28.05.2009 · Die brasilianische Börse verzeichnet starke Kursgewinne. Sie wird getrieben von den stark gewichteten Minen- und Energieunternehmen, die von der weit verbreiteten Wachstumsphantasie profitieren. Andere Werte sind teuer geworden.
Mit einem Plus von knapp 38 Prozent in lokaler Währung und von knapp 59 Prozent in Euro seit Jahresbeginn zählt die brasilianische Börse zu jenen Märkten weltweit, die sich am besten entwickeln.
Der Markt wird beflügelt von der allgemeinen Wachstumseuphorie, die davon ausgeht, lockere Geldpolitiken und starke fiskalische Impulse auf Pump würden die Weltwirtschaft wieder auf den Expansionspfad der vergangenen Jahre zurückbringen. Obwohl der Boom der vergangenen Jahre weitgehend Kredit finanziert war und obwohl viele Kreditnehmer ihre Verschuldung nicht nur nicht mehr weiter ausdehnen, sondern zurückfahren müssen, sind solche Hoffungen zumindest kurzfristig nicht zu bremsen.
Steigende Energie- und Rohstoffpreise beflügeln die Kurse
Sie führen dazu, dass auch viele Energie- und Rohstoffpreise wieder nach oben laufen. Davon profitieren die Aktien entsprechender Unternehmen und die Indizes, in welchen sie stark gewichtet sind. Neben dem russischen RTS gehört dazu der brasilianische Bovespa. Mit Indexgewichten von 17,3 und 11,8 Prozent sind die Werte des Energieunternehmens Petroleo Brasileiro S.A. (Petrobras) und des Minenunternehmens Vale mit Abstand die Schwergewichte im Index.
Alleine ihre Kursgewinne sorgen dafür, dass der brasilianische Aktienindex starken Auftrieb hat. Die Papiere von Vale haben seit Ende Oktober des vergangenen Jahres in lokaler Währung knapp 61 Prozent zugelegt, während die Aktien von Petrobas sich seit Ende November des Jahre 2008 verdoppelten auf zuletzt 34,17 Reais je Aktie. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 11,2 und 10,2 sowie von 14,2 und 9,5 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sind beide Werte noch vernünftig bewertet, sofern sich die globale Wirtschaft tatsächlich erholen sollte.
Für den Gesamtmarkt sieht das etwas anders aus. Dort gibt es inzwischen einzelne Werte wie die von All America Latina Logistica, von den Mobilfunkunternehmen Tim Participacoes und Vivo Participacoes, von den Einzelhandelsunternehmen B2W Companhia Global do Varejo und Lojas Americanas oder auch der Brasil Telecom und der Banco Nossa Caixa, die inzwischen gemessen an der Gewinnerwartung sehr teuer geworden sein. Das dürfte den Index jedoch nicht davon abhalten, im Rahmen der aufgekommenen Wachstums- und Rohstoffeuphorie weiter nach oben zu laufen. Allerdings nehmen die Rückschlagsrisiken im Falle konjunktureller Enttäuschung zu.
Immerhin ist das Wirtschaftswachstum in Brasilien in den vergangenen Monaten deutlich gefallen. Nach Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes von mehr als sechs Prozent in den ersten drei Quartalen lag sie in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres bei gerade noch 1,27 Prozent. Die Analysten von Morgan Stanley gehen davon aus, dass die brasilianische Wirtschaft im laufenden Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen wird. Auf der anderen Seite hat sich der Preisauftrieb nur leicht abgeschwächt. Ende April 2009 lag die Inflationsrate noch bei 5,53 Prozent.
Zentralbank senkt die Zinsen, Regierung sorgt für Kaufanreize
Das hat die Zentralbank jedoch nicht davon abgehalten, den Leitzins von 13,75 Prozent im September in drei Schritten auf zuletzt 10,25 Prozent Ende April zu senken, um das Wachstum anzukurbeln. Viele Marktteilnehmer gehen von weiteren Zinssenkungen aus. Die Regierung hat gleichzeitig die Steuern auf Autos, Baumaterialien und Haushaltsgeräte gesenkt, 90 Milliarden Dollar in den Währungs- und Geldmarkt gesteckt und versprochen, die geplanten öffentlichen Ausgaben trotz weg brechender Einnahmen zu tätigen.
Diese Kombination von Maßnahmen beflügelt die weit verbreitete Wachstumsphantasie und die der Börsianer, sorgt für eine robuste Kursentwicklung brasilianischer Staatsanleihen und führt vor allem auch zu einer Erholung der brasilianischen Währung von den Kursrückschlägen der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres.
Insgesamt wird die brasilianische Börse aufgrund der starken Gewichtung der Energie- und Rohstoffwerte nach oben laufen, so lange in diesen Bereichen der Preisauftrieb anhält. Trotz hoher Lagerbestände ist dort im Moment kein Trendbruch erkennbar, da zu viele an den bestehenden Trends festhalten oder gar noch aufspringen. Strategen wie David Rosenberg von Gluskin Sheff weisen allerdings auf den sehr ausgeprägten Optimismus hin, wie der in der jüngsten Stimmungsumfrage unter amerikanischen Konsumenten zum Ausdruck kam. Er wies in der Vergangenheit regelmäßig auf Kursrückschläge hin.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |