23.05.2007 · Medizintechnik-Unternehmen, die sich mit Orthopädie- und Kardiologieprodukten auf die altersbedingten Beschwerden der Babyboomer einstellen, bieten Anlegern interessante Chancen, denken die Analysten von S&P.
Ende 2006 feierten Aktienanalysten ein wundervolles Börsenjahr. Übernahmeaktivitäten und eindrucksvolle Gewinne schoben den Dow Jones Industrial Average erstmals über die Marke von 12.000 Punkten. Doch nicht überall herrschte Feierlaune. Während Sektoren wie Energie und Versorger den S&P-500 im Jahr 2006 vorantrieben, zeigte sich der Gesundheitssektor in relativ schwacher Verfassung. Der Gesundheitsbranchenindex S&P Health Care zeigte mit einem Zuwachs von nur 5,4 Prozent für das Gesamtjahr die schlechteste Kursentwicklung aller Hauptsektoren und blieb weit hinter dem 13,6-prozentigen Anstieg des S&P-500 zurück.
In diesem Jahr scheint der Sektor jedoch auf dem Wege der Besserung zu sein. Im bisherigen Jahresverlauf bis zum 18. Mai glänzt der S&P-Gesundheitsbranchenindex mit einem Anstieg von 8,2 Prozent und übertrifft damit den boomenden Markt. Anleger sollten jedoch im Hinterkopf behalten, dass der Sektor breitgefächert ist und einige Segmente möglicherweise größere Ertragsaussichten versprechen als andere.
Demographie als Chance
Aus Anlegersicht könnten jene Unternehmen von Interesse sein, die sich auf die gesundheitlichen Bedürfnisse der in die Jahre kommenden Babyboomer-Generation einstellen. Innerhalb des Gesundheitssektors gibt es einen Untersektor, der gut aufgestellt ist, um genau von dieser Bevölkerungsschicht zu profitieren: die Medizintechnik. Dieses Segment umfasst Unternehmen, die von Herzschrittmachern bis hin zu künstlichen Gelenken so gut wie alles produzieren
Verschleißerscheinungen von Gelenken, Hüfte und Wirbelsäule fördern eines der potentiell lukrativsten Felder der Medizin, da die alternden Babyboomer auch mit 60+ noch einen aktiven Lebensstil pflegen möchten. Robin Young, Berater auf dem Gebiet der Orthopädie, hat Produkte aus diesen Anwendungsbereichen analysiert und gelangt zu der Ansicht, dass jene Unternehmen als Gewinner hervorgehen werden, die den Tragekomfort von weitverbreiteten Produkten wie den künstlichen Hüft- und Kniegelenken verbessern
Als Beispiel sei Zimmer Medical genannt. Die Aktie des Medizintechnikunternehmens schoss im vergangenen Jahr um fast 50 Prozent nach oben, und die Analysten sind nach wie vor positiv gestimmt. Für den nötigen Schub sorgte das von Zimmer im Jahr 2006 eingeführte Knieimplantat, das speziell an die weibliche Anatomie angepasst ist. Durch Verringerung der postoperativen Schmerzen können Frauen mit diesen Implantaten ein beweglicheres Leben führen als mit den zuvor gebräuchlichen Unisex-Modellen
Young geht außerdem davon aus, dass künstliche Komponenten in Zukunft Marktanteile an die regenerative Medizin abgeben könnten. So arbeitet etwa das Biotechnologieunternehmen Osiris Therapeutics an einer Stammzellentherapie zur Regeneration von Knorpelmasse im Kniegelenk, wenngleich von der Entwicklung bis zur Marktreife sicherlich noch einige Jahre ins Land gehen werden.
Erhalt der Beweglichkeit
Zwei weitere potentiell interessante Bereiche innerhalb der Orthopädie sind Anwendungen für die Wirbelsäule und die Extremitäten.
Young zufolge arbeitet ein Dutzend Unternehmen an bewegungserhaltenden Verfahren als Alternative zu Versteifungsoperationen (Spondylodese) der Wirbelsäule. Ein führendes Unternehmen auf diesem Gebiet ist Kyphon, das Anfang diesen Jahres St. Francis Medical übernahm, ein Unternehmen mit einem bewährten Produkt für die Behandlung von lumbaler Spinalstenose (LSS), einer Einengung des Spinalkanals durch Verschleißerscheinungen der Lendenwirbelsäule, die eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität nach sich ziehen kann. Angesichts der zahlreichen - oftmals kleinen und im Privatbesitz befindlichen - Unternehmen, die mit Behandlungsmethoden für Rückenbeschwerden auf den Markt treten, sind Young zufolge zahlreiche Pleiten programmiert, selbst in einem rasant expandierenden Umfeld. „Es ist von alles entscheidender Bedeutung, als erster auf dem Markt zu sein“, so Young.
