12.03.2010 · Keinem Sektor wurde in den vergangenen beiden Jahren mehr Aufmerksamkeit zuteil als den Banken. Die Kurse ihrer Aktien dürften sich volatil zeigen. Dagegen sieht das charttechnische Bild des Dax-Index vergleichsweise konstruktiv aus.
Von Wieland StaudKeinem Sektor wurde in den vergangenen beiden Jahren mehr Aufmerksamkeit zuteil als den Banken. Allein die Charts dürften in der Lage sein, dafür zu sorgen, dass zumindest die Finanzinstitute des Euro-Raums nicht vergessen werden.
Der abgebildete Chart des Aktienindex Euro Stoxx Banken, des Aggregats aller großen Banken des Euro-Raums, macht deutlich, dass dem extremen Einbruch in den Jahren 2007 und 2008 im letzten Jahr eine ebenso außergewöhnliche Erholung folgte. Der Chart zeigt aber eben auch, dass der jüngste Rücksetzer weit größere Dimensionen angenommen hat als zum Beispiel der des Dax. Auch die Loslösung von diesem Jahrestief scheint ein schwierigeres Unterfangen als für die meisten anderen Indizes zu sein. Dass die Mehrheit der anderen europäischen Branchenindizes sich in vergleichbaren technischen Ausgangssituationen befindet, war und ist ein mitentscheidender Grund für meine zurückhaltenden Dax-Prognosen in den letzten beiden Monaten.
Kursvolatilität bei den Finanzwerten zu erwarten
Zumindest mit Blick auf den Bankenindex besteht momentan nur wenig Hoffnung, dass sich daran in absehbarer Zeit irgendetwas Entscheidendes ändert. Der Index wird seinen Erholungskurs zwar fortsetzen, aber spätestens im Bereich des Trends dürfte es mit der Herrlichkeit wieder vorbei sein. Aber selbst wenn ihm der Trendbruch bereits jetzt gelingen sollte und er damit definitorisch wieder in einem langfristig verheißungsvollen Aufwärtstrend notieren sollte, werden die Perspektiven zumindest zunächst weiterhin zurückhaltend beurteilt werden müssen. Für alles andere ist die Vorgeschichte des Bankenindex nicht gut genug und auch der Widerstand bei 240 Punkten schlicht zu massiv. Die Geschichte des europäischen Bankenindex wird wohl in den nächsten Monaten vor allem nachrichteninduziert von einem vergleichsweise wilden Auf und Ab innerhalb der roten Ellipse gekennzeichnet sein. Wegweisend wird erst der Ausbruch aus dieser Zone sein. Aber bis dahin wird noch ein wenig Zeit ins Land gehen.
Der Dax zeigte sich in den letzten beiden Wochen von einer faszinierend guten Seite und konnte sogar den als maximales Erholungsziel anvisierten Widerstand bei 5850 Punkten deutlich überwinden. Gerade im Licht der dem Abschwung zu Jahresbeginn vorausgehenden technischen Indikationen ist das eine erstaunlich gute Entwicklung. Sie wirft erneut die Frage auf, ob der Dax sich nicht doch in einem ganz normalen Aufwärtstrend befindet. Es ist auf alle Fälle beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit und Stetigkeit der Dax wieder in den Bereich der Kernwiderstandszone zwischen 5850 und 6150 Punkten vorgedrungen ist. Dieser aus der Woche nach der Lehman-Pleite herrührende Bereich ist mit einiger Sicherheit nach wie vor der Schlüssel für den Weg nach oben. Die allermeisten Marktteilnehmer verbinden mit dieser Zone ihre ganz eigenen individuellen, im Regelfall nicht besonders angenehmen Erinnerungen und werden jeden Kurs über dem oberen Rand als Befreiung von einer schweren Bürde empfinden.
Charttechnisch robuste Verfassung des Dax-Index
Sobald der Dax neue Jahreshochs erzielt und über 6150 Punkte notiert, wird das Jahr 2010 einen völlig anderen Verlauf nehmen, als das die meisten Auguren momentan erwarten. 7000 Punkte in diesem Jahr dürften dann für den Dax eine leichte Übung sein. Ein guter Hinweis darauf, dass der Dax einem solchen Schritt relativ nahe sein könnte, steckt schon im vorletzten Satz. Kaum ein Marktteilnehmer traut dem Dax momentan signifikante neue Jahreshochs, geschweige denn für die Zeit danach obendrein auch noch eine richtige Rally zu. Aber die Märkte nehmen sich mit schöner Regelmäßigkeit die Freiheit, genau die Zukunft anzustreben, die nur von einer manchmal oft verschwindend kleinen Minderheit erwartet wird.
Auch wenn ich das gerade nach der Vorrede mit erheblichem Bauchgrimmen tue, so bleibt meine Prognose dennoch die alte und damit bis zu einem gewissen Grad wohl auch mehrheitsfähig. Der Dax wird trotz der jüngsten Avancen noch einmal zurückkommen und dabei vielleicht sogar die bisherigen Jahrestiefs noch einmal in Frage stellen. Aber wie gesagt: Mit besonderer Überzeugung kann ich diese Einschätzung nicht mehr vertreten. Dafür war gerade die Entwicklung der letzten Handelstage einfach zu gut. Der Dax könnte sie sich durch außergewöhnlich gute Perspektiven erschlossen haben. 6150 Punkten bleiben also der Rubikon. Über dieser magischen Schwelle ist alles anders.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |