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Charttechnik Aktienindizes versuchen Sprung auf neue Hochs

09.03.2010 ·  Zwölf Monate nach Beginn der jüngsten Aufwärtsbewegung ist an der Wall Street noch nicht ausgemacht, ob es sich um eine Zwischenerholung im Rahmen einer langjährigen Baisse oder um den Beginn einer neuen, dauerhaften Hausse handelt.

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Genau zwölf Monate nach Beginn einer gewaltigen Aufwärtsbewegung ist an der Wall Street noch immer nicht ausgemacht, ob es sich bei dieser um eine Zwischenerholung im Rahmen einer langjährigen Baisse oder um den Beginn einer neuen, dauerhaften Hausse handelt. Doch die Entscheidung könnte wenigstens aus technischer Sicht bald fallen. Die weithin beachteten amerikanischen Aktienindizes bewegen sich nämlich dicht unter ihren im Januar verzeichneten zyklischen Hochs.

Wenn der Standard & Poor's 500 (S&P 500) und der Dow-Jones-Index jetzt weiter nach oben vorstoßen und neue zyklische Höchststände erreichen sollten, müssten sie die alten Hochs aber schon zweifelsfrei überschreiten, um von einer Fortsetzung der Hausse sprechen zu können. "Zweifelsfrei" bedeutet hier nach der Definition von technischen Analysten mindestens drei Prozent. Weniger würde ihnen sagen, dass es sich um einen aus der Sicht der Baissiers erfolgreichen Test der alten Hochs handelt.

Geringe Umsätze gehen bei steigenden Kursen zurück

Zu den Argumenten, die für einen weiteren Anstieg sprechen, zählen saisonale Einflüsse, die sich nun unter rein statistischen Aspekten bis Mai zum Positiven wenden. Dazu zählen die insgesamt geringen Umsätze, die noch dazu bei steigenden Kursen meist zurückgehen. Auch die Stimmung unter den Anlegern gilt mit Hinweis auf einschlägige Indikatoren als beunruhigend sorglos. Ferner verzeichnen die amerikanischen Aktienfonds seit einiger Zeit Nettoabflüsse an Kapital. Und nicht zuletzt erklären skeptische Techniker, der nun wohl bevorstehende Versuch, die zyklischen Hochs vom Januar zu überwinden, sei so offenkundig, dass er nicht gelingen könne. Vielmehr müsse er als durchsichtige Einladung an blauäugige Anleger gedeutet werden, sich in eine riesengroße Falle zu begeben.

Die Pessimisten melden sich zwar nicht täglich zu Wort, doch wollen sie ihre Haltung damit im lautstarken Chor der ständig vernehmbaren Optimisten nicht relativiert sehen. Zu jenen, die zumindest gegen eine Fortsetzung der Hausse argumentieren, zählen technische Analysten wie der legendäre Robert Farrell, früher Merrill Lynch, und seine weithin beachtete Kollegin Louise Yamada. Ferner Walter Deemer und Robert Prechter, der herausragende zeitgenössische Verfechter der "Elliott-Wellen-Theorie". Zu erwähnen sind zudem Strategen wie Albert Edwards von Société Générale und David Rosenberg vom kanadischen Kapitalverwalter Gluskin Sheff, die sowohl fundamental als auch technisch argumentieren.

Walter Murphy, ein früher für Merrill Lynch tätiger und nun unabhängiger Techniker, hält einen Anstieg des S&P 500 über die Marke von 1159 Punkten hinaus zweifelsfrei für ein hausseträchtiges Zeichen. Doch er bleibt skeptisch. Er verweist darauf, dass sich die Auftriebskräfte weitgehend erschöpft haben. Murphy, in dessen Arbeit die "Elliott-Wellen-Theorie" breiten Raum einnimmt, sieht in der Struktur des gegenwärtigen Geschehens an der Wall Street das Muster einer Korrektur. Fast jede in den zurückliegenden zwölf Monaten aufgetretene Korrektur habe die jeweils vorausgegangene überlappt. Solche Überlappungen seien das klassische Muster einer ausgedehnten Korrektur.

Optimisten erkären die „säkuläre Baisse“ für beendet

Daneben verweist der Techniker darauf, dass 27 oder 61,4 Prozent der 44 Börsentage dieses Jahres im Plus endeten. Im Zeitraum 1992 bis 2009 habe nur das gesamte Jahr 1995 mit 61,9 Prozent einen höheren Wert aufgewiesen. Der Durchschnitt dieser 28 Jahre habe 52,9 Prozent betragen. In den 21 Jahren mit positivem Abschluss habe der Wert bei 54,9 Prozent gelegen. Für Murphy besteht damit eine gute Chance, dass dieser Wert in den nächsten Monaten zu seinem Mittel zurückkehrt. Im Klartext bedeutet dies, dass schwierige Zeiten bevorstehen könnten. Murphy hält letztlich einen Test des 2009 verzeichneten zyklischen Tiefs für wahrscheinlich. Der S&P 500 fiel seinerzeit auf 666 Punkte, um dann wieder nach oben abzudrehen.

Jeffrey Saut, ein auch technisch argumentierender Stratege von Raymond James, zählt zu jenen, die die "säkulare" Baisse für ausgestanden halten. Als mittelfristiges Ziel für den Index nennt er den Bereich von 1200 bis 1250 Punkten. Er beruft sich auf die nun positiv werdenden saisonalen Einflüsse und auf den Umstand, dass sich die Marktbreite, also der täglich fortgeschriebene Saldo zwischen gestiegenen und gesunkenen Aktien, in letzter Zeit besser entwickelt habe als der S&P 500 selbst. Saut verkennt andererseits nicht, dass der Index bei dem Versuch, die Zone zwischen 1140 und 1150 Zählern zu überwinden, viel Energie verbraucht hat. Daher wäre es seiner Meinung nach nicht verwunderlich, wenn der Markt nun eine Weile Kraft schöpfen würde, bevor er weiter nach oben vorstoßen könnte.

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