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Montag, 13. Februar 2012
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Chaos an der Wall Street „Es war wie ein Torpedo“

07.05.2010 ·  Minutenlang war der Dow Jones im freien Fall, einige Titel waren für kurze Zeit praktisch wertlos. Auslöser war wohl die falsche Zahleneingabe eines Händlers. An der Frankfurter Börse sind solche Turbulenzen unwahrscheinlich.

Von Norbert Kuls und Daniel Mohr
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Den Donnerstag werden die Aktienhändler an der Wall Street so schnell nicht vergessen. Innerhalb von Minuten fiel der Dow Jones um fast 1000 Punkte und verlor damit mehr als 9 Prozent. Es war der höchste Punktverlust während des Handels an einem Tag. Normalerweise wenig schwankungsanfällige Aktien wie die von Procter & Gamble sackten innerhalb von Minuten um 37 Prozent ab. Die Aktien von General Electric fielen um 17 Prozent. Einige Titel wurden binnen Minuten praktisch wertlos, ehe sie sich wieder erholten. Sowohl auf dem Parkett der New Yorker Börse Nyse als auch vor den Kurstafeln an anderen Orten der Stadt gab es ungläubige, geschockte Gesichter. „Es passierte so schnell, es war wie ein Torpedo. Es war Chaos“, sagt Scott Redler, Manager beim Hedge-Fonds T3 Capital Management.

Die Kurse amerikanischer Aktien hatten am Donnerstag wegen der griechischen Schuldenkrise schon vor dem Absturz unter Druck gestanden. Nach dem Schock am Nachmittag erholten sich die Kurse zum Ende des Handels wieder etwas. Der Dow Jones, in dem sowohl Procter & Gamble als auch General Electric abgebildet sind, schloss aber dennoch mit deutlichen Verlusten von 3,2 Prozent.

Für manchen keine Überraschung

Der genaue Grund für die ungewöhnlich hohen Schwankungen am Donnerstag ist noch nicht bekannt. Es besteht allerdings der Verdacht, dass ein Händler der Bank Citigroup bei einem Auftrag für ein Termingeschäft statt 16 Millionen Dollar 16 Milliarden Dollar eingetippt hatte. Das reichte möglicherweise aus, um computergestützte Verkaufsprogramme auszulösen. „Ich glaube, die Maschinen haben einfach die Kontrolle übernommen“, kommentierte Charlie Smith des Wertpapierhauses Fort Pitt Capital. „Wir haben immer gewusst, dass einem der automatische Handel entgleiten kann, und ich glaube, das ist heute geschehen“, sagte er.

Die Citigroup teilte mit, keine Belege für fehlerhafte Transaktionen gefunden zu haben. Auch von anderen Handelsteilnehmern wurde bezweifelt, dass ein Wertpapierauftrag ohne Limit einer derartigen Größe in den Handel kommen könne. Dem seien zahlreiche Sicherheitsabfragen vorgeschaltet, die solche Eingabefehler, die täglich vorkommen, erkennen.

Nach Angaben von Larry Leibowitz vom Börsenbetreiber Nyse Euronext wurde der Kurssturz verstärkt, weil es für die computergestützten Verkaufsaufträge zeitweise keine Käufer gab. „Es gab ein paar Standardwerte, die in Sekundenschnelle um hohe Prozentwerte fielen, weil es in den elektronischen Märkten keine Liquidität gab.“ Der elektronische Handel der Aktien von Procter & Gamble wurde wegen des Kursverfalls zeitweise ausgesetzt.

Noch keine klare Erklärung

Von der Wertpapieraufsicht und den Börsenbetreibern kamen keine klaren Erklärungen für die Kursausschläge. Die Börsenaufsicht SEC und die Terminhandelsaufsicht CFTC teilten mit, sie prüften gemeinsam mit anderen Regulatoren und den Aktienbörsen die „ungewöhnliche Handelsaktivität“. Die Nyse teilte mit, es habe keine Probleme mit den Handelssystemen der Börse gegeben. Die vollelektronische Börse Nasdaq OMX gab zwei Stunden nach Handelsschluss bekannt, „klar fehlerhafte“ Transaktionen zu annullieren, die zwischen 14.40 Uhr, als der Kursrutsch begann, und 15.00 Uhr (Ortszeit) ausgeführt wurden. Dazu zählen nach Angaben der Nasdaq Transaktionen bei Aktien und börsengehandelten Aktienfonds, deren Kurse in den zwanzig fraglichen Minuten um mehr als 60 Prozent gefallen waren. Insgesamt sind davon mehrere hundert Papiere betroffen. Die Nyse will ebenfalls einige elektronisch ausgeführte Aufträge stornieren. Begründungen für diese Rückabwicklung lieferten die Börsen nicht.

Der Abgeordnete Paul Kanjorski, der Vorsitzende des für die SEC zuständigen Unterausschusses im Repräsentantenhaus, hat für den Dienstag eine Anhörung zu den Vorgängen in Washington angekündigt. „Innerhalb von Minuten mussten wir auf einen Markt reagieren, der genauso volatil schien wie im Herbst 2008“, schrieb Kanjorski in einem Brief an die Vorsitzende der SEC, Mary Schapiro. „Wir können es nicht erlauben, dass technische Fehler die Märkte erschrecken und Panik auslösen.“ Im Herbst 2008 hatten die Aktienkurse unter dem Eindruck des Zusammenbruchs der Investmentbank Lehman Brothers bereits stark geschwankt

Auch in Frankfurt wird automatisch gehandelt

Dass es auch in Frankfurt zu einem vergleichbaren Kurssturz binnen weniger Minuten kommen könnte, wird für unwahrscheinlich gehalten. Zwar werden auch in Frankfurt fast die Hälfte der Handelsgeschäfte von Algo-Tradern generiert. Das sind Handelshäuser, die Computer so programmiert haben, dass sie bei bestimmten Handelssignalen Aktien automatisch kaufen und oft binnen weniger Sekunden wieder verkaufen. Die Deutsche Börse hat jedoch bei jedem einzelnen Wert die Möglichkeit einer Volatilitätsunterbrechung.

Nach außergewöhnlichen Kursausschlägen wird der Handel zunächst für zwei Minuten unterbrochen. Setzt sich nach Wiederaufnahme des Handels die außergewöhnliche Kursbewegung fort, wird der Handel nochmals unterbrochen und die Marktteilnehmer angerufen, ob sie wirklich ihre Aufträge im Orderbuch unverändert stehen lassen und die Aktien zu den gezeigten Kursen handeln wollen. So will die Börse dafür sorgen, dass ein Mensch in Ruhe einen kritischen Blick auf das Handelsgeschehen werfen kann. Ab welchen Kursausschlägen solche Volatilitätsunterbrechungen stattfinden, macht die Deutsche Börse nicht publik, da Marktteilnehmer dies für ihre Handelsstrategien berücksichtigen könnten. Es gibt jedoch an den meisten Handelstagen in einzelnen Werten solche Handelsunterbrechungen.

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