13.11.2008 · Eine Prognosesenkung von Intel war erwartet worden. Doch das Ausmaß schockierte die Analysten. Auch für andere Technologieunternehmen laufen die Geschäfte deutlich schlechter - von den Händlern ganz zu schweigen. Keine Zeit für spekulative Käufe.
Es ist gerade ein Jahr her, da wurden Technologieaktien als sicherer Hafen vor den Unbillen der Finanzkrise gepriesen (siehe Technologie als sichere Zuflucht vor der Finanzkrise). Schon seinerzeit gab es große Zweifel an dieser These (siehe Finanzkrise macht Technologietitel verwundbar; Wenig Hoffnung für Technologieaktien). Spätestens seit dem Mittwochabend dürfte offensichtlich sein, dass die These voreilig war.
Mit einer drastischen Prognosekürzung brachte vor allem der Weltmarktführer für Prozessoren, Intel, die Branche ins Zittern. Intel erklärte, die Nachfrage bleibe in allen Regionen und Marktsegmenten deutlich hinter den Erwartungen zurück, zudem verringerten die PC-Hersteller ihre Lagerbestände. Das Unternehmen reduzierte seine Umsatzprognose für das vierte Quartal um 14 Prozent auf rund neun Milliarden Dollar. Im dritten Quartal hatte Intel noch 10,2 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet.
Schockierte Analysten
Auch die Prognose für die Gewinnspanne nahm der Konzern herunter. Die Brutto-Marge sieht Intel im vierten Quartal bei nur noch 55 Prozent. Zuvor hatte der Konzern mit 59 Prozent gerechnet. Intel senkt zudem seine Investitionen im Schlussquartal um 100 Millionen Dollar auf 2,8 Milliarden Dollar.
Analysten waren schockiert. Sie hatten zwar mit einer Reduzierung der Prognose gerechnet, jedoch nicht in diesem Ausmaß. Nun müsse man sich im Technologiesektor auf neue Realitäten einstellen, sagte Analystin Taunya Sell von Wells Fargo. „Natürlich wird das auch Auswirkungen auf Microsoft im PC-Markt haben.“ Für ihren Kollege John Dryden deutet die neue Intel-Vorhersage auf ein extrem schwaches Weihnachtsgeschäft hin. „Wenn der Umsatz so tief fällt, heißt das, die Menschen haben ihren Urlaubs-Konsum im Wesentlichen eingestellt.“
Da Intel als Stimmungsbarometer für die Technologiebranche gilt, rechnen sie auch bei anderen Unternehmen mit Einbußen, die sich auch bei den Chip-Herstellern National Semiconductor und Applied Materials zeigen.
Stellenstreichungen
National Semiconductor schraubte seine Umsatzprognose für das laufende Quartal um rund zehn Prozent nach unten und kündigte den Abbau von 330 Stellen an. Das Marktumfeld und die Auftragseingänge hätten sich in den letzten Monaten signifikant verschlechtert, teilte der Konzern mit. Besonders die Geschäfte der Handy-Chipsparte, die rund ein Drittel des Umsatzes ausmache, seien schwächer verlaufen. Aber auch in anderen Konzernsparten sei ein Abschwung zu spüren. Die Auftragseingänge zeigten gegenwärtig eine deutliche Schwäche.
Applied Materials will 1800 Stellen streichen und damit die Belegschaft um rund zwölf Prozent verringern. Der Konzern verdiente im vergangenen Quartal nur noch gut halb so viel wie vor einem Jahr. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf rund zwei Milliarden Dollar. „Die Tumulte an den Finanzmärkten in den letzten sechs Wochen sind beispiellos. Die Abschwächung der Weltwirtschaft wird alle Geschäftsbereiche von Applied erheblich belasten“, sagte Firmenchef Mike Splinter. Im ersten Geschäftsquartal rechnet Applied Materials mit einem Rückgang des Umsatzes um 25 Prozent bis 30 Prozent. Das Unternehmen verschiebt zudem den Rückkauf weiterer Aktien.
Konkurse
Schon zu Wochenbeginn hatten vor allem Unternehmen aus der Verbraucherelektronikbranche mit schlechten Nachrichten die Märkte schockiert. Die seit fast 50 Jahren bestehende Elektronikhandelskette Circuit City hatte am Montag Gläubigerschutz beantragt. Erst vergangene Woche hatte das Unternehmen die Schließung jeder fünften amerikanischen Filiale und einen massiven Stellenabbau angekündigt. Nur ein neuer Milliardenkredit sichert derzeit den Geschäftsbetrieb. Circuit City schrieb in den vergangenen zwei Geschäftsjahren rote Zahlen bei einem Umsatz von zuletzt knapp zwölf Milliarden Dollar.
Unter der schwachen Nachfrage in einem scharfen Wettbewerbsumfeld leidet auch der Marktführer Best Buy, der am Mittwoch seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2009 gesenkt hat und nun im besten Fall mit einem Gewinn von 2,9 Dollar je Aktie und einem Umsatz von 45,5 Milliarden Dollar rechnet. Das untere Ende der Prognosen liegt bei 2,3 Dollar je Aktie oder 43,7 Milliarden Dollar. Ursprünglich stellte Best Buy einen Gewinn von 3,25-3,4 Dollar je Aktie in Aussicht.
Die Prognose zu den Filialumsätzen der restlichen vier Monate des Geschäftsjahres 2009 sieht einen Rückgang von 5 bis 15 Prozent vor. Im Gesamtjahr dürften sich die Filialumsätze um 1 bis 8 Prozent rückläufig entwickeln. Bislang rechnete der Konzern für 2009 mit einem Zuwachs von 2 bis 3 Prozent.
Auch Asiaten leiden
Das Konsumentenverhalten habe sich seit Mitte September „erdbebenartig“ verändert, sagte der Vorstandsvorsitzende Brad Anderson. „In 42 Jahren habe man nie so schlechte Zeiten für Verbraucher gesehen“, so Verwaltungsratspräsident Brian Dunn.
Und die schlechten Aussichten sind nicht auf Amerika beschränkt. So stürzte der Aktienkurs des chinesischen Computerherstellers Lenovo in dieser Woche um 17 Prozent auf ein Neunjahres-Tief bei 1,82 Hongkong-Dollar.
Grace Chen, Analystin bei Morgan Stanley in Taipei, hatte die Empfehlung für den Titel gesenkt, nachdem das Unternehmen eine niedrigere Gewinnprognose abgegeben hatte.
Im zweiten Geschäftsquartal war der Gewinn um 78 Prozent eingebrochen. Die Nachfrage nach PCs werde in den kommenden Quartalen schwach bleiben, da die Finanzkrise dazu führe, dass Unternehmen ihre Ausgaben für Informationstechnik zurückfahren, sagte Lenovo-Vorstandschef William Amelio.
Keine Zeit für Vorschusslorbeeren
Der Umsatz im Quartal bis Ende September schrumpfte wechselkursbereinigt um fünf Prozent, teilte Finanzvorstand Wong Wai Ming mit. Die Lieferungen in die Vereinigten Staaten, den größten Markt des Unternehmens nach China, gingen Wong zufolge neun Prozent zurück.
Nicht jedes Unternehmen in der Technologie-Branche dürfte gleich stark unter der Rezession leiden. Doch wer immer seine Prognosen bisher nicht bestätigt oder erhöht hat, könnte dies noch tun oder mit negativen Überraschungen aufwarten. Vorschusslorbeeren sind bei Technologiewerten daher derzeit wohl nicht angebracht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |