08.06.2002 · Steigende Aktienkurse, fallender Goldpreis und umgekehrt. Für Charttechniker liefert diese Erkenntnis der Intermarkt-Analyse wichtige Signale.
Von Thomas Bopp, CMT-CharttechnikerGold wird immer dann zum Anlagethema, wenn Kriegsängste oder fallende Aktienmärkte die Schlagzeilen beherrschen. Aus diesem Grund spielt das Edelmetall eine entscheidende Rolle in der Intermarkt-Analyse, bei der es auf die Verknüpfung vermeintlich unabhängiger Anlageinstrumente ankommt.
Obwohl Gold noch immer oft als sicherer Hafen angesehen wird, ist es interessant zu wissen, dass es langfristig gesehen immer schlechter abgeschnitten hat als die Aktien. Vermutlich auch deshalb, weil Gold in ungünstigen Zeiten nicht einmal Zinsen oder Dividenden abwirft. Speziell im zu Ende gegangenen Bullenmarkt hinkte Gold hinterher. Während der US-Aktienmarkt von 1982 bis 2000 kräftig kletterte, war beim Gold für Anleger nichts zu holen. Das Edelmetall fiel in diesem Zeitraum um mehr als fünfzig Prozent, der Dow Jones verneunfachte sich dagegen fast.
Fast immer gegenläufige Entwicklung
Diese gegenläufige Entwicklung zwischen Gold und Aktien ist kein Einzelfall. Dieser Umstand ist auch schon John Murphy, dem Pionier auf dem Gebiet der Intermarkt-Analyse aufgefallen (siehe auch: Intermarkt-Analyse - ein Blick über den Tellerrand). Wie zutreffend diese Beobachtung ist, zeigt sich am ersten der beiden unten stehenden Charts, in dem von 1985 an der Dow Jones mit der Feinunze Gold verglichen wird.
Wie man sieht, liefen die Trends bis auf eine Ausnahme zwischen 1993 und 1996 immer entgegengesetzt zueinander. Immer dann, wenn sich der Homo Spekulatius dem Aktienmarkt zuwendete, ging es mit dem Goldpreis nach unten.
Dollar und Gold ticken ebenfalls unterschiedlich
Aber nicht nur im Vergleich zum Aktienmarkt zeigt das Gold bemerkenswerte Trends. Eine ebenso starke Wechselbeziehung ist auch zum Kurs des US-Dollar festzustellen (siehe auch: Währungs- und Chartprofis achten auf Zinstrends). Wie im Verhältnis zu den Aktienkursen laufen die Bewegungen entgegengesetzt ab. Topbildungen beim Gold gehen meistens mit Bodenbildungen beim Dollar einher.
Im zweiten Beispielchart werden die Monatsbewegungen von Gold und D-Mark/Dollar miteinander verglichen. Bleibt die Frage, wie sich das eindeutige Zusammenspiel erklären lässt. Die Theorie dazu lautet wie folgt: Läuft die amerikanische Wirtschaft gut, steigt die Zahl der Anleger, die Vertrauen in die Währung haben. Geld wird nach Amerika transferiert und an der Wall Street angelegt, als Folge davon steigt auf Grund der Nachfrage natürlich auch der Dollar. Gleichzeitig werden Gelder vom Goldmarkt abgezogen, da am Aktienmarkt höhere Gewinne winken. Sinkt das Vertrauen in die US- Wirtschaft, kehrt sich das Ganze um.
Letztlich zeigt damit auch dieses Beispiel aus der Intermarkt-Analyse: Um rechtzeitig langfristig Veränderungen an den Finanzmärkten zu erkennen, bleibt dem Anleger nichts anderes übrig, als möglichst viele Faktoren in seine Überlegungen einzubeziehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |