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Bulgarien Die Bären kennen kein Pardon

19.09.2008 ·  Wie praktisch alle Weltbörsen verbucht auch der bulgarische Aktienmarkt am Freitag Kursgewinne. Seit Jahresbeginn hat der Sofix-Index aber 60 Prozent verloren. Der Blick auf den Chart gefällt deshalb nur den Bären.

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Wie weltweit reagieren am Freitag auch die Börsen in Osteuropa sehr positiv auf den von der amerikanischen Regierung vorgelegten Rettungsplan für die faulen Kredite im amerikanischen Bankensystem. Den Vogel schießt dabei die russische Börse ab. Der in den Tagen zuvor stark unter Druck geratene Leitindex RTS haussierte um 20 Prozent, bevor der Handel erneut ausgesetzt wurde.

Aufwärts geht es zum Wochenausklang auch an den meisten südosteuropäischen Aktienmärkten. Das gilt auch für die bulgarische Börse, die vor kurzem das Xetra-Handelssystem eingeführt hat. So steigt der Leitindex Sofix um 1,72 Prozent auf 853,75 Punkte und der BG-40-Index um 2,17 Prozent auf 206,86 Punkte. Letztlich ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn zum Jahreswechsel notierten die beiden Indizes noch bei 1.767,88 und 518,06 Punkten. Folglich hat der Sofix schon alleine in diesem Jahr fast 52 Prozent und der BG 40 sogar 60 Prozent verloren.

Das sind Einbußen, die man nicht vermuten würde, wenn man lediglich auf das Wirtschaftswachstum blickt. Dieses betrug im zweiten Quartal immerhin beachtliche 7,1 Prozent. Positiv ist zudem, dass der Staatshaushalt einen Überschuss aufweisen kann. Doch das Land hat auch mit einigen volkswirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang vor allem eine Inflationsrate von rund 15 Prozent lag. Und natürlich ein Leistungsbilanzdefizit, das von der Ratingagentur Fitch auf 22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beziffert wird. Das ist ein unhaltbar hoher Wert, der die Gefahr einer harten Landung der Konjunktur birgt. Hinzu kommen die ungelösten Schwierigkeiten, die das Land mit der organisierten Kriminalität und der Korruption hat. Diese haben sogar zuletzt schon dazu geführt, dass die EU-Kommission Fördergelder für Bulgarien eingefroren hat.

Korrektur früherer Kursübertreibungen

Entscheidend für die schlechte Verfassung des Marktes ist die Tatsache, dass die Kurse zuvor einfach zu stark gestiegen waren. Durch die Rally waren die Bewertungen viel zu weit nach oben katapultiert worden. Früher oder später musste es deswegen zu einer Korrektur kommen. Und als die Anleger weltweit wegen der Kreditkrise risikoaverser wurden, war der Zeitpunkt gekommen.

Inzwischen sind die Bewertungsniveaus zwar deutlich gesunken. Die im Sofix vertretenen Unternehmen kommen nach Angaben der Börse auf Basis der jüngsten Quartalszahlen sogar nur noch auf ein relativ moderates durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,84. Doch beim BG 40 Index beträgt das KGV noch immer hohe 19,38. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis wird sogar auf fast zwei beziffert und für die Sofix-Vertreter auf noch höhere 2,55.

Bevor sich eine Trendwende einstellen kann, müssen die Bewertungen vermutlich erst noch auf einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse sinken. Denn ebenso wie auf dem Weg nach oben wird an der Börse auch auf dem Weg nach unten oft übertrieben.

Völlig intakte Abwärtstrends

Charttechnisch gesehen ist die Hoffnung auf eine Bodenbildung sowieso erst kürzlich fürs Erste zunichte gemacht worden. Der Sofix ist unter die überaus wichtige psychologische Unterstützungszone von 1.000 Punkten gerutscht. Beim aktuellen Stand von 854 Punkten spricht nun viel für noch weiter fallende Notierungen.

Die Verantwortlichen an der Börse nutzen die schwierige Zeit, um die Infrastruktur zu verbessern. Neben der Einführung des Xetra-Handels soll demnächst ein Derivatemarkt aufgebaut werden und auch von der Idee einer Energiebörse ist die Rede. Theoretisch ist inzwischen auch der Leerverkauf von Einzelaktien möglich.

Allerdings ist die Ausführung solcher Geschäfte nach Aussage von Brokern derzeit aufgrund fehlender technischer Rahmendaten noch nicht möglich. Es gibt also noch einiges zu tun. Man wirbt aber immerhin inzwischen deutlich offensiver als früher um neue Anleger. Beleg dafür ist nicht nur eine zu Wochenbeginn von der Börsen in Sofia abgehaltene Konferenz, sondern auch die geplante, erstmalige Teilnahme bulgarischer Unternehmen auf dem Eigenkapitalforum der Deutschen Börse im kommenden November.

Auf der hauseigenen Konferenz in Sofia verlieh Chairman Viktor Papazov zwar der Hoffnung Ausdruck, dass sich die Baisse am Aktienmarkt bald ihren Ende nähern könnte. Und in der Tat dürfte der Großteil der Korrektur hinter uns liegen. Noch weisen die Charts aber völlig intakte Abwärtstrends auf. Das gilt im Grunde genommen übrigens auch für die anderen Börsen in der Region Südosteuropa. Auch dort sind in diesem Jahr die meisten Aktienindizes um ein Drittel und mehr gefallen. Eine Bodenbildung ist noch nicht in Sicht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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