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Branchenstudie Gewinnwarnung bei Bridgestone mahnt zur Vorsicht

27.06.2006 ·  Im guten Börsenumfeld sind auch die Aktien von Reifenherstellern gut gelaufen - bis vor kurzem. Nun schlagen steigende Materialkosten durch und führen zumindest bei Bridgestone zu einer deutlichen Gewinnwarnung. Die Aktie fällt.

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Mit einem Kursverlust von satten 9,35 Prozent auf 14,05 Euro reagiert am Dienstag die Aktie des japanischen Reifenherstellers Bridgestone in Europa auf eine deutliche Gewinnwarnung.

Das Unternehmen senkte seine Gewinnprognose für das laufende Jahr überraschend um ein Drittel. Bereits im Mai hatte der französische Michelin-Konzern erklärt, er sehe seine Finanzziele für 2006 wegen gestiegener Rohstoffpreise gefährdet.

Senkung der Gewinnprognose um ein Drittel für das laufende Geschäftsjahr

Bridgestone geht nun davon aus, bis Jahresende netto 65 Milliarden Yen oder rund 445 Millionen Euro zu erwirtschaften statt der im Februar prognostizierten 100 Milliarden Yen. Die Verteuerung von Kautschuk und Öl habe sich schlimmer ausgewirkt als ursprünglich angenommen, erklärte der japanische Konzern. Beim operativen Gewinn seien nunmehr 165 Milliarden Yen zu erwarten. Bislang hatte das Unternehmen 197 Milliarden Yen angepeilt - nach 214 Milliarden Yen im vergangenen Jahr. Die Umsatzprognose hob der Konzern dagegen um 1,7 Prozent auf 2,95 Billionen Yen an.

Diese Entwicklung zeigt einerseits, daß die Preisentwicklung bei den Rohstoffen in den vergangenen Jahren doch nicht so irrelevant ist, wie sie teilweise dargestellt wurde. Gleichzeitig deutet sie darauf hin, daß die Gewinnerwartungen bei vielen Unternehmen deutlich überzogen sein dürften und damit auch die Bewertung der entsprechenden Aktien. Denn lag das Kurs-Gewinnverhältnis der Bridgestone-Aktie auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen - sie sind schon in den vergangenen Wochen nach unten genommen worden - bei knapp 17, so liegt es nach Gewinnwarnung bei 23. Und das, obwohl die Aktie inzwischen 25 Prozent unter ihrem jüngsten Hoch liegt.

Das heißt, nicht nur die Zinserwartungen dürften zur anhaltenden Korrektur an der Börse beitragen, sondern zunehmend auch die Einsicht, daß optimistische Gewinnprognosen vielfach nicht haltbar sein werden. Vor allem dann, wenn sich das amerikanische Wirtschaftswachstum deutlicher abschwächen sollte.

Allerdings sind nicht alle Unternehmen miteinander vergleichbar. So sieht der Automobilzulieferer und Reifenhersteller Continental seine Gewinnziele bisher nicht in Gefahr. Im Unterschied ist das Unternehmen auch nicht voll auf das Geschäft mit Reifen angewiesen, denn es macht nur etwas weniger als die Hälfte des Umsatzes aus.

Amerikanische Reifenhersteller wurden kräftig „geshortet“

Conti-Chef Manfred Wennemer erklärte: „Wir haben keinerlei Informationen, die uns von unserer Prognose abweichen lassen. Es spricht alles dafür, daß Umsatz und Ergebnis wie vorausgesagt über dem Vorjahr liegen werden.“ Die Lkw-Reifen-Sparte, bei der sich die Rohstoffpreise besonders stark auswirken, sei bei Conti anders als etwa bei Michelin vergleichsweise klein. Auch der finnische Reifenhersteller Nokian Renkaat sah nach der gesenkten Bridgestone-Prognose keinen Anlaß zu einer Prognoseänderung, während die Aktie des Schwedischen Unternehmens Trelleborg am Montag nach einer Gewinnwarnung für das zweite Quartal deutlich unter die Räder geraten war.

Auch die Michelinaktie hat in den vergangenen Wochen deutlich an Flair verloren. Dazu mag der plötzliche Tod des bisherigen Firmenchefs beigetragen haben, sicherlich aber auch die Entwicklung bei den Rohstoffkosten. Die Aktie sieht zwar optisch günstig bewertet aus, allerdings dürfte man auch hier die Gewinnprognosen mit einer gewissen Vorsicht genießen müssen. Ähnliches gilt für die amerikanischen Cooper Tire & Rubber und Goodyear Tire & Rubber. Sie befinden sich schon seit Monaten in der Defensive und zählen im S&P 500 zu jenen Werten, die an deutlichsten „geshortet“ worden sind. Das spricht für sich und dafür, die Branche mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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