Bis vor kurzem konzentrierten sich Orthopädieprodukte auf die einträglichen Bereiche Knie, Hüften und Wirbelsäule. Young zufolge fließt mittlerweile jedoch mehr und mehr Geld in „Extremitäten“ wie „Schultern, Ellbogen, Zehen, Finger und Handgelenke“. Ein Anbieter auf diesem Gebiet ist die Wright Medical Group, deren Produktlinien unter anderem künstliche Füße und Schultern umfassen.
Kampf um Marktanteile
Die Gelenke der Babyboomer sind indes nicht die einzigen Körperteile, die unter Verschleißerscheinungen leiden - auch ihre Herz-Kreislauf-Systeme bedürfen der einen oder anderen medizinischen Überholung. Gefäßprothesen - Metallimplantate, die in verstopfte Blutgefäße eingesetzt werden, um die weitere Durchblutung zu gewährleisten - waren bis vor einigen Jahren der Kassenschlager unter den Kardiologieprodukten. Mittlerweile ist der Markt jedoch gesättigt, und Piper-Jaffray-Analyst Tim Nelson zufolge tobt unter den Anbietern nun ein „Kampf um Marktanteile“.
Zur Belebung ihrer schwächelnden Aktien könnten große Medizintechnikanbieter wie Medtronic und Boston Scientific dem Gemetzel auf dem Markt für Gefäßprothesen entgehen, indem sie die bei Herzschrittmachern bewährte Technologie der Neurostimulation auf andere Krankheitsbilder ausdehnen. Medtronic mit Sitz in Minneapolis führte unlängst eine Therapie ein, die ein herzschrittmacherähnliches Gerät zur Behandlung der Parkinson-Krankheit einsetzt, während Boston Scientific ein System vermarktet, das sich elektrischer Impulse zur Linderung chronischer Rückenschmerzen bedient.
Innovative Behandlungsformen
Positive Perspektiven sieht Tim Nelson auch für Intuitive Surgical und Hansen Medical, beides Anbieter von Medizintechnik für robotergestützte Eingriffe, die sich jedoch in unterschiedlichen Phasen ihres Lebenszyklus' befinden. Intuitive Surgical verzeichnete in den vergangenen zwei Jahren steigende Aktienkurse, nachdem sein Operationsroboter „da Vinci“ die Zulassung zur Assistenz bei Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) und radikaler Prostatektomie (Prostataentfernung) erhalten hatte. Hansen Medical ist der risikoreichere Kandidat. Erst vor kurzem erhielt das Unternehmen die Genehmigung für sein Sensei-Roboter-Kathetersystem zur Behandlung von Herzerkrankungen.
Ähnlich positive Aussichten sieht Morningstar-Analystin Julie Stralow für FoxHollow Technologies. Das Medizintechnikunternehmen entwickelt und vermarktet das minimal-invasive System SilverHawk, mit dem Ärzte Ablagerungen (Plaques) in verstopften Blutgefäßen entfernen können, bevor schwere Durchblutungsstörungen eine Amputation erforderlich machen. SilverHawk kommt in den Beinarterien von Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit zum Einsatz.
Stralow ist überzeugt, dass die SilverHawk-Geräte eine bessere Alternative zu den bisherigen, mühsameren Behandlungsmethoden der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit bieten, die durch zunehmende Probleme wie Altersdiabetes und Fettleibigkeit hervorgerufen wird. Stralow stuft das bislang unprofitable Unternehmen als hochriskant ein, bewertet dessen Aktie mit Blick auf das Wachstumspotential des Marktes jedoch mit einem Fair Value von 39 Dollar, was einem Plus von 72 Prozent gegenüber dem derzeitigen Kursniveau entspricht. Zu den in der Entwicklung befindlichen Folgeprodukten von FoxHollow zählt RockHawk, das speziell für die Entfernung von Kalziumablagerungen in Blutgefäßen konzipiert wird.
Angesichts der Wettbewerbssituation und der Innovationsgeschwindigkeit auf dem Gebiet der Medizintechnik kann keines der genannten Aktien als sichere Wette gelten. Da jedoch Millionen von Babyboomern allmählich in die Jahre kommen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich einige Unternehmen mit altersbedingten Beschwerden eine goldene Nase verdienen, mindestens ebenso real wie jede andere sichere Wette an der Wall Street.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |