18.04.2007 · S&P sieht den Markt trotz der leichten Korrekturbewegung in der vergangenen Woche in guter Verfassung und geht von neuen Höchstständen aus. Der Dow Jones markierte schon am Dienstag im Tagesverlauf ein neues Allzeithoch.
Von Mark Arbeter, S&PDie in der vergangenen Woche beobachteten Bewegungen auf dem Aktienmarkt ähnelten denen von Kindern in einem Spielwarenladen, die sich nicht so recht entscheiden können, ob sie nun lieber hierhin oder dorthin gehen möchten. Ingesamt gesehen sind wir jedoch der Auffassung, dass sich der Markt in guter Verfassung befindet und neue Höchststände bevorstehen.
In unseren Augen gibt es viele Faktoren, die sowohl die kurz- als auch die langfristigen Bewegungen des Aktienmarktes beeinflussen können. Manchmal wird der Markt stärker von fundamentalen Faktoren beeinflusst, ein anderes Mal üben technische Faktoren größeren Einfluss aus. Nach unserer Ansicht wiegen letztere zweifellos schwerer, sobald sich Aktienmärkte in Extremsituationen wie Top oder Boden befinden. Bei einem Top herrschen gute fundamentale Neuigkeiten, die der Markt jedoch ignoriert und eine Abwärtsbewegung einleitet. Bei einem Marktboden sind die fundamentalen Neuigkeiten zwar schlecht, die Kurse beenden jedoch ihren Rückgang und drehen nach oben.
Muster des schrittweisen Anstiegs
An diesen Punkten ist die Anwendung von Fundamentaldaten äußerst schwierig. Mit entsprechendem Wissen und Weitblick kann man vermuten, dass der Markt die guten Nachrichten bereits eingepreist hat und nun den Weg talwärts einschlagen wird, oder man kann vorhersagen, dass der Markt die schlechten Nachrichten bereits eingepreist hat und zur Rally ansetzen wird.
Sehr kurzfristig gehen wir davon aus, dass der Markt in der vergangenen Woche aus technischer Sicht reif für einen Rückgang war, wobei die Art der Neuigkeiten keine Rolle spielte. Der Markt befindet sich in einem Muster des schrittweisen Anstiegs, während die Aktien vergangene Woche eine Stufe nach unten gingen. Man könnte in diese Bewegung der vergangenen Woche zwar noch mehr hineininterpretieren, wir gehen jedoch davon aus, dass dem Markt eine Rückkehrbewegung auf das jüngste Hoch bevorstand, was letztlich auch eintrat. Daneben ist der Aktienmarkt auf sehr kurze Sicht stark überkauft, worin nach unserer Ansicht ein weiterer Grund für den leichten Abstieg von den jüngsten Hochs liegt.
Am 11. und 12. April fiel der S&P-500 auf zwei kurzfristige Unterstützungen zurück und setzte daraufhin zum Anstieg an. Die für uns wichtigere der beiden Unterstützungen leitet sich aus den Hochs des letzten Märzdrittels ab. Das Schlusshoch am 26. März betrug 1437,50 Punkte, während das Tageshoch am 23. März bei 1438,89 Zählern lag. Am 11. April schloss der Index bei 1438,87, genau 0,02 Punkte unter dem Tageshoch vom 23. März. Die zweite Unterstützung ist eine von den jüngsten Tiefs abgeleitete Trendlinie. Am 12. April unterschritt der S&P-500 diese Trendlinie um wenige Punkte, zog im Tagesverlauf jedoch wieder an und schloss oberhalb der Trendlinie.
Neben der Rückkehr auf die Unterstützungen - ein in unseren Augen bullisches Kursmuster - und dem Abbau einer kurzfristig überkauften Situation war diese Pause der Rally auch in anderer Hinsicht positiv. Sie ermöglichte es den kurz- bis mittelfristigen gleitenden Durchschnitten, ihren Abstand zu den Kursen zu verringern. Auf Tagesbasis am 12. April betrug die Differenz zwischen dem S&P-500 und seinem exponentiell gleitenden 20-Tage-Durchschnitt nur drei Punkte. In der Nähe befindet sich eine Ansammlung wichtiger gleitender Durchschnitte, die wir als solides Fundament der gegenwärtigen Rally betrachten. Die exponentiell gleitenden 30-, 50- und 65-Tage-Durchschnitte sowie der einfache 80-Tage-Durchschnitt liegen allesamt im Bereich zwischen 1421 und 1426 Punkten, sodass jeder Durchbruch der jüngsten Tiefs nach unserer Einschätzung von diesen Durchschnittswerten gestützt werden sollte.
Nur geringer Chartwiderstand nach oben
Nach oben ist nur sehr geringer Chartwiderstand anzutreffen. Die einzige Hürde stellt sich dem S&P-500 in Gestalt der Februarhochs bei 1460 Punkten in den Weg. Die Bedeutung dieses Widerstands liegt allein in der Tatsache, dass es sich hierbei um die früheren Hochs handelt. Über dem gegenwärtigen Kursniveau befindet sich praktisch keine Anhäufung. Allerdings tritt der Markt oft den Rückzug an, nachdem er zum ersten Mal auf ein früheres Hoch vorgestoßen ist. Tritt tatsächlich eine Rückkehrbewegung von den Februarhochs ein, dann wird diese Abwärtsbewegung nach unserer Ansicht nur leicht ausfallen und wahrscheinlich bei dem jüngsten Hoch in der Zone um 1448 Punkte Unterstützung erhalten.
Über den Februarhochs befinden sich einige Widerstände auf unserem erhofften Weg in Richtung der Allzeithochs vom 24. März 2000 bei 1527,46 Zählern. Wir denken, dass diese Widerstände eine Pause der Rally herbeiführen könnten, sie stellen jedoch keine Obergrenze für den Markt dar. Zunächst tritt ein von den Hochs seit Oktober 2006 abgeleiteter Trendlinienwiderstand auf, der gegen Ende April bei 1493 Punkten ins Spiel kommt. Der zweite mögliche Widerstand basiert auf der Spanne der letzten Rückkehrbewegung und gründet auf der Fibonacci-Analyse. Dieses erste Fibonacci-Ziel liegt mit 1521,88 Zählern nur knapp unterhalb des Allzeithochs.
Internationale Aktienmärkte, insbesondere jene der Schwellenländer, fahren nach dem raschen Rückgang Anfang März unter Volldampf. Viele internationale ETFs, die diese Märkte nachbilden, erreichten am 5. März die Talsohle und machten seither nicht nur ihre Anfang März erlittenen Verluste wett, sondern stießen sogar auf neue Höchststände vor. Auf Basis der Kursänderung innerhalb von 27 Handelstagen - vom Schlusskurs am 5. März bis zum Schlusskurs am 12. April - haben diese ETFs die Gewinne der Blue-Chip-Indizes in den Vereinigten Staaten bei weitem übertroffen. So ist beispielsweise der Fonds iShares MSCI Malaysia Index seit dem Tief Anfang März um 28 Prozent nach oben geschossen. Ein weiterer bemerkenswerter Wachstumskandidat ist der iShares Brazil, der um 21 Prozent zulegte. Drei andere ETFs stiegen um jeweils 20 Prozent, darunter der FTSE/Xinhua China 25, der iShares South Africa und der iShares Australia. Der iShares Latin America nahm um 19 Prozent zu, während der iShares Singapore um 18 Prozent nach oben kletterte.
Dem Fonds FTSE/Xinhua China 25 begegneten wir pessimistisch, und wir waren sehr nahe daran, das Top des am 3. Januar beendeten parabolischen Anstiegs zu erreichen. Der Fonds ist jedoch mit Pauken und Trompeten zurückgekehrt, sehr viel stärker als von uns erwartet, ohne die Ausbildung eines nach unserer Einschätzung normalen Bodens zu vervollständigen.
Der iShares FTSE/Xinhua China 25 Index (FXI) nähert sich nun dem Top eines zu Beginn des Jahres entstandenen Konsolidierungsmusters im Bereich um 110 Punkte, und könnte in nächster Zeit einige Gewinnmitnahmen verzeichnen. Der FXI hat eine Reihe höherer Hochs und höherer Tiefs ausgebildet, nachdem er Anfang März eine Inselumkehr vollzog. Da sich der Index wieder über den wichtigsten gleitenden Durchschnitten befindet und ein Retracement von mehr als 61,8 Prozent der jüngsten Korrektur erzielt hat, sieht es so aus, als sei das Schlimmste überstanden.
Die zu Jahresanfang gebildete Obergrenze des Seitwärtsmusters befindet sich bei 110 Zählern, in der Nähe des aktuellen Kursniveaus. Wir nehmen an, dass diese nur einen geringen Widerstand darstellen dürfte, da das Volumen in diesem Bereich nicht allzu hoch war. Für den FXI wird entscheidend sein, ob ihm die Rückkehr auf seine Allzeithochs vom 3. Januar gelingt. Dieser Tag war von hohem Handelsvolumen gekennzeichnet und stellt daher einen bedeutenden Widerstand nach oben dar. Diese Kaufzone liegt im Bereich zwischen 115,50 und 118 Punkten.
Umkehrformation bei amerikanischen Anleihen
Wir sind enttäuscht über das seit dem Tief Anfang März verzeichnete Handelsvolumen, das in gewisser Weise Anlass zur Sorge gibt. Im Laufe der Rally stieg das Volumen an, nachdem der ETF nachgab, was darauf hindeutet, dass einige Baisse-Spekulanten auf der Lauer liegen. Wir sind außerdem nicht gerade erfreut über die Chartformation des jüngsten Bodens. Mit Blick auf das Ausmaß des Rückgangs seit dem Hoch vom 3. Januar erwarteten wir - zu unserem Bedauern leider vergeblich - den einen oder anderen Test der Märztiefs.
Sehr positiv für den FXI sind indes die äußerst hohen Put/Call-Ratios, die sich während der Märztiefs einstellten. Dies lässt auf eine Menge Furcht gegenüber dem Markt schließen und ist aus entgegengesetzter Sichtweise häufig ein positives Zeichen.
Die Rendite der amerikanischen zehnjährigen Staatsanleihen legte vergangene Woche erneut auf nun 4,76 Prozent zu, was dem höchsten Stand seit dem 13. Februar entspricht. Anleiherenditen scheinen eine große Umkehrformation auszubilden, die sich bärisch auf die Renditen auswirken könnte. Die Renditen müssten das jüngste Hoch bei 4,89 Prozent nach oben durchbrechen, um das Umkehrmuster zu vollenden.
Anleiherenditen befinden sich seit Juni 2003 im Aufwärtstrend und verzeichneten dabei über weite Strecken eine Reihe höherer Renditehochs und höherer Renditetiefs. Sollten Anleiherenditen tatsächlich über die Marke von 4,89 Prozent ausbrechen, dann wird es zu einem Test der Renditehochs des Jahres 2006 im Bereich zwischen 5,0 und 5,25 Prozent kommen. Während sich steigende Renditen häufig negativ auf Aktien auswirken, gehen wir davon aus, dass sich Aktien im Falle einer geringen Aufwärtsbewegung unbeeindruckt zeigen dürften. Wenn die Renditen allerdings stärker ansteigen, wovon wir nicht ausgehen, könnten Aktien zumindest kurzfristig Einbußen erleiden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |