12.01.2009 · Die Stimmung an den Aktienmärkten ist sehr negativ gegenüber dem Einzelhandel. Doch in Großbritannien gibt es erste Lichtblicke. Der Aktienkurs von Debenhams ist in diesem Jahr schon kräftig gestiegen. Noch besser wird die Textilkette Next beurteilt.
Der Einzelhandel gilt in diesen turbulenten Börsenmonaten als die Krisenbranche schlechthin. Wenn die Wirtschaft in eine Rezession abdriftet, die Arbeitslosigkeit wieder steigt und den Verbrauchern ein geringeres Einkommen zur Verfügung steht, wird in erster Linie der Einzelhandel darunter leiden.
Diese Einschätzung war auch nicht so abwegig, wie die Kursentwicklung des deutschen Handelskonzerns Metro zeigt: Die Aktie verlor in den vergangenen zwölf Monaten fast die Hälfte an Wert. Aber auch die Titel des französischen Supermarktbetreibers Carrefour (Isin: FR0000120172) notierten 45 Prozent unter dem Wert, den sie noch von vor einem Jahr hatten.
Insolvenzen im konsumnahen Bereich
Wie schlecht es im Einzelhandel aussieht, zeigte auch die Insolvenz des irischen Porzellanherstellers Waterford Wedgwood zu Jahresbeginn. Zuvor hatte schon die Kaufhauskette Woolworth aufgegeben.
Umso erstaunlicher ist es, dass einige Aktien aus dem britischen Einzelhandel seit Jahresbeginn zu einer Gegenbewegung angesetzt haben. Zwar ist die Aktie im vergangenen Jahr ebenfalls unter die Räder gekommen und hat 42 Prozent an Wert verloren. Doch seit Jahresbeginn ist der Kurs um mehr als 50 Prozent auf zuletzt 35,40 britische Pence gestiegen.
Debenhams betreibt eine Warenhauskette, die vor allem in Großbritannien vertreten ist und das gesamte klassische Angebot eines Warenhauses anbietet: Bekleidung für Damen, Herren und Kinder, Kosmetik, Geschirr, Elektrogeräte und sogar Möbel.
Im gesamten Jahr 2008 blieb die Entwicklung der Aktie hinter der des britischen Aktienindex für den allgemeinen Einzelhandel zurück. Doch in den vergangenen Tagen setzte der Kurs an, diesen Rückstand aufzuholen.
Debenhams besser als erwartet
Auslöser waren die Zahlen, die Debenhams am 6. Januar vorgelegt hatte. Sie waren nicht berauschend, fielen jedoch besser als erwartet aus. Der Warenhauskonzern erlitt zwar auch Umsatzeinbußen in der verkaufsträchtigen Weihnachtssaison, hält aber trotzdem an seiner Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr fest. Die Analysten hatten mehrheitlich einen Rückgang des Umsatzes um 10 Prozent erwartet. Doch sie fielen in den vergangenen 18 Wochen nur um 3,5 Prozent.
Damit kam die Nummer zwei in Großbritannien Debenhams bisher viel besser durch diese Wirtschaftskrise als der britische Marktführer Marks & Spencer. Allerdings musste Debenhams im Weihnachtsgeschäft den Kunden hohe Sonderrabatte einräumen.
Die Analysten sind mehrheitlich negativ gestimmt für die Debenhams-Aktie: 14 von ihnen empfehlen laut Bloomberg, die Aktie zu halten, 5 raten sogar zum Verkauf, und nur 2 sprechen derzeit eine klare Kaufempfehlung aus. Vor allem die jüngsten Urteile, die nach den Zahlen Anfang Januar ausgesprochen wurde, waren von klarer Skepsis geprägt.
Anleger müssen Durststrecke durchhalten können
Auch die charttechnische Situation lädt nicht gerade zu Käufen ein: Der Titel befindet sich praktisch seit seiner Erstnotiz Mitte 2006 in einem Abwärtstrend, den die Aktie erst durchbrechen könnte, wenn sie sich fest über einer Marke von ungefähr 50 Pence etablieren könnte. Allerdings sieht es danach aus, als hätte der Kurs auf dem 52-Wochen-Tief von 20,50 Pence Boden gefunden, so dass sich die Aktie für Anleger eine Überlegung wert ist, die langfristig orientiert sind und es sich leisten könnte, eine längere Durststrecke durchzuhalten.
Eine ähnlich positive Entwicklung an der Londoner Börse hat seit Jahresbeginn die Aktie der britischen Bekleidungskette Next erlebt. Das Unternehmen hat sich klar auf Großbritannien fokussiert und zielt auf eine junge, modebewusste Klientel.
Mit einer Marktkapitalisierung von 2,4 Milliarden Pfund ist Next deutlich höher bewertet als Debenhams mit 324 Millionen Pfund, allerdings weniger hoch wie Marks & Spencer mit 3,9 Milliarden Pfund.
Die Geschäfte laufen bei Next
Trotz der Wirtschaftskrise scheinen die Geschäfte bei Next gut zu laufen. Das Unternehmen bekräftigte zu Jahresbeginn seine Gewinnprognose und berichtete über einen „starken Mittelzufluss“ (Cash-flow).
Zwar musste auch Next im verkaufsstarken Weihnachtsgeschäft einen Umsatzrückgang von 7 Prozent hinnehmen. Doch anders als Debenhams und Marks & Spencer konnte Next es sich leisten, auf hohe Sonderrabatte zu verzichten.
Um gut 10 Prozent auf zuletzt 1179 britische Pence hat der Kurs in diesem Jahr zugelegt. Das hört sich im Vergleich zu Debenhams nach nicht allzu an. Doch die Next-Aktie hat sich im gesamten vergangenen Jahr sehr stabil gehalten. Lediglich um 10 Prozent ist der Kurs in den vergangenen zwölf Monaten zurückgegangen.
Kaufempfehlungen von den Analysten
Vor allem hat sich die charttechnische Situation bei Next in den vergangenen Wochen aufgehellt, seitdem der Kurs sich im Herbst von seinem Jahrestief lösen und in einen gewissen Aufwärtstrend einschwenken konnte, der den Kurs bis über die Marke von 1200 Pence führte.
Dass die Analysten dem Titel skeptisch gegenüber stehen, sollte Anleger, die sich langfristig im europäischen Einzelhandel positionieren wollen, nicht unbedingt von einem Kauf abhalten - vorausgesetzt, sie bringen die notwendige Geduld mit. Die jüngsten Analystenkommentare fielen auch schon sehr positiv aus. Zuletzt sprach Goldman Sachs eine klare Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1466 Pence aus. Noch positiver ist Credit Suisse, die Next als „Outperformer“ einstuft und das Kursziel bei 1700 Pence setzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |