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BRIC-Staaten : Große Schwellenländer erfreuen jetzt auch die Aktionäre

Die Regierungschefs der BRICS-Staaten in Durban: Die Bedeutung der großen Schwellenländer in der Weltwirtschaft nimmt zu Bild: dpa

Brasilien, Russland, Indien, China - und jetzt auch Südafrika: Die Kurse sind günstig. Vor allem Chinas und Russlands Entwicklung scheint vielversprechend für Anleger.

          An große Gipfeltreffen hat sich die Welt gewöhnt. Die Krisengipfel der EU sind zur Routine geworden, und jedes Jahr sorgt auch der G-8-Gipfel der acht größten Industrieländer zumindest medial für Aufsehen. Doch ein Treffen ist immer noch etwas Exotisches: der Gipfel der fünf größten Schwellenländer, der BRICS-Staaten.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie trafen sich in der vergangenen Woche in Durban in Südafrika, dem „S“ im Länderkürzel BRICS, das ansonsten noch Brasilien, Russland, Indien und China umfasst. Eigentlich war das Kürzel vor allem eine gute Marketingidee der Investmentbank Goldman Sachs, deren damaliger Chefvolkswirt Jim O’Neill 2001 die vier größten und aussichtsreichsten Schwellenländer erstmals mit diesen Anfangsbuchstaben zusammenfasste. Südafrika kam erst später hinzu.

          Was anfangs kaum jemand wahrnahm, ist mittlerweile eine große Anlagegeschichte geworden. Die Länder haben seit 2001 kräftig an Bedeutung in der Weltwirtschaft gewonnen. Damit stiegen auch die Aktienkurse überdurchschnittlich und dürften dies langfristig auch weiter tun. Doch das Gipfeltreffen zeigt: Mittlerweile ist BRICS auch eine politische Gemeinschaft.

          Gemeinsame Entwicklungsbank und Währungstausch

          Die fünf Staatschefs wollen mit ihren regelmäßigen Treffen vor allem einen Gegenpol zu den Zusammenkünften der dominanten Industrieländer schaffen. Große Ergebnisse haben sie bisher nicht zustande gebracht. Doch in Durban kam mehr heraus als erwartet. Eine gemeinsame Entwicklungsbank soll die Schwellenländer finanziell fördern, im Gespräch ist ein Startkapital von 50 Milliarden Dollar.

          Die BRICS-Staaten wollen auch einen Teil ihrer Währungsreserven zu einer Summe von bis zu 100 Milliarden Dollar zusammenlegen, um damit im Krisenfall Kredite an notleidende Länder vergeben zu können. Das würde die Dominanz des Internationalen Währungsfonds in solchen Situationen brechen. Er ist vor allem in Asien unbeliebt, nachdem er in der AsienKrise 1999 als Gegenleistung für Finanzhilfen harte Reformen durchgedrückt hatte.

          Am weitreichendsten sind die Vereinbarungen, die die Notenbanken von China und Brasilien getroffen haben. Sie wollen in den kommenden drei Jahren über einen Währungstausch ihren Unternehmen Kredite in den Landeswährungen Yuan und Real in Höhe von umgerechnet 23 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Das sind etwa 40 Prozent des jährlichen Handels zwischen beiden Ländern.

          Bild: F.A.Z.

          Es bedeutet faktisch, dass der Dollar im internationalen Handel an Bedeutung verliert. Das ist Ziel vor allem der chinesischen Regierung, die ihre Währung durch bilaterale Abkommen mit ihren wichtigen Handelspartnern stärken will. Vereinbarungen gibt es auch mit Japan und Südkorea. Auch hier soll der Dollar im Handel anders als bisher keine Rolle mehr spielen. Auch Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate liefern Öl gegen Yuan und nicht mehr Dollar.

          Und was bringt das dem Anleger? Erst mal nichts. „Die Vereinbarungen von Durban sind vor allem symbolisch und haben keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Aktienmärkte“, sagt Marco Ravagli, Fondsmanager des DWS Invest BRIC Plus. Für ein erfolgreiches BRICS-Jahr 2013 sei das aber auch gar nicht nötig. Das Jahr werde auch so ein gutes. „Die Aktien sind so billig wie fast noch nie. Und die Aussichten für die Weltwirtschaft bessern sich, wovon vor allem die BRICS-Länder profitieren.“

          Denn die Schwellenländer hängen immer noch stark von der Entwicklung in den Industrienationen ab. Dorthin liefern sie entweder Rohstoffe oder Waren. Wenn dort die Nachfrage steigt, merken sie das sofort. Denn noch immer ist die Exportwirtschaft der größte Sektor in diesen Ländern, die eigene Binnenwirtschaft entwickelt sich erst noch.

          Wende in China und Russland

          In den vergangenen Jahren, in denen die Weltwirtschaft mit Finanz- und Schuldenkrisen zu kämpfen hatte, war daher auch die Entwicklung in den Schwellenländern durchwachsen. Besonders enttäuschend lief es in China und Brasilien. Deren Aktienmärkte entwickelten sich seit 2010 sogar schlechter als der deutsche Dax. Gut schlugen sich hingegen Südafrika und 2012 auch Indien.

          Nun soll die Wende kommen. Fondsmanager Ravagli hält China und Russland für am aussichtsreichsten. „Der Übergang zur neuen chinesischen Regierung ist vollendet, das dürfte Investitionen anstoßen, die bisher aus Unsicherheit zurückgehalten wurden. Zudem will die Regierung die Banken durch mehr Kapitalanforderungen krisensicherer machen“, sagt Ravagli. Russische Aktien wiederum seien derzeit besonders günstig, die Reaktion auf die Zypern-Krise, in die auch viele reiche Russen verstrickt sind, sei übertrieben gewesen. Zudem werde der geplante Schwenk hin zu mehr Ölexport zu Lasten der Gasförderung das Wachstum steigern.

          Skeptisch sind die Analysten hingegen bei Brasilien. Die Lohnkosten sind pro Einheit teilweise höher als in den Vereinigten Staaten, die Infrastruktur ist schlecht, Eingriffe der Regierung in den Markt zu Lasten der Firmen nehmen zu. Indien, das politisch instabil ist, könnte eine Wende zum Guten gelingen, weil das Haushaltsdefizit und die Inflation reduziert werden sollen und damit Raum für Zinssenkungen entsteht. Südafrika schließlich ist zwar als Staat noch ein Schwellenland, seine Unternehmen entsprechen aber schon eher westlichen Standards in Bezug auf ihre Bilanzen und Unternehmensführung.

          Insgesamt wird die BRICS- Story weitergehen. Das Wachstum wird noch über Jahrzehnte überdurchschnittlich sein. Und die neuen Stars unter den Schwellenländern wie Indonesien sind noch keine Konkurrenz. Denn deren Aktien sind derzeit viel teurer als die der BRICS-Länder. Und oft noch viel zu klein für massive ausländische Anlagegelder.

          Quelle: F.A.S.

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