Seit Jahren sehen sich die Tabakkonzern nun schon mit milliardenschweren Klagen von Seiten gesundheitsgeschädigter Raucher konfrontiert. Und bei diesen Auseinandersetzung vor Gericht fühlen sich das eine Mal die Kläger und das andere Mal die Angeklagten als Sieger.
Bei diesem Tauziehen hatte am vergangenen Freitag zur Abwechslung wieder einmal die Tabakindustrie das bessere Ende auf ihrer Seite. Denn da wies ein amerikanisches Berufungsgericht die Forderung der amerikanischen Regierung gegen die Tabakkonzerne nach Zahlung von 280 Milliarden Dollar wegen angeblicher Vertuschung der Gefahren des Rauchens ab.
Tabak-Aktien steigen nach dem Urteil auf neue Rekordkurse
Obwohl das noch nicht die letzte Instanz war, zeigten sich die Anleger erleichtert und werteten dies als Signal sich in dem Sektor wieder stärker zu engagieren. So kommentierte Thomas Russo, Partner einer Investmentgesellschaft aus Pennsylvania, das Urteil wie folgt: „Es ist gut zu wissen, daß die Fakten und Umstände genau angesehen und die Gesetze fair angewendet werden, selbst, wenn es sich um Tabak handelt.“
Und Pieter Vorster, Analyst bei Credit Suisse First Boston, ergänzt: Wir werten dieses Urteil als einen wichtigen Sieg für die Tabakindustrie.“ Gerry Gallagher, Analyst bei der Deutschen Bank in London nahm den Entscheid sogar zum Anlaß, um die BAT-Aktie von „Halten“ auf „Kaufen“ hochzustufen.“
Die Aktien der Altria Group, der die Rechte an Philip Morris USA gehören, legte daraufhin um über fünf Prozent zu, Reynolds American Inc gewannen 4,5 Prozent und am Montag legten British American Tobacco Plc (BAT) mit einem Plus von 3,7 Prozent nach.
Alle drei Werte, die zu den direkt beklagten Gesellschaften gehörten, markierten dabei neue Rekordhochs. Dieser Umstand signalisiert, daß sich diese Titel schon zuvor besser geschlagen haben, als man es angesichts der Klagewellen erwarten würde.
Die Aktienkurse der Tabak-Firmen dürften weiter laufen
Aber die mit den Klagen einhergehenden anfänglichen Konkursängste sind inzwischen längst verflogen. Allgemein gehen die Marktteilnehmer davon aus, daß die Strafen die Unternehmen zwar treffen, aber nicht ruinieren werden.
Als Beruhigungspille wirken zudem die hohen freien Cash Flows, welche die Tabak-Konzerne trotz der Gesundheitswelle und der ständig steigenden Zigarettenpreise noch wie vor zu erzielen im Stande sind. Außerdem sind Titel wie Altria trotz der erreichten Rekordkurse bei Kurs-Gewinn-Verhältnissen von unter zwölf relativ moderat bewertet.
Ein Kaufanreiz stellen zudem die in der Regel ansehnlichen Dividendenrenditen dar. So wirft die Altria-Aktie eine Rendite von 4,36 Prozent ab, was in Zeiten, in denen dividendenstarke Aktien bevorzugt werden, ein großer Vorteil ist.
Sollte es demnächst nicht wieder in Form einer neuen milliardenschwere Strafe einen Rückschlag für die Tabakindustrie geben, was bei der amerikanischen Justiz nie ganz auszuschließen ist, dann spricht vieles dafür, daß die Tabak-Aktien noch weitere Rekordkurse markieren werden, solange der Gesamtmarkt mitspielt. Anders als die Zigaretten werden sich die Tabak-Aktien jedenfalls nicht so schnell in Luft auflösen, wie es ihnen mitunter schon prophezeit wurde.