daher auch von einer positiven Entwicklung im Geschäftsjahr 2008 aus.

Wenn man nur auf das vierte Quartal 2008 blickt, dann ist dieser Optimismus nicht nachvollziehbar. Im vierten Quartal stieg der Umsatz bloß um 1,6 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Analysten hatten im Mittel mit 15,061 Milliarden Euro gerechnet. Deutlich stärker als erwartet fiel das Ebit vor Sondereinflüssen im Quartal unter den Vorjahreswert zurück. Es verminderte sich im Quartal um 5,6 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Erwartet worden waren 1,84 Milliarden Euro.

BASF begründete den Rückgang vor allem mit der geringen Auslastung durch Abstellungen von Chemieanlagen und einem verspäteten Wiederanfahren von Großanlagen. Die Mengennachfrage und der Auftragsbestand seien auch im Schlussquartal gut gewesen, hieß es.

Kosten sollen weiter sinken

Eine gute Nachricht ist dagegen, dass BASF auch künftig das Portfolio optimieren, die Effizienz steigern und die Kosten senken will. Auch 2008 sei das Ziel, die Produktivität der BASF-Gruppe weiter zu verbessern.

Analysten reagierten sehr positiv auf die Zahlen. Für die LBBW hat das Ebit vor Sondereinflüssen im Quartal deutlich unter den Schätzungen gelegen, der Nettogewinn sei jedoch wegen der niedriger als angenommenen Steuerquote besser ausgefallen. Das niedriger als erwartete Ebit sei auf das schwache Abschneiden in der Chemikaliensparte zurückzuführen. Positiv bewerten die LBBW-Analysten den Ausblick des Unternehmens. Der sei mutiger als im letzten Jahr. Positiv hoben sie auch die deutliche Dividendensteigerung und den geplanten Aktiensplit im Verhältnis 1:2 hervor.

Unicredit gibt ein Kursziel von 113 Euro vor

Auch Analyst Lutz Grüten von Kepler Equities bewertete positiv, dass BASF den bereinigten operativen Gewinn 2008 leicht steigern wolle. „Der Konsens von Analysten sei dagegen bislang von einem Rückgang ausgegangen“, sagte der Analyst.

Die Unicredit bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 113 Euro. Die Ergebnisse hätten für einige Überraschungen gesorgt, urteilte Analyst Andreas Heine. Der operative Gewinn im vierten Quartal sei wie von ihm erwartet ausgefallen, habe jedoch die Konsensschätzung des Marktes verfehlt.

Die Chemiesparte sei durch den Stillstand in mehreren Fabriken belastet worden. Der Landwirtschaftsbereich habe unter negativen Währungseffekten gelitten. Der Ausblick sei unterdessen zuversichtlich, so Heine weiter. Das sei aber nach den jüngsten Äußerungen des Managements in der Presse zu erwarten gewesen.

Citigroup ist vom Gewinnmix enttäuscht

Von der Qualität des Gewinnmix der BASF zeigte sich die Citigroup mit Blick auf die Viertquartalszahlen enttäuscht. Vier der fünf Sparten hätten die Gewinnprognosen verfehlt, so die Analysten. Die Anhebung der Dividende um 30 Prozent unterstreiche jedoch die Zuversicht des Unternehmens und dürfte den Aktienkurs stützen. Allerdings dürfte es die BASF schwer haben, im laufenden Jahr Fortschritte bei der Gewinnentwicklung zu machen. Die zunehmende Wahrscheinlichkeit eines Gewinnrückgangs könnte weiter ein Hemmnis für die Aktie sein, heißt es.

Langfristig ist die Aktie dennoch ein Kauf. Das Unternehmen entwickelt sich auch in Krisenzeiten solide. Und wenn die Konjunktur anzieht, geht die Aktie wieder hoch.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: @stt
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