08.05.2010 · Nach dem Computer-Chaos an der Wall Street stellt sich die Frage, wer hier eigentlich wen bestimmt: Der Mensch die Maschine - oder umgekehrt? Denn die Hälfte des Handels geschieht ohne das Zutun der Broker.
Von Stephan FinsterbuschMenschliches Versagen oder Computermängel, Tippfehler oder Spekulationsmanöver, Euro-Panik oder Algorithmenterror - die jüngsten Kursturbulenzen an der New Yorker Börse (Nyse) werfen ein Schlaglicht auf das Verhältnis von Mensch und Maschine und wer wen oder was bestimmt. Zwar leistet sich die Nyse nach wie vor einen teuren Parketthandel von Brokern. Doch mittlerweile werden nach Angaben des Beratungshaus Tabb zwei Drittel aller Aufträge für den Wertpapierhandel von Computern eingeleitet und automatisch mit anderen Computern ausgeführt. Gehandelt wird oft nach technischen Analysen, spekuliert durch mathematische Formeln.
Um sich auf das digitale Zeitalter einzurichten, hatte sich die Nyse seit der 9 Milliarden Dollar schweren Fusion mit der elektronischen Börse Archipelago vor fünf Jahren eines der besten und komplexesten IT-Systeme der Welt mit Tausenden von Netzwerkrechnern (Servern) und riesigen Datenzentren zugelegt und es kontinuierlich ausgebaut. Die Broker auf dem Parkett an der Wall Street hatten noch gegen die Fusion protestiert. Fürchteten sie doch, wie die Kollegen in Tokio, ihre Arbeit am Computer zu verlieren. In Tokio stehen heute Computer auf dem Börsenparkett, in New York Händler.
Kleine Brokerhäuser docken sich mit eigenen Supercomputern an
Dabei greifen die Broker über eigene kleine Rechnersysteme auf die großen hochkomplexen Datenzentren der Nyse zu, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Duncan Niederauer, Vorstandsvorsitzender der Nyse-Euronext-Gruppe bezeichnet sein Haus als eine der technisch bestausgerüsteten Organisationen der Welt. Und die hat es in sich: Denn die Nyse hat in ihren Hallen mehr Breitbandkabel verlegt, als für den gesamten Telefonbetrieb in Lateinamerika notwendig wäre; sie betreibt bessere Supercomputer von IBM, HP und Cray vals die amerikanische Weltraumbehörde Nasa; und sie bringt die Hochleistungschips der Marken Xeon von Intel und Opteron von AMD zum Einsatz.
Um diese Maschinen zu bedienen, hat sich die New Yorker Börse auf Basis des multifunktionalen Betriebssystems Linux eigene Programme schreiben lassen. Mit denen kann der gesamte Handel gesteuert werden. So wurde im Juni eine neue Handels- und Informationsplattform eingeführt, die den Handel schneller, leichter und transparenter machen sollte. Heute aber beklagen viele Händler die wachsende Intransparenz. So kursierten auf dem Parkett noch während des Kursrutsches in der Nacht zum Freitag Vermutungen, dass Hochgeschwindigkeitshändler den Kurssturz auslösten. Wie die Nyse hatte eine handvoll kleiner Brokerhäuser in den vergangenen Jahren technisch kräftig zugelegt. Sie betreiben ihre eigene Supercomputer, haben eigene Softwareprogramme schreiben und sich damit an den Handel an der Nyse andocken lassen.
Hochfrequenzhändler schlagen zu, bevor andereTrends auch nur erahnen
Joseph Mecane von der Nyse erklärte vergangenen Sommer, die Branche durchlebe ein technisches Wettrüsten. Als dessen Folge können einige wenige Broker dank ausgeklügelter Algorithmen binnen eines Wimpernschlags Millionen von Kauf- und Verkaufsorders automatisch erfassen, kleinste Preisdifferenzen analysieren und eigene Positionen mit satten Gewinnen neu justieren, bevor einfache Händler und Investor auch nur eine Ahnung von neuen Trends im Markt haben. Hochfrequenzhändler wie Tradeboot erklärten aber, sie hätten ihre Systeme in der Nacht zum Freitag quasi von Hand gestoppt, als der Kurs des Dow mehr als 500 Punkte gefallen war, da sie alle Kursschwankungsschranken fallen sahen.
Offizielle Zahlen über den Einfluss dieser Händler auf das generelle Börsengeschehen gibt es nicht. Doch an der Wall Street heißt es, dass mehr als die Hälfte des Wertpapierhandels von wenigen dieser Broker gemacht wird. Paul Krugman, Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger, schrieb, der Hochfrequenzhandel gehe über wirtschaftlich gesunde Effekte von Börsenspekulationen hinaus, denn er beschneide die Funktion der Aktienmärkte als Allokationsplatz des Kapitals und lasse am Primat des Menschen im Verhältnis zur Maschine zweifeln.
Der Algorithmus der Börse
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In Fabrikhallen werden Menschen durch Roboter ersetzt und die arbeiten
Erik Staack (E_Staack)
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Opfer sind die Inhaber von Knock-Out Zertifikaten
Inzisor Molar (Rosemann)
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Theoretisch absehbar
Juergen Inhof (jinhof)
- 08.05.2010, 04:15 Uhr
1987
Anton Paschke (Anton_Paschke)
- 08.05.2010, 08:26 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |