22.09.2004 · Der Export von Lastwagen brummt. Deutsche Hersteller verzeichnen eine gestiegene Auslandsnachfrage. Lastwagen-Aktien, vor allem Paccar und Volvo, laufen gut. Die Branche hängt indes sehr vom Konjunkturzyklus ab, mahnt S&P.
Einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Lastwagen-Messe IAA Nutz in Hannover steuert das Statistische Bundesamt eine schöne Nachricht für die Branche bei: Der Export von Lastwagen brummt. Im ersten Halbjahr wurden von Deutschland 167.000 Lastwagen im Wert von 3,4 Milliarden Euro exportiert, wie die Behörde am Mittwoch laut dpa mitteilte.
Damit stieg die Zahl der ausgeführten Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 8,0 Prozent an. Gemessen am Wert macht der Anstieg sogar 9,6 Prozent aus. Wichtigste Abnehmerländer waren Großbritannien, Frankreich und Italien. Zwei Drittel der exportierten Lastwagen gingen in Länder der Europäischen Union. Besonders gefragt sind Kleintransporter, wie sie von Ford, Mercedes und Volkswagen hergestellt werden.
MAN und Daimler-Chrysler zuversichtlich - Lkw-Aktien laufen gut
Und das Geschäft wird nach Einschätzung des Branchenverbandes VDA weiter gut laufen: Eine anhaltend hohe Nachfrage und starke Exportzahlen lassen die Nutzfahrzeughersteller weiter zuversichtlich in die Zukunft blicken. Zwar könnten steigende Materialkosten und das Erreichen von Kapazitätsgrenzen den Aufschwung 2005 etwas bremsen. „Im Moment sind jedenfalls keine Anzeichen für ein Ende des Nutzfahrzeug-Booms zu erkennen“, sagte Verbandspräsident Bernd Gottschalk laut Reuters anläßlich der Messe IAA Nutz. Sein Optimismus wird von den Vorständen der deutschen Branchenführer Daimler-Chrysler und MAN geteilt. Scania hat unlängst erst vor Engpässen bei der Lieferung gewarnt und Volvo für die ersten acht Monate des Jahres ein Plus bei den Auslieferungen von 23 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2003 gemeldet.
Dazu paßt, daß Aktien von Lastwagenherstellern in der jüngeren Vergangenheit gut gelaufen sind. So hat sich das Papier von MAN, dem Konzern, der außer Nutzfahrzeugen auch Druckmaschinen herstellt, binnen Jahresfrist um fast 39 Prozent und in den jüngsten vier Wochen um 9,3 Prozent verteuert. Die Volvo-Aktien rangieren an der Börse von Stockholm unweit des Fünfjahreshochs und sind seit Ende September 2003 um fast 28 Prozent hochgelaufen, die Scania-Titel um 17,3 Prozent; auch auf Monatsbasis liegen beide Papiere klar im Plus.
Nun wirft allerdings eine Studie aus dem Analysehause Standard&Poor´s einen leichten Schatten auf das rosige Bild. Das Geschäft hänge stark vom Verlauf der Konjunktur ab und sei deswegen sehr zyklisch, meint Analystin Maria Bissinger, die sich mit der Kreditwürdigkeit und den Anleihen von Lastwagenherstellern beschäftigt.
Schwankungen der Verkäufe zwanzigmal höher als bei Autos
Die Nutzfahrzeug-Branche teilt mit Produzenten von Personenkraftwagen eine Reihe von Merkmalen, wie S&P meint. Dazu zählen demnach die geringen Wachstumsmöglichkeiten ohne Zukäufe, die hohen Fixkosten und die Tatsache, daß die Produktionsanlagen und die notwendigen Roh- und Werkstoffe erhebliches Kapital binden. Hinzu kommen für Bissinger die Konzentration der Produktion bei einer recht kleinen Zahl von Herstellern und zahlreiche rechtliche Vorgaben auf den Feldern Sicherheit, Schadstoffausstoß und Treibstoffnutzung.
„Ein zusätzliches Merkmal, das die Nutzfahrzeug-Branche risikobehafteter macht als das übrige Automobilsegment ist die Tatsache, daß sie extrem zyklisch und entsprechenden Schwankungen unterworfen ist.“ Die Analystin führt zum Vergleich einige Zahlen aus der Vergangenheit an. Von 1999 bis 2001 gingen die Verkäufe amerikanischer Lastwagenhersteller um fast 50 Prozent zurück. Den bis dahin stärksten Einbruch hatte die Branche von 1988 bis 1991 erlebt. Vor allem infolge des ersten Golf-Kriegs waren die Verkäufe um 20 Prozent zurückgegangen. Dagegen seien die Umsätze von Personenkraftwagen in vergangenen Jahrzehnt im Durchschnitt nie um mehr als 2,1 Prozent gesunken. Wobei in Amerika der heftige Preisnachlaß-Wettbewerb, der künstliche Nachfrage erzeugt habe, eingerechnet sei.
S&P: Scania top bei der operativen Marge
Vor diesem Hintergrund ist aus der Sicht der Analystin mehr als in anderen Branchen wichtig, sich eine solide Marktposition und eine starken Markennamen zu erarbeiten. Dies setzt ausgeprägte Qualität voraus sowie technische Innovationen. Wie Bissinger anführt, sind Finanzierungshilfen für den Lkw-Handel und die Kunden hilfreich, um im Markt zu bestehen.
Gemessen an von den Unternehmen berichteten und von S&P geschätzten Gewinnspannen sehen Scania und der amerikanische Hersteller Paccar mit den Marken Kenworth, Leyland und DAF am besten aus. Sie kommen demnach in diesem Jahr auf operative Margen von gut 10,5 Prozent nach etwa 9,5 Prozent im vergangenen Jahr. Daimler-Chrysler als stärkster Verkäufer von Lastwagen müsse sich dagegen mit weniger als fünf Prozent begnügen und Volvo als wichtigster Produzent von Lastwagenmotoren mit annährend sechs Prozent. MAN liege wie Iveco mit knapp 3,5 Prozent darunter, wobei der italienische Hersteller sei 2002 die größten Fortschritte gemacht habe; seinerzeit war er noch in der Verlustzone mit minus 4,2 Prozent.
Paccar-Aktie der attraktivste Titel
Die operative Marge weist dabei interessante Wechselbeziehungen mit dem Aktienkurs auf. Die Paccar-Aktie ist derzeit mit 67,65 Dollar an der Wall Street auf Allzeithoch-Niveau. Dabei ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit 13,3 voll im Branchenrahmen. Volvo kommt auf ein KGV von 12,2, MAN ist mit 14,1 bewertet und Daimler-Chrysler mit 12,8, während für Scania keine Gewinnschätzungen verfügbar sind und damit ein KGV fehlt.
Charttechnisch gesehen ist die Paccar-Aktie, die sich binnen Jahresfrist um 26 Prozent und seit September 2001 um 239 Prozent verteuert hat, der attraktivste Wert, gefolgt von Volvo, die ebenfalls in einem ungefährdeten Aufwärtstrend fährt. Am unattraktivsten erscheint die Aktie von Daimler-Chrysler, die sich in einem langfristigen Abwärtstrend und in der unteren Hälfte ihrer seit sechs Monaten geltenden Handelsspanne bewegt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |