Vor 15 Jahren tickten die Uhren an der Börse noch anders. Deutlich wird das an der Verfügbarkeit von Kursinformationen. Den Kurs ihrer Aktien erfuhren die Anleger meist erst einen Tag später. Ebenfalls heute kaum noch vorstellbar: Aufträge konnten nur telefonisch platziert werden.
Diese aus unserer Sicht börsentechnisch noch arg rückständigen Zeit hinderte John J. Murphy nicht daran, über den Tellerrand zu schauen. Murphy stellte dabei die Grundthese auf, dass kein Markt in einem Vakuum existiert. Für ihn stand fest: Die einzelnen Teilbereiche an den Finanzmärkten greifen ineinander über und beeinflussen sich gegenseitig.
Die Thesen von Murphy: Einst revolutionär, heute banal
Was für uns heute banal klingt, war damals noch revolutionär. Anfangs wurde Murphys Konzept sogar noch abgelehnt. Doch inzwischen ist der Vordenker längst rehabilitiert. Um zu verstehen, was Murphy damals postulierte, muss man zuerst einmal die vier Kernthesen aus seinem Buch “Technische Intermarkt-Analyse“ kennen.
Demnach sind erstens alle Märkte miteinander verknüpft und zweitens bewegt sich kein Markt isoliert. Drittens stellt die Intermarkt-Analyse wichtige Hintergrundinformation zur Verfügung und viertens ist die Charttechnik die wichtigste Analysemethode. Denn gerade technischen Analysten fällt es leicht, Vergleiche zwischen Märkten zu ziehen. Man braucht nur historische Kurse und schon lassen sich die Korrelationen erkennen.
Einfluss des Dollar auf den Dax nicht unterschätzen
Murphys Überlegungen sind natürlich global anwendbar. Zum Beispiel auf den Zusammenhang zwischen der Höhe des Dollarkurses und der Entwicklung am deutschen Aktienmarkt. Hier lehrt die Erfahrung: Der Dollar gibt wichtige Fingerzeige für die weitere Entwicklung beim Dax. Jeder Aktienanleger sollte daher den Dollar in seine Prognosen zum Dax mit einbeziehen.
Deutlich wird das am unten stehenden Chart. Der setzt den Dollar in D-Mark gerechnet (wurde für den Euro wegen der langen Zeitreihe verwendet) dem Dax gegenüber. Dabei stellt sich heraus: Ist die D-Mark teuer und der Dollar somit niedrig, sind die Exportaussichten schlecht, weil deutsche Waren zu teuer sind. Die Folge: Die Aktienkurse stagnieren. Im Zeitraum 1990 bis 1995, als die US-Devise von 1,95 auf 1,37 Mark fiel, war dieser Zusammenhang sehr gut zu beobachten.
Erst als der Dollar wieder stieg, war auch für den Dax das Jammertal durchschritten. Während sich die US-Devise um fünfzig Prozent befestigte, legte der Dax um 400 Prozent zu.
Euro für Dax-Prognose genau beobachten
Zu sehr darf der Dollar aber offenbar auch nicht steigen. Denn sonst werden die importierten Güter zu teuer. Dann entsteht Inflationsgefahr. Möglicherweise hat dieser Zusammenhang auch beim Niedergang der Aktienkurse seit dem Jahr 2000 seinen Teil dazu beigetragen.