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Branchen-Analyse Neu aufgestellt reizen einige IT-Aktien zum Einstieg (Teil I)

25.06.2004 ·  Die IT-Branche konsolidiert sich langsam wieder und erholt sich vom Schock der geplatzten New Economy-Blase. Erste Erfolgsmeldungen locken Investoren an, berichtet die auf Nebenwerte spezialisierte Redaktion von Smartcaps.

Von der Smartcaps-Redaktion Frankfurt am Main
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Es schwingt etwas Wehmut mit, wenn Matthias Schrader von der alten Zeit erzählt. Dabei meint er gar nicht die Klischees, die sich auch heute noch um die New-Economy ranken. Um jene Branche, die einen so sagenhaften Aufstieg wie auch Fall in nur wenigen Jahren hinter sich brachte.

Er erzählt nicht die Geschichten von Mitarbeitern anderer Firmen, die für gute Ergebnisse einen Kurztrip nach Südfrankreich antreten durften oder sich in den Fluren der Software-Häuser Tischfußball-Matches lieferten. Er erinnert nicht an Aktienwerte, die sich jährlich vervielfachten und Vorstände, die daraufhin der Versuchung nicht widerstehen konnten, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Nein, Matthias Schrader erzählt von der Stimmung, die Mitte der Neunziger Jahre herrschte. Eine Art Goldgräber-Stimmung in der IT-Welt. Aber eigentlich will Matthias Schrader gar nicht zurück schauen, sondern nach vorne. Denn es gibt viel zu tun. „Das waren keine normalen Verhältnisse in der Branche. Das mußte irgendwann schief gehen“, sagt der Mittdreißiger, der 1996 zusammen mit Oliver Sinner das Hamburger Software-Unternehmen SinnerSchrader gründete. Wenn er heute auf die Branche blickt, spricht er von den „Übriggebliebenen“. Die, die sozusagen den Orkan überlebt haben und sich nun neu aufstellen müssen, um weiter bestehen zu können.

Spezialisierung notwendig

Die IT-Branche, in der die Hamburger Web-Agentur beheimatet ist, spürt momentan wieder etwas Aufwind. Keine Euphorie, aber doch ein wenig Hoffnung. Und die war in den vergangenen vier Jahren rar. „Der Markt hat sich geändert“, sagt Schrader im Gespräch mit der auf deutsche Nebenwerte spezialisierten Smartcaps-Redaktion. „Früher haben wir so genannte Grüne-Wiese-Projekte realisiert - also Beratung, Gestaltung und Implementierung aus einer Hand“, erklärt er. „Doch das wollen die Kunden heute nicht mehr.“

Die Hamburger haben darauf regiert und ihre Unternehmensstruktur geändert. SinnerSchrader bietet zwar noch immer den Rund-um-Service, allerdings separiert. „Wir haben die einzelnen Segmente getrennt und bieten ganz spezielle Lösungen je nach Bedarf der Kunden.“ Die Bereiche nennen sich jetzt Neue Informatik, Studio, Media, Betrieb und Analyse. „Spezialisierung heißt das Wort der Stunde.“

Zudem haben die Verantwortlichen Ende des vergangenen Jahres beschlossen, etwa 20 Millionen Euro aus Rücklagen an die Aktionäre auszuschütten. Balsam für die Seele der so arg Gebeutelten. Eine Aktie von SinnerSchrader war im Frühjahr 2000 mehr als 90 Euro wert. Heute notiert das Papier bei knapp drei Euro.

Nur zaghaft wird wieder investiert

Die Restrukturierung war zwingend. Der Umsatz des eBusiness-Unternehmens ist seit drei Jahren rückläufig. Das Ergebnis konnte aber nach einem Tief in 2001/02 wieder verbessert werden. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres, das mit dem Februar endete, rutschte SinnerSchrader nach einem kurzen Erfolg jedoch wieder in die roten Zahlen. „Wir haben immer noch etwas mit der Krise zu kämpfen“, gibt Schrader zu. Bei vielen Old-Economy-Unternehmen sitze der Schrecken der geplatzten Blase noch sehr tief. „Es sind Millionen damals in den Sand gesetzt worden“, sagt Schrader. „Die Verantwortlichen sind mit neuen Investitionen im IT-Bereich noch sehr zögerlich. Wir sind aber zuversichtlich, daß die Geschäfte bald wieder anziehen.“

Das Vorbild heißt wie so oft mal wieder Amerika. Der Weltmarkt für Informations- und Kommunikationstechnologien wird vor allem durch die Impulse aus Übersee 2004 spürbar um mehr als vier Prozent auf 2,16 Billionen Euro klettern, heißt es in der jüngsten Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens TNS Infratest, die gerade in München veröffentlicht wurde. Deutschland, der größte Einzelmarkt in Europa, habe bei einem prognostizierten Umsatzvolumen von 130 Milliarden Euro etwa sechs Prozent Anteil an diesem Weltmarkt. Insgesamt sind in der Informationswirtschaft derzeit etwa 750.000 Menschen beschäftigt.

Trendwende vor allem durch Internet-Dienste

„Während die Anbieter in den vergangenen Jahren noch mit der konjunkturellen Schwäche nicht nur auf dem deutschen, sondern insbesondere auch auf dem weltweiten Markt zu kämpfen hatten, rechnet die Branche für das laufende Jahr mit einer Trendwende,“ heißt es in der Studie
Nicht nur die Mobilkommunikation und breitbandige Internet-Technologien wie DSL sorgten für Impulse, sondern auch der Handel im Internet. Bis 2005 sei ein Wachstum des weltweiten elektronischen Handels (E-Commerce) um 50 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr auf dann mehr als 3,5 Billionen Euro realistisch.

(Teil zwei des Beitrags finden Sie unter dem Link Neu aufgestellt reizen einige IT-Aktien zum Einstieg (Teil I)).

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