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Veröffentlicht: 14.02.2008, 11:37 Uhr

Branchenanalyse Eisenbahnaktien zeigen relative Stärke

Obwohl amerikanische Eisenbahnaktien in den vergangenen Monaten an der Börse gut gelaufen sind, bewertet S&P die Aussichten dieser Branche aufgrund fundamentaler Überlegeungen neutral. Einzige Kaufempfehlung in dieser Branche: CSX.

© CSX CSX-Zug mit Brücke

Der Standard-&-Poor's-1500-Railroads-Subindustry-Index ist das jüngste Mitglied auf der Liste der dynamischsten Werte. Dies zeigt, dass seine zurückliegende 12-monatige Preisperformance jetzt zu den obersten 10 Prozent aller Subindustry-Indizes im S&P 1500 (Kombination aus den Indizes S&P 500, S&P MidCap 400 und S&P SmallCap 600) gehört.

Im Jahresauflauf hatte der S&P-Railroads-Index am 8. Februar um 4,9 Prozent zugelegt; im Vergleich dazu war der S&P 1500 im gleichen Zeitraum um 9,1 Prozent gefallen. Im Laufe des Jahres 2007 war dieser Subindustry-Index um 19,5 Prozent gestiegen, während die Märkte durchschnittlich um 3,2 Prozent zunahmen.

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Auf oder über historischen Durchschnittswerten

Man werfe einen Blick auf die neben stehende Grafik. Zu Erinnerung: Die gezackte blaue Linie repräsentiert die rollierende 52-wöchige Preisperformance des Subindustry-Indexes im Vergleich zur 52-wöchigen Performance des S&P 1500. Jeder Punkt über der 100-Marke bedeutet eine bessere Marktperformance als im vorangegangenen Jahr; Punkte unter der 100-Marke zeigen eine schlechtere Marktperformance als im Vorjahr an. Die rote Linie repräsentiert den rollierenden 39-Wochen-Durchschnitt, während die beiden grünen Bereiche je eine Standardabweichung über oder unter dem relativen 17-Jahres-Durchschnitt des Indexes anzeigen.

Infografik / S&P 1500-Eisenbahnindex* versus S&P 1500 © S&P Vergrößern

Die Aktienanalysten von S&P beobachten eine Gruppe fünf groß- und kleinkapitalisierter Unternehmen im S&P-1500-Railroads-Subindustry-Index. Das marktkapitalisierungsgewichtete S&P-STARS-Ranking dieser Gruppe beträgt 3,2; beim S&P 1500 liegt es im Vergleich dazu bei 3,8. Lediglich ein Unternehmen weist ein günstiges STARS-Ranking auf: CSX, das eine (Kauf-)Empfehlung von 4 STARS erhält. Die vier anderen Unternehmen - Burlington Northern Santa Fe, Kansas City Southern, Norfolk Southern und Union Pacific - erhalten (Nichtverkaufs-)Empfehlungen von 3 STARS.

Chefanalyst Kevin Kirkeby, der für S&P Equity Research die Gruppe dieser Unternehmen beobachtet, gibt sich bezüglich der Fundamentalaussichten dieser Eisenbahnkonzerne neutral. Er glaubt, dass die Frachtraten im nächsten Jahr um einen mittleren einstelligen Betrag ansteigen, da die Eisenbahnunternehmen mit dem Hinweis auf die ausgelasteten Kapazitäten ihrer Schienennetze bei Erneuerung der Verträge bessere Konditionen herausholen - und die Transporte abstoßen, die nur geringe Erträge erbringen. Zwar wird damit gerechnet, dass auch 2008 das Transportvolumen in den Marktsegmenten Holz und Baumaterialien sowie beim kombinierten Verkehr zu gering ausfällt; doch wird diese Schwäche wahrscheinlich durch entsprechende Zunahmen beim Transport von Kohle und Getreide ausgeglichen. Die im vierten Quartal erzielten Erträge mehrerer großer Eisenbahngesellschaften - und die Erwartungen dieser Unternehmen für diese Branche - stützen, so Kirkeby, im Großen und Ganzen diese Ansicht.

Bahnen: Kurzfristig zurückgehendes Geschäft, längerfristig hoher Investitionsbedarf

Trotzdem sieht S&P Anzeichen für eine neutrale Bewertung dieser Unternehmen. Die meisten
Eisenbahnaktien befinden sich auf oder über ihren historischen Durchschnittswerten und das Regulierungsrisiko nimmt zu. Außerdem weist Kirkeby darauf hin, dass ein zunehmender Teil des Ertragszuwachses nur mithilfe aggressiver Programme zum Aktienrückkauf zustande gekommen ist.

2007 stiegen die Umsätze der Eisenbahnunternehmen schätzungsweise um 4 Prozent an, während die Betriebsergebnisse um knapp 6 Prozent gestiegen sind. Der Frachtverkehr in Tonnenmeilen (Gewicht mal Entfernung) sank in den Vereinigten Staaten in 2007 zwar um 1 Prozent, stieg aber nach Schätzungen des Amerikanischen Eisenbahnverbandes (AAR) im Jahresauflauf zum 12. Januar um 1 Prozent an. Ähnlich sank die Zahl der Waggonladungen 2007 insgesamt um 2,5 Prozent, stieg aber im Jahresauflauf zum 12. Januar um 0,2 Prozent an.

Nach einem Rekordergebnis 2006 fiel das Volumen im kombinierten Verkehr in 2007 um 2,1 Prozent auf 12 Millionen Waggons oder Container. In den ersten beiden Wochen des Jahres 2008 sank die Zahl der Einheiten im kombinierten Verkehr um 5,7 Prozent.

Langfristig gibt S&P den Eisenbahnen eine günstige Prognose, unter der Annahme, dass der Umfang des Kerngeschäfts (Kohle, Getreide und Chemikalien) dieser Transportbranche im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung zunimmt. Der niedrige Kraftstoffverbrauch der Eisenbahnen im Vergleich zu anderen Transportarten sowie die Überlastung der Autobahnen und die ungewisse Verfügbarkeit von LKW-Fahrern können laut Kirkeby dazu beitragen, langfristig mehr industrielle und kombinierte Güter auf die Schiene zu bringen. Allerdings weist er darauf hin, dass die Eisenbahnunternehmen erhebliche Ausgaben für die Infrastruktur tätigen müssen, um diese zusätzlichen Frachtmengen auch bewältigen zu können. In den vergangenen fünf Jahren lagen bei den führenden Eisenbahnunternehmen die Kapitalaufwendungen um 14 Prozent höher als die jährlichen Erträge.

Das ist des Pudels Kern. Trotz der relativen Stärke dieser Branche scheint die fundamentale gesamtwirtschaftliche Perspektive diesen Optimismus nicht zu unterstützen.

Quelle: BusinessWeek Online

 

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