01.06.2002 · Auf die Aktienmärkte wirken viele Kräfte. Wie die Kurse von den Zinsen beeinflusst werden, zeigt das Charttechnik-Training.
Von Thomas Bopp, CMT-CharttechnikerSteigende Zinsen sind Gift für Aktien. Diese Faustformel gehört zum Grundwerkzeug für jeden Börsianer. Das fallende Zinsen oft segensreiche Kurseffekte haben, ist ebenfalls hinlänglich bekannt.
Auch in der Charttechnik lässt sich dieses Zusammenspiel nutzen. So wird im Rahmen der Intermarkt-Analyse versucht, von der Zinsentwicklung Rückschlüsse auf die weitere Richtung der Aktienkurse zu ziehen. Gut erklären lässt sich das Wechselspiel anhand der Zins-Futures. Dabei handelt es sich um Terminmarktprodukte, die sich dank standardisierter Bausteine wie Zinssatz oder Laufzeit gut für Analysen dieser Art eignen.
Für Laien ist noch wichtig zu wissen, dass der so genannte Bund-Future immer spiegelbildlich zum Verlauf der Renditen gesehen werden muss. Das heißt: Steigende Renditen gehen einher mit fallenden Kursen beim Bund-Future und umgekehrt.
Realwirtschaftlichen Effekte sorgen für die Abhängigkeit
Als allgemeine Daumenregel der Intermarkt-Analysetechnik (siehe auch: Intermarkt-Analyse - ein Blick über den Tellerrand) gilt: Steigende Zinsen sind negativ für die Aktienkurse, fallende Zinsen dagegen positiv. Oder anders formuliert: Steigt der Bund-Future, hat das für sich betrachtet eine stützende Wirkung auf die Kursfindung am deutschen Aktienmarkt. Bei einem fallendem Bund-Future steigt dagegen das Risiko für Aktienanleger. Es drohen Kursverluste.
Warum das theoretisch so ist, lässt sich leicht erklären: Hohe Zinsen bedeuten für die Unternehmen hohe Kapitalbeschaffungskosten, was sich negativ auf die Gewinne auswirkt. Bis dieser Effekt richtig durchschlägt, vergeht aber einige Zeit. Diese Zeitverzögerung ist wohl der Grund, warum die Aktienkurse für gewöhnlich erst mit Verzögerung auf Veränderungen in der Zinslandschaft reagieren. Zudem stehen Anleihen und Aktien natürlich als Anlageformen in direkter Konkurrenz. Und je höher (tiefer) die Renditen sind, welche die Anleihen abwerfen, um so eher sind Anleger geneigt, sie auch anstatt von Aktien zu kaufen (verkaufen).
Der Dax zeigt den Zusammenhang von Zinsen und Aktienkursen
Der unten stehende Dax-Chart zeigt seit 1991, also seitdem es den Bund-Future gibt, wie das Zusammenspiel aussieht. Häufig war es so wie im Jahr 1992, dass ein steigender Bund-Future und damit fallende Renditen mit einer zeitlichen Verzögerung von rund neun Monaten einen steigenden Dax nach sich zog.
Wie der Chart ebenfalls zeigt, geriet der Kursanstieg erst viel später wieder ins Stocken. Verantwortlich war aber auch hier der Bund-Future. Als der Bund-Future fiel, wurde dies beim Dax zumindest mit einer Seitwärtsbewegung von mehr als einem Jahr quittiert.
Die Entwicklung in den 90er Jahren kann insgesamt als Bestätigung für die Thesen der Intermarkt-Analyse gewertet werden. Als Lehre daraus sollte sich jeder unbedingt merken, dass kein Markt isoliert betrachtet werden kann. Im Laufe der vergangenen elf Jahre war es nämlich so, dass jede signifikante Trendänderung beim Dax ein Trendwechsel beim Bund-Future voraus gegangen war. Meistens war es dabei so, dass der Zinskontrakt einen Vorlauf von mehreren Monaten hatte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |