16.09.2004 · Positiv überraschen könnte die Aktie der Commerzbank, denkt Charttechniker Wieland Staud. Sie habe den langfristigen Abwärtstrend überwunden. Auch für den Dax ist er optimistisch: Es nehme Kurs auf 4.400 bis 4.500 Punkte.
Von Wieland StaudErinnern Sie sich noch an den 14. Juli 1997? Nein? Das war der Montag vor etwas mehr als sieben Jahren, an dem die damalige Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank und die Bayerische Vereinsbank völlig überraschend ihre Fusion bekanntgaben.
Im Vorfeld war viel darüber spekuliert worden, wer denn nun der erste sein werde, der freiwillig oder gepreßt seine Unabhängigkeit verlieren würde. Auch die beiden bayerischen Banken spielten bei diesen Überlegungen eine große Rolle. Aber daß sie's miteinander tun würden, das überstieg damals die Phantasie der meisten Börsianer. Das hat sich geändert. Die Gerüchte, wer wann was mit wem tun könnte, erreichen seit damals zumindest phasenweise Yellow-Press-Niveau. Immer mit dabei: die Commerzbank. Zu offensichtlich scheint es für die meisten Börsianer zu sein, daß sie für die anstehenden Herausforderungen allein nicht gerüstet sein wird.
Kurs momentan für positive Überraschungen anfällig
Um es vorwegzunehmen: Ob es jemals so weit kommen wird oder ob es gar jetzt schon so weit ist, das wissen wohl weiterhin nur wenige Eingeweihte. Allerdings kann man mit den Methoden der Technischen Analyse heute aus dem Chart der Commerzbank ablesen, daß deren Kurs momentan für positive Überraschungen anfällig ist. Das zentrale Argument: In der zweiten Septemberwoche wurde der langfristige Abwärtstrend gebrochen, der Trend, der die Aktie seit dem Beginn der Baisse im März 2000 begleitet hatte. Ein phänomenal gutes Signal, das in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden kann. Der Übergang von einem langfristigen Abwärtstrend in einen Aufwärtstrend war, ist und wird immer das ultimative Signal an die Bären bleiben, daß ihre Zeit vorbei ist. Ab sofort liegt deshalb das mittel- bis langfristige Minimalziel für die Commerzbank-Aktie im Bereich der ausgeprägten Widerstandszone um 17,50 Euro und das maximale bei 21,50 Euro.
Wie die Commerzbank, so der Deutsche Aktienindex Dax. Auch er hat in den zurückliegenden Wochen eine absolut perfekte Vorstellung geboten. Selbst ein akribisch arbeitender analytischer Spürtrupp stünde bei dem Versuch, das Haar in der Suppe zu finden, auf verlorenem Posten. Bestes Beispiel dafür und gleichzeitig ein weiteres Zeugnis seiner neu gewonnenen Stärke: die vorvergangene Woche. Am 6. September standen alle kurzfristigen Ampeln auf Rot. Die meisten Indikatoren zeigten sich "leicht erschöpft", die Elliott-Wellen legten den Abschluß einer aufwärtsgerichteten Impulswelle und damit eine anstehende mehrwöchige Konsolidierung nahe, und auch die Signale der Candlesticks deuteten auf eine Unterbrechung des Aufwärtstrends hin. Aber nichts dergleichen geschah. Nach nur wenigen Tagen der Unentschlossenheit nahmen die Haussiers das Heft wieder in die Hand, führten den Dax bislang in der Spitze auf 3.970 Punkte und ließen damit vermutlich eine große Schar frustrierter Baissiers zurück.
Fondsmanager unterinvestiert
Warum das so ist, erklärt sich mit einem Blick auf die aktuelle Stimmungslage der Marktteilnehmer. Denn die ist angesichts der äußerst zufriedenstellenden Kursentwicklung geradezu unglaublich schlecht. Schenkt man den Put/Call-Ratios der Aktienoptionen Glauben, dem Verhältnis zwischen gehandelten Verkaufs- und Kaufoptionen, dann ist das Sentiment gegenwärtig schlechter als selbst am 12. März 2003. Im Vergleich zu den Optimisten wollen heute noch mehr Marktteilnehmer als damals mit fallenden Kursen Geld verdienen. Dabei markierte dieser Frühlingstag damals doch den unteren Wendepunkt einer dreijährigen Baisse. Eine seltene, dafür aber analytisch hochwertige Konstellation.
Es ist wahrscheinlich, daß sich viele Investoren schon im Vorfeld des nahenden Septembers - des mit deutlichem Abstand schlechtesten Börsenmonats - von Beständen getrennt haben, die sie auf tieferem Niveau wieder zurückkaufen wollten. Weil sich die Dinge aber mit einem Septemberplus von bislang rund 5 Prozent ganz anders entwickelt haben, sitzt manch einer von ihnen mächtig in der Patsche. Mehr können sich Optimisten kaum wünschen: Eine Vielzahl unterinvestierter Fondsmanager ist bei steigenden Kursen der bestmögliche Garant für verkümmernde Konsolidierungen. Denn sie werden jede noch so kleine Chance nutzen, um zu erträglichen Kursen wieder an ihre Stücke zu kommen.
Es bleibt also dabei: Das Ziel für den Dax lautet auf 4.400 bis 4.500 Punkte. Die nächste wesentliche Hürde auf dem Weg zum Ziel bildet der markante horizontale Widerstandsbereich bei rund 4.000 Punkten. Rechnet man die Magie der runden Zahl hinzu, dann dürfte der erste Schlußkurs über 4000 den Weg zum Ziel ausschließlich zu einer Frage der Zeit machen.
Für den unerwarteten Notfall auch heute wieder der altbekannte Hinweis: Diese Prognose gilt nur, solange der Dax nicht unter das analytische Stop-loss von 3.726 Punkten zurückfällt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |