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Branchenanalyse „Stahlanleger“ wetten auf das Krisenende

11.08.2009 ·  In der besonders tief in die Krise gestürzten deutschen Stahlindustrie gibt es erste Lichtblicke. Im Juni sind die Walzstahlbestellungen gestiegen. Doch die Stimmung für Stahlaktien ist heiterer als die der Stahlhersteller.

Von Werner Sturbeck
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In der besonders tief in die Krise gestürzten deutschen Stahlindustrie gibt es erste Lichtblicke. Im Juni sind die Walzstahlbestellungen auf den höchsten Wert seit Juli 2008 gestiegen. Im Juli zog die Rohstahlerzeugung gegenüber dem Vormonat um gut 7 Prozent an.

Auch die hohen Verluste, die die drei größten Stahlproduzenten in Deutschland - Thyssen-Krupp, Salzgitter und Arcelor-Mittal - im ersten Halbjahr aufgetürmt haben, sollten nun abnehmen. Dabei helfen erste Preisanhebungen bei Stahl und Edelstahl wie auch niedrigere Erzpreise. Auch sorgt die günstigere Kapazitätsauslastung für abnehmende Fixkostenanteile. So wird in jüngeren Stahlstudien dem Markt fast durchweg eine Bodenbildung konstatiert.

Börsenkurse zeigen optimistische Erwartungen der Anleger ...

Der Kapitalmarkt geht noch weiter. Seit Wochen werden die Aktien der drei Marktführer favorisiert. Deren Kurse haben sich durchweg von ihren diesjährigen Tiefstkursen weit abgesetzt. Selbst nach Kurseinbußen in den beiden ersten Handelstagen dieser Woche kosten ihre Aktien etwa doppelt so viel wie Ende März. Und unter Analysten überwiegt die Schätzung, dass zumindest Salzgitter und Arcelor-Mittal die bis Jahresmitte aufgebauten Verluste im zweiten Halbjahr in einen kleinen Gewinn je Aktie umdrehen können.

Die sich in den Börsenkursen ausdrückenden positiven Erwartungen findet man bei Stahlmanagern nicht. Interessanter als die Quartalsverluste, die der Salzgitter-Konzern am Donnerstag und Thyssen-Krupp einen Tag später präsentieren werden, sind die Prognosen der beiden deutschen Produzenten. Thyssen-Krupp arbeitet bereits im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2008/2009, muss also operativ 12 Krisenmonate bilanzieren. Bislang ist die Öffentlichkeit für den schlimmsten Fall auf einen Jahresverlust im oberen dreistelligen Millionen-Bereich vorbereitet. Der finanziell gut gepolsterte Salzgitter-Konzern hat noch die Chance, im vierten Kalenderquartal Anfangsverluste auszugleichen. Dessen überwiegend projektbezogenes Röhrengeschäft ist ohnehin wenig geschädigt, und gegenwärtig hilft auch der Aufschwung im Kupfergeschäft.

In den Unternehmen selbst geht man mit dem Begriff "Bodenbildung" noch vorsichtig um. Denn die sich derzeit abzeichnende Gesundung steht nicht auf festem Grund. Zwei Sondereffekte gestalten die typische Sommerpause lebhafter als üblich: Die Stahlverarbeiter beginnen die seit vergangenem Herbst weitgehend geräumten Lager wieder aufzufüllen, und einige Automodelle profitieren stark von den Abwrackprämien in 19 Staaten.

... und nur bedingt die der Unternehmen selbst

Der Lagerzyklus ist jedoch stets begrenzt, und der mit Subventionen angeheizte Autoverkauf wird spätestens im nächsten Jahr den Autoabsatz bremsen. So ruhen die Hoffnungen der Stahlhersteller mehr auf den Kundensegmenten Bau sowie Maschinen- und Anlagenbau. Die staatlichen Konjunkturprogramme wirken länger als die Abwrackprämie und versprechen zumindest den Baustahlherstellern auch 2010 ein besseres Geschäft. Dagegen ist die Lage bei den deutschen Maschinenbauern schwerer einzuschätzen. Viele profitieren gegenwärtig noch von ihrem Auftragsbestand von vor Beginn der Wirtschaftskrise. Die seit Monaten extrem niedrigen Bestellungen lassen jedoch befürchten, dass die Auslastung in den Unternehmen allmählich stärker abnehmen wird.

Derzeit gibt es in vielen Betrieben in Europa Werksferien. Deshalb wird sich frühestens im September abschätzen lassen, ob sich der Stahlmarkt tatsächlich 2010 aus dem Krisental entfernen kann. Dabei haben es die Produzenten selbst in der Hand, die Gesundung mit zu gestalten. Gegenwärtig ruhen 6 der 15 Hochöfen in Deutschland. Die Auslastung, die im Frühjahr unter 50 Prozent gerutscht war, bewegt sich nun in der eingeschränkten Kapazität in Richtung 80 Prozent. Volkswirte gehen davon aus, dass der Stahlbedarf erst in einigen Jahren wieder an die Spitzenwerte von 2007 anknüpfen wird. Bei Arcelor-Mittal wird im September in Bremen der erste eingemottete Hochofen wieder normal arbeiten. Wenn zu viele Wettbewerber zu schnell die Erzeugung wieder hochführen, würde das die Chancen erheblich einschränken, die Preise wieder auf ein auskömmliches Niveau anzuheben.

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Jahrgang 1949, Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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