06.06.2007 · Der S&P-500 könnte zunächst an eine Obergrenze im Bereich zwischen 1.540 und 1.560 Zählern stoßen, nach einigen Monaten jedoch die 1.600-Punkte-Schwelle überschreiten, denkt Markttechniker Mark Arbeter von S&P.
Von Mark Arbeter, S&PNach sieben Jahren und zwei Monaten oder knapp 1.800 Handelstagen ist der S&P-500 nach langem und beschwerlichem Aufstieg wieder auf jenem Gipfel angelangt, den er zuletzt während des Höhepunkts der Technologieblase im März 2000 erklommen hatte. Wie aber geht es nun weiter?
Bevor wir einen Blick in unsere zuletzt etwas überstrapazierte Kristallkugel wagen, müssen wir uns zunächst einige interessante Zahlen ansehen, aus denen die Unterschiede im S&P-500 während der Höchststände vom März 2000 und Mai 2007 hervorgehen. Zahlen sind mein Steckenpferd, ich bitte also um ein wenig Nachsicht für meine Zahlenreiterei.
Finanzwerte sind im Index zu Schwergewichten geworden
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im S&P-500 lag im März 2000 bei fast 28, heute beträgt das KGV 17. Die Dividendenrendite befand sich bei 1,12 Prozent gegenüber den derzeitigen 1,8 Prozent. Der Cashflow der S&P-500-Unternehmen als Prozentsatz des Marktwertes stieg von seinerzeit 2,5 Prozent auf nun 5,8 Prozent. Der damalige größte Aktienwert war Microsoft mit einer Marktkapitalisierung von 553 Milliarden Dollar, heute ist es Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 465 Milliarden Dollar.
Interessanter ist nach unserer Ansicht indes der jeweilige Anteil der zehn Sektoren des S&P-500 an der Index-Zusammensetzung. Im März 2000 machte sich der Informationstechnologiesektor mit kolossalen 34,5 Prozent im Index breit (wenn das rückblickend kein Alarmsignal war!). Gegenwärtig stellt dieser Sektor 15 Prozent des Index'.
Seinerzeit hatten drei Sektoren einen mindestens elfprozentigen Anteil am S&P-500: Informationstechnologie, Finanzwerte und dauerhafte Konsumgüter. Auf dem heute breiteren Markt sind es deren sechs: Finanzwerte, Informationstechnologie, Gesundheitswesen, Industrie, Energie und dauerhafte Konsumgüter. Mit 21,4 Prozent sind Finanzwerte das heutige Schwergewicht des Index'. Sieben der zehn Sektoren machen mittlerweile zusammen einen größeren Teil des Index' aus als im März 2000.
Nach dem Vorstoß des S&P-500 auf ein Allzeithoch hat der Markt sämtliche potentiellen Widerstände aus dem Weg geräumt, was in unseren Augen als sehr positiv zu werten ist. Jeder, der in den Index investiert hat, kann sich über Gewinne freuen, weshalb es Anleger mit dem Verkaufen nicht eilig haben.
Da sich der Index mittlerweile über seinem früheren Hoch befindet, gestalten sich Prognosen des weiteren Kursverlaufs indes etwas schwieriger. Gegenwärtig ist für eine Kursschätzung weder Chart- noch Trendlinienwiderstand vorhanden. Für kurzfristige Prognosen greifen wir deshalb auf einige Daten der Terminmärkte zurück, die sich bei der Bestimmung potentieller Unterstützungs- und Widerstandsbereiche für die maßgeblichen Indizes bislang als recht verlässlich erwiesen haben. Da der nächste Optionsverfall im Juni erfolgt, konzentrieren wir uns auf die offenen Positionen jenes Monats. Hohe Niveaus offener Call-Positionen über dem aktuellen Kurs können eine kurzfristige Obergrenze für den Markt bilden, während große Mengen offener Put-Positionen unter dem aktuellen Kurs als starke kurzfristige Marktunterstützung dienen können
Beim Blick auf die Optionszahlen für den S&P-500 erkennen wir ein hohes Niveau offener Call-Positionen bei 1.540 und 1.560 Punkten. Bis zum Verfall der Optionen im Juni könnte dieser Bereich für den S&P-500 schwer zu knacken sein. Für den iShares Russell 2000 Index sind massive Call-Positionen im Bereich 85 oder knapp über dem aktuellen Kursniveau im Rennen.
Wir weiten unseren Betrachtungshorizont nun über den Optionsverfall im Juni aus und stützen uns hierfür auf einige Verfahren der Fibonacci-Analyse. Häufig bewegen sich maßgebliche Indizes von ihrer vorherigen Rückkehrbewegung oder Korrektur um einen gewissen Prozentsatz nach oben. So umfasste beispielsweise die Spanne der letzten Rückkehrbewegung Ende Februar/Anfang März von Tageshoch zu Tagestief 97,59 Punkte.
Holt der Markt Luft vor der nächsten Aufwärtsbewegung?
Sobald der Markt die Rückkehrbewegung nachbildet, können wir Prognosen auf Grundlage der Fibonacci-Retracements treffen. Das erste potentielle Ziel beruht auf einer Extension von 61,8 Prozent der Spanne der Rückkehrbewegung. Addiert man dieses Produkt zu dem früheren Kurshoch, erhält man als erstes Prognoseziel 1521,88 Punkte. Da der S&P-500 diesen ersten Prognosewert bereits überschritten hat, basiert das nächste Ziel auf einer Extension von 161,8 Prozent der Spanne der Rückkehrbewegung, woraus ein Wert von 1619.47 Punkten resultiert.
In den kommenden Wochen könnte der S&P-500 demnach an eine Obergrenze im Bereich zwischen 1.540 und 1.560 Punkten stoßen, während wir in einigen Monaten Potential für eine Aufwärtsbewegung jenseits der 1.600 Zähler sehen.
In Analystenkreisen wurde geraunt, dass die Rally ihrem Ende entgegengehe, da der Markt auf Tagesbasis überkauft sei und an Momentum verloren habe. Nach unserer Ansicht liegen die Analysten in einem Punkt richtig, in dem anderen jedoch falsch. Richtig ist, dass der S&P-500 im 14-Tage-RSI (Relative Stärke Index) überkauft ist, da er am 25. April auf über 74 kletterte. Seitdem traten einige kleinere Divergenzen auf, als der RSI niedrigere Höchststände ausbildete, nachdem der S&P-500 höhere Kurshochs markierte.
Bei mittelfristigen Kurssteigerungen deckt sich der Höchststand des täglichen Momentums allerdings recht selten mit dem Kurshoch. Zudem ging der Höchststand des Momentums in den vergangenen drei Jahren dem Kurshoch jeweils um vier bis sechs Monate voraus. Oftmals tritt eine Reihe negativer Divergenzen vor einem Marktumschwung auf. Dasselbe lässt sich im MACD-Chart auf Tagesbasis beobachten. Bei den wöchentlichen Momentum-Indikatoren ist häufig wenigstens eine negative Divergenz zu beobachten, bevor der Markt eine Rückkehrbewegung vollzieht.
Ein potentielles Hindernis für die gegenwärtige Rally ist der Markt für amerikanische Staatsanleihen. Die Zehnjahresrendite hat soeben ein ziemlich breites Seitwärtsmuster vollendet, auf dessen Grundlage eine Bewegung in die Zone um 5,4 Prozent möglich wäre. Zuvor muss bei 5,25 Prozent der starke Widerstand des Jahreshochs 2006 überwunden werden. Die aktuelle Einstellung der Terminhändler bestätigt unseren bärischen Ausblick. Kommerzielle Hedger sind am Markt mit Netto-Short-Positionen engagiert, während Großspekulanten Netto-Long-Positionen halten. Es bleibt spannend!
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |