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Branchenanalyse Bahnaktien müssen genau selektiert werden

17.03.2005 ·  Die jüngste eindrucksvolle Performance der amerikanischen Bahnaktien läßt den Gesamtsektor wie eine sichere Sache erscheinen. Doch kluge Anleger erkennen, daß sich nicht alle Titel auf der gleichen Strecke befinden.

Von Sam Stovall, S&P
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Ist der Zeitpunkt gekommen, um auf Bahnaktien aufzuspringen? Nun, der S&P Railroads-Unterbranchenindex - eine Sammlung von fünf Titeln aus dem S&P 1500 Index (dieser vereinigt den S&P 500, den S&P MidCap 400 und den S&P SmallCap 600) - ist in den vergangenen Monaten ganz gut vorangekommen.

Im Jahr 2004 verzeichnete dieser Subindex ein Plus von 23 Prozent, während der S&P 1500 lediglich um zehn Prozent zulegte. Dank dieser Performance schaffte es die Gruppe, auf die Branchenmomentum-Liste von S&P gesetzt zu werden. Das zugehörige Relative-Stärke-Kurschart ist in der beigelegten Graphik abgebildet.

Entwicklung der relativen Stärke sieht günstig aus ....

Die zackige blaue Linie markiert die Kursentwicklung des Subindex auf gleitender 52-Wochen-Basis im Vergleich zur 52-Wochen-Performance des S&P 1500. Jeder Punkt über der 100er Marke deutet auf eine Outperformance des Marktes gegenüber dem Vorjahr hin, während Punkte darunter eine entsprechende Underperformance signalisieren. Bei der roten Linie handelt es sich um einen gleitenden 39-Wochen-Durchschnitt, und die beiden grünen Bänder repräsentieren die Standardabweichung ober- bzw. unterhalb der durchschnittlichen 'Relativen Stärke' des Subindex über einen Zeitraum von 14 Jahren hinweg betrachtet.

Das Chart zeichnet gewiß ein günstiges Bild. Aber wie sieht es mit den Fundamentaldaten der Gruppe aus? Und besteht überhaupt noch weiteres Aufwärtspotential für diese Aktien?

Wahrscheinlich nicht viel, will man der Einschätzung von Andrew West, CFA und S&Ps Bahnanalyst, Glauben schenken. Er bewertet die Anlageaussichten für die Branche neutral. Seiner Ansicht nach werden die Versandvolumen und Preise zwar weiterhin von dem für 2005 erwarteten breiten Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten profitieren, und auch die Gewinne sollten während dieses Aufwärtszyklus entsprechende Zuwächse verzeichnen. Dennoch glaubt West, daß die Anleger diese Stärke bereits in die Aktien eingepreist haben. Außerdem befürchtet der Analyst, daß die Anleger im Zuge der weiteren konjunkturellen Erholung diesen Titeln Adieu sagen und sich anderen Gruppen zuwenden könnten. Die Branche hat bereits in vergangenen Zinserhöhungsphasen eine Underperformance gezeigt, doch stellt die Performance in der Vergangenheit keinen Richtwert für die zukünftige Wertentwicklung dar.

... aber es ist schon viel vorweggenommen worden ...

Von einigen Schlüsselindikatoren ausgehend sieht West das Bahngeschäft für den Rest des Jahres in guter Verfassung. Für die Gesamtbranche rechnet er in diesem Jahr mit einem Umsatzwachstum von circa sieben Prozent, nach neun Prozent im Jahr 2004. Der Verkehr, in Tonnen-Meilen (Gewicht mal Entfernung) gemessen, erhöhte sich in den Vereinigten Staaten 2004 um circa 4,9 Prozent und hat in diesem Jahr bis einschließlich 12. Februar um 2,8 Prozent zugenommen - so die Schätzungen des amerikanischen Eisenbahnverbands, Association of American Railroads.

Die Waggonladungen nahmen im vergangenen Jahr um insgesamt 2,9 Prozent zu und weisen im laufenden Kalenderjahr bis einschließlich 12. Februar ein Plus von 1,9 Prozent aus. Der kombinierte Verkehr (Beförderung von Straßen- und Seecontainern per Eisenbahn) erzielte im Jahr 2004 mit einem Zuwachs von 10,4 Prozent auf elf Millionen Trailer bzw. Container ein Rekordvolumen; in diesem Jahr - bis einschließlich 12. Februar - nahm das Volumen bislang um 8,5 Prozent zu.

... so daß Einzeltitel sorgfältig gewählt werden müssen ...

Die Frachtraten werden aufgrund der starken Frachtnachfrage und der knappen Speditionskapazitäten der Ansicht von West zufolge in diesem Jahr weiter steigen. S&P sieht den Betriebsgewinn der großen amerikanischen Eisenbahngesellschaften in den Jahren 2004 und 2005 insgesamt um mehr als 20 Prozent steigen. In Anbetracht der scheinbar historisch hohen Aktienbewertungen, der hohen Energie- und Arbeitskosten und der durch höhere Frachtvolumina verursachten Probleme bei der Steuerung des Bahnverkehrssystems schätzt West die Aussichten für die Branche jedoch geringer ein.

Auf längere Sicht bescheinigt S&P den Eisenbahngesellschaften einen günstigen Ausblick, obgleich West für 2005 und 2006 mit einem langsameren Umsatz- und Gewinnwachstum rechnet. Er glaubt, daß sich die Hauptverkehrsbasis der Branche (Kohle, Getreide, Chemikalien und kombinierter Verkehr) gleichauf mit der Wirtschaft entwickeln wird. Darüber hinaus sieht der Analyst bei den Eisenbahngesellschaften durch die Abschaffung unwirtschaftlicher Arbeitspraktiken, eine verbesserte Servicequalität und den Einsatz erweiterter Informationssysteme zur Unterstützung des Entscheidungsprozesses in Kapitalbudgetbelangen noch Spielraum für eine Erhöhung der Margen sowie der Effizienz im operativen Geschäft. Infolge der von der amerikanischen Regulierungsbehörde STB (Surface Transportation Board) im Jahr 2001 erlassenen Richtlinien hält West Bahnfusionen in Zukunft für weniger wahrscheinlich.

... zum Beispiel Burlington Northern Santa Fe

Wie sieht es mit bestimmten Unternehmen in der Gruppe aus? Im Rangierbahnhof des Analysten steht nur Burlington Northern Santa Fe mit einer Fünf-Sterne-Empfehlung (eindeutige Kaufempfehlung). Der Rest wurde mit einem Drei-Sterne-Rating („Halten“) oder gar einer niedrigeren Einstufung bedacht.

Da haben Sie es also. Trotz des günstigen Momentums für diese hochzyklische Gruppe ist der fundamentale Ausblick auf Sicht von zwölf Monaten nur neutral. Nach Meinung von S&P erfordert dies eine überlegte Titelauswahl.

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