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Branchenanalyse Vorschusslorbeer für den Maschinenbau

26.05.2009 ·  Während in den Vorstandsetagen der deutschen Maschinenbauer Notfallpläne für Kapazitätsreduzierungen und Personalabbau aus den Schubladen geholt werden, kaufen Börsianer viele ihrer Aktien. Dabei herrscht große Skepsis unter Analysten.

Von Holger Paul
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Während in den Vorstandsetagen der deutschen Maschinenbauer Notfallpläne für Kapazitätsreduzierungen und Personalabbau aus den Schubladen geholt werden, zeigen sich die Börsianer erstaunlich zuversichtlich. Obwohl der Maschinenbau eine extrem heterogene Branche ist, in der sich die Geschäftsaussichten der einzelnen Teilbereiche stark unterscheiden, weisen die Aktienkurse der börsennotierten Unternehmen in den vergangenen Monaten einen auffallend großen Gleichlauf aus.

Einem kleinen Kursanstieg zu Jahresbeginn folgte im März der kräftige Rückschlag, als sich immer deutlicher abzeichnete, wie heftig die Auftragseingänge der Unternehmen im ersten Quartal gesunken waren. Seitdem gab es allenfalls erste Anzeichen für eine Wiederbelebung der Auftragseingänge, in erster Linie aus Asien.

Deutliche Kursgewinne bei vielen Maschinenbauwerten

Dennoch kletterten die Aktienkurse der Maschinenbauer in den vergangenen Wochen - mit wenigen Ausnahmen wie Singulus oder Homag - allesamt deutlich. Das Niveau vom Jahresanfang haben viele Kurse schon wieder überschritten. Und wer sich vor sechs Monaten mit Aktien eingedeckt hat, kann sich nun sogar über zum Teil deutliche Kurszuwächse (knapp 40 Prozent bei Gildemeister, gut 30 Prozent mit Wacker-Neuson, mehr als 40 Prozent bei Pfeiffer Vacuum) freuen.

Den institutionellen Marktbeobachtern ist dieser jüngste Aufschwung allerdings nicht geheuer. "In den Kursen steckt einiges an Vorschusslorbeer. Eine echte Verbesserung der Auftragslage im Maschinenbau wird frühestens gegen Jahresende sichtbar werden", sagt Tim Albrecht, Fondsmanager der DWS Investments. Viele Marktteilnehmer hätten offenbar nach der alten Maxime gehandelt, dass man zyklische Werte dann kaufen sollte, wenn die Lage besonders düster ist, um den anschließenden Aufschwung zur Gänze mitzunehmen. „Aber das ist dieses Mal ein gefährliches Spiel“, warnt Albrecht. Denn die Durststrecke im Maschinenbau könnte länger dauern, als es die Börsianer derzeit erwarten. "Einige Maschinenbauer könnten noch ein bis zwei Jahre lang unter einer Unterauslastung ihrer Kapazitäten leiden", sagt der DWS-Fondsmanager.

Das gilt insbesondere für die Hersteller von großen Investitionsgütern. Sie haben ihren Kunden in den vergangenen Jahren eine Fülle neuer Maschinen geliefert, die nun so schnell nicht wieder ersetzt werden müssen. Etwas besser sieht es dagegen für die Hersteller von Baumaschinen aus, die im Tagesgeschäft von den staatlichen Konjunkturprogrammen insbesondere in den Vereinigten Staaten oder China profitieren sollten. Ulrich Scholz, Analyst von Sal. Oppenheim, nennt Wacker Neuson dafür als Paradebeispiel. Der Konzern sei mit seinen leichten Baumaschinen schon früh von der Krise auf dem amerikanischen Hausmarkt erfasst worden und könne nun als einer der ersten auch wieder aus dem Tal herauskommen. Da die Wacker-Maschinen deutlich schneller abgeschrieben werden als große Baukräne oder Asphaltmaschinen, seien die Kunden nun vielleicht auch rascher wieder mit Nachbestellungen zur Stelle, argumentiert Scholz. Generell zeigen sich aber auch die Sal.Oppenheim-Analysten skeptisch. „Der Markt setzt darauf, dass sich im zweiten Halbjahr bei allen Herstellern eine deutliche Besserung der Lage bemerkbar machen wird, aber diese Zuversicht können wir nicht teilen“, sagt Scholz.

Anleger sind keineswegs über die Entwicklung sicher

Die hohe Volatilität der einzelnen Aktienkurse zeigt nach Ansicht von Gordon Schönell, Analyst des Bankhauses Lampe, auch, dass sich die Marktteilnehmer über die Aussichten der Maschinenbauer keineswegs so sicher sind, wie es die jüngsten Kursgewinne vielleicht suggerieren. „Ich bin mir nicht sicher, ob wir schon an dem Punkt angelangt sind, an dem die Investoren wieder vermehrt zu solchen zyklischen Werten greifen.“ Die Kurse bewegen sich seiner Ansicht nach eher mit den Schwankungen des Dax oder des M-Dax. Einig sind sich viele Beobachter allerdings, dass die Marktteilnehmer derzeit zu wenig zwischen den einzelnen Maschinenbauaktien unterscheiden. „Die Investoren gehen aus der Vogelperspektive heran und kaufen den Sektor, es findet wenig Einzelauswahl statt“, sagt Tim Albrecht. Getrieben seien die Aktienkurse auch von der Charttechnik, sagt Stefan Maichl, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Die große Frage aber laute, ob das Geschäft der Maschinenbauer tatsächlich im Jahr 2010 wieder anzieht oder die Flaute doch länger andauert. Die Sparprogramme, die von den Unternehmen nun aufgelegt werden, können das rasche Abschmelzen der Auftragsbestände zumeist nicht ausgleichen, sagt Maichl. In der zweiten Jahreshälfte werde sich das Auftragsbild der Maschinenbauer zwar schon aus statistischen Gründen aufhellen, fügt Lampe-Analyst Schönell hinzu: "Aber ob dieser psychologische Effekt reicht, damit sich diese Aktien besser entwickeln als die anderer Branchen, bezweifele ich noch."

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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