Wir raten weiterhin zur Vorsicht am Aktienmarkt, da die wichtigen Indizes sich kritischen technischen Niveaus annähern. Einige langfristige gleitende Durchschnittswerte wurden bereits durchbrochen, institutionelle Anleger verkaufen ihre Positionen, in Stimmungsumfragen kommt (zu) großer Optimismus zum Ausdruck, zahlreiche Nebenindizes sind bereits gefallen, und am Markt hat sich nach einem starken Kursverfall einer Reihe von Werten keine wirkliche Erholung eingestellt.
Der S&P 500 und der Nasdaq verharren auf ihren jeweiligen Sechs-Monats-Basisniveaus, wobei jedoch unseres Erachtens durchaus die Möglichkeit besteht, daß sie diese Unterstützungszonen verlassen werden. Auf mittlere Sicht befindet sich im Bereich von 1.080 bis 1.100 Punkten eine Unterstützungszone für den S&P 500. Der Index nähert sich erneut einigen wichtigen, langfristig gleitenden Durchschnittswerten an. Der exponentiell gleitende 150-Tages-Durchschnitt liegt bei 1.107 Punkten, der einfach gleitende 200-Tages-Durchschnitt bei 1.103.
Sollte der momentan bei 1.100,90 Punkten notierende Index die Unterstützungszone von 1.080 bis 1.100 Punkten nach unten verlassen, so dürfte er zunächst ein Niveau von 1.010 Zählern anstreben. Bei einem Niveau von 1.010 Zählern zeigt sich zudem eine relativ starke charttechnische Unterstützung. Die nächste wichtige Fibonacci-Marke - ein Rückfall der Kurse um 38,2 Prozent des seit März 2003 verzeichneten Anstiegs - ergäbe ein Zielniveau von 1.021 Zählern.
Nasdaq weist längerfristigen Negativtrend auf
Der Nasdaq ist wieder in die wichtige Unterstützungszone von 1.865 bis 1.930 Punkten zurückgekehrt. Während der Baisse im Mai wurde bei 1.876,64 der tiefste Schlußstand verzeichnet. Der Index ist bei einem Stand von 1.883,83 Zählern bereits wieder unter den exponentiell gleitenden 200-Tages-Durchschnitt von derzeit 1.935 Punkten gefallen. Dieser langfristige Durchschnittswert hat sich abgeflacht und droht zu sinken, was ein weiteres Anzeichen dafür wäre, daß der längerfristige Trend negativ geworden ist.
Zudem könnte der exponentiell gleitende 50-Tages-Durchschnitt bei weiterer Schwäche des Nasdaq unter den 200-Tages-Durchschnitt fallen. Eine derartige Kreuzung der Durchschnittswerte wäre ein wichtiges Verkaufssignal. Zum letzten Mal lag der 50-Tages-Durchschnitt im Oktober 2000 unter dem 200-Tages-Durchschnitt. Dieses einfache Kreuzungssystem hat seit Mai 2003 optimistische Signale ausgesendet.
Bei einem deutlicheren Durchbruch (ein bis zwei Prozent bei guten Volumenumsätzen) unter das Niveau von 1.865 dürfte der Nasdaq die kurzfristige Trendlinie für die Unterstützung bei 1.820 Punkten anstreben. Diese Trendlinie ergibt sich aus den jüngsten Tiefständen im März und Mai. Sie könnte den Nasdaq kurzfristig nach oben treiben, dürfte jedoch letztendlich durchbrochen werden. Darunter liegt bei 1.713 Zählern ein wichtigerer Unterstützungsbereich. Dies entspräche einem Kursrückgang um 50 Prozent gegenüber dem Anstieg seit dem Tiefstand vom März 2003. Im Bereich von 1.600 bis 1.800 Zählern findet sich schwächere charttechnische Unterstützung; eine stärkere Unterstützung tritt jedoch erst bei 1.500 Punkten ein, dem oberen Bereich der Range, die während der Baisse in den Jahren 2002 und 2003 etabliert wurde.
Signale deuten weiter auf überverkauften Markt hin
Unsere Kaufs- und Verkaufsmodelle befinden sich sowohl für Nasdaq als auch für NYSE in einem pessimistischen Bereich, was für uns ebenfalls Anlaß zur Vorsicht ist. Die Zehn-Tages-Summation der Aktien mit Kurszuwächsen dividiert durch die Titel mit Kursverlusten an der Nasdaq hat ein äußerst niedriges Niveau von 0,4821 erreicht, was auf einen überverkauften Markt hindeutet. Zuletzt wurde am 3. Mai 2002 ein ähnliches Ergebnis erreicht; damals folgte darauf eine äußerst kurze Rallye, die scheiterte. Der Index fiel dann deutlich weiter und erreichte im Oktober 2002 seinen Tiefstand.
Wenn derartig überverkaufte Ergebnisse im Rahmen eines ansonsten günstigen Markttrends auftreten, deuten sie auf gute Einstiegszeitpunkte hin. Im augenblicklichen Marktumfeld, in dem wir die Dauerhaftigkeit des zyklischen Aufwärtstrends in Frage stellen, dürften Long-Positionen in Aktien jedoch bei einem derartig überverkauften Niveau keine gute Positionierung darstellen. Das Ergebnis könnte sogar auf längerfristige Schwierigkeiten an den Aktienmärkten hindeuten. Im vergangenen Monat waren die Kurse im Vergleich zu den internen Daten häufig extrem überverkauft, und die Unfähigkeit der Märkte zu einem Ausbruch nach oben deutet insgesamt auf eine ungünstige Marktentwicklung hin.
Nebenindizes scheinen weiter zu fallen
Einige wichtige Nebenindizes sind bereits nach unten ausgebrochen, was auf eine weitere Schwäche der Hauptindizes hindeuten könnte. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) und der Goldman Sachs Technology Industry Software Index (GSO) haben wichtige Unterstützungsbereiche verlassen und scheinen weiter zu fallen. Auch der Broker-Händler-Index hat seine Tiefstände vom Mai unterschritten. Aus technischer Sicht stellt die Ölindustrie eine der wenigen starken Branchen dar. Dies dürfte unseres Erachtens den Markt belasten, denn wenn Ölaktien hoch handeln, sind auch die Ölpreise bekanntermaßen hoch
Angesichts all dieser ungünstigen Anzeichen für den Aktienmarkt wäre eigentlich davon auszugehen, daß die Anleger eine gewisse Besorgnis hegen. Den Umfragen unter Anlegern zufolge ist dies jedoch nicht der Fall. Unseres Erachtens ist dies nur ein weiterer ungünstiger Faktor für den Markt. Laut der Investors Intelligence-Umfrage sind 54,2 Prozent der Anleger optimistisch und nur 21,4 Prozent pessimistisch. Bei MarketVane zeigten sich 62 Prozent der Teilnehmer optimistisch, bei AAII 55 Prozent optimistisch und 21,4 Prozent pessimistisch. Wie wir kürzlich dargelegt haben, dürften diese Anlegerumfragen ein neutraleres oder sogar pessimistisches Bild zeichnen, bevor die Börse den Boden erreicht.
Der Treasury-Markt brach am Freitag nach einer äußerst kurzfristigen Konsolidierung erneut aus, und die Zehn-Jahres-Renditen sind deutlich unter 4,4 Prozent gefallen. Unser Renditeziel liegt bei 4,3 bis 4,4 Prozent; wenn die Aktienkurse jedoch weiterhin gedämpft bleiben, könnten die Anleihen weitere Gewinne verzeichnen. Bei 4,1 bis 4,4 Prozent liegen jedoch umfangreiche charttechnische Widerstände, und die Aktienmärkte müßten wohl geraume Zeit schwach handeln, damit die Renditen unter dieses Niveau fallen. Da es noch keine Anzeichen dafür gibt, daß der Aktienmarkt den Tiefstand erreicht hat, dürfte eine abwartende Haltung unseres Erachtens die beste Entscheidung sein